Bad Homburg

An mehr als 20 Tagen im Jahr in Bad Homburg kostenlos Bus fahren

Bei großen Festen und am ersten Samstag im Monat soll in Bad Homburg das Ticket bald überflüssig werden. Das Angebot soll dazu motivieren, das Auto zu Hause stehen zu lassen.

Die Chancen stehen gut, dass der Bad Homburger Verkehrsausschuss heute Abend den Weg dafür frei machen wird, dass es künftig deutlich mehr Tage gibt, an denen im Stadtbusverkehr kein (innerörtliches) Ticket nötig ist. Die Grünen hatten gefordert, die Busfahrten während der großen Feste wie Wein- oder Laternenfest kostenlos anzubieten. Im Parlament wurde der Vorschlag begrüßt, allerdings sollten vor einer Entscheidung zunächst die Kosten geprüft werden.

Diese Schätzung liegt nun vor und die Kosten sind so niedrig, dass die Homburger Union spontan noch eins draufsetzen will. „Die CDU-Stadtverordnetenfraktion wird im Verkehrsausschuss einen Ergänzungsantrag einbringen, um das Busfahren in Bad Homburg künftig jeden ersten Samstag im Monat kostenlos zu machen“, teilten die Christdemokraten mit und lieferten auch gleich die entsprechende Begründung: „Busfahren ist aktiver Umweltschutz“, sagt Roland Mittmann, verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion.

So habe man über den Bericht des Magistrats zu den Kosten für kostenfreie Busse zum Laternenfest, Weinfest und Erntedankmarkt diskutiert. „Wir sind der Ansicht, dass die veranschlagten rund 20 000 Euro im Jahr dafür nicht zu teuer sind, die Bürger zu motivieren, an Festen ihr Auto zu Hause stehen zu lassen.“

Für Tage außerhalb der Adventszeit müsste die Stadt laut Vorlage an den RMV zahlen: Montag bis Freitag pro Tag jeweils 3670 Euro und pro Samstag 1600 Euro. Einen kostenfreien Sonn- oder Feiertag gäbe es für 630 Euro. Voraussetzung ist jedoch, dass es nicht mehr als vier kostenfreie Tage in Folge sind. Andernfalls wären wohl die Zeitkarteninhaber zu entschädigen. 


Für das Laternenfest (Freitag bis Montag und ohne Berücksichtigung einer möglichen Verstärkung mit zusätzlichen Bussen) wären 9570 Euro fällig, für das Weinfest 5900 Euro und den Erntedankmarkt 630 Euro.

Noch nicht im Preis enthalten ist, dass bei steigendem Fahrgastaufkommen mehr Busse eingesetzt werden müssten. So flossen an das Busunternehmen Transdev für die vier Adventssamstage 1800 Euro. Die nächtliche Verstärkung beim Laternenfest schlug mit 310 Euro zu Buche. hko

Insofern steht einer Zustimmung zum Grünen-Antrag nichts im Wege. Den will die Union aber noch erweitern: „Wir möchten auch unsere Einkaufsstadt stärken, indem wir kostenloses Busfahren zusätzlich jeden ersten Samstag im Monat ermöglichen. So können wir auch den samstäglichen Parksuchverkehr in der Innenstadt reduzieren.“ Mittmann verweist auf positive Erfahrungen der Stadt Tübingen. Dort brauchten Fahrgäste seit Februar 2018 für Fahrten zwischen Samstag, 0 Uhr, und Sonntagmorgen, 5 Uhr, kein Ticket mehr. Laut einem Bericht des „Schwäbischen Tagblatts“ vom Oktober vergangenen Jahres stieg die Zahl der Fahrgäste an den Samstagen um rund 30 Prozent.

Auch in Aschaffenburg ist der ÖPNV seit Dezember 2018 innerhalb der Stadtgrenzen an Samstagen frei. Dort wurde jüngst jedoch eine gemischte Bilanz gezogen – zwar erhöhte sich auch dort die Zahl der OPNV-Nutzer an den Samstagen um rund 30 Prozent, die Zahl der Autos in den innerstädtischen Parkhäusern ging jedoch nicht zurück, heißt es in einem Bericht des Bayerischen Rundfunks.

Einzelne Kommunen haben beim komplett kostenlosen ÖPNV schon vorgelegt. Das bayerische Pfaffenhofen (24 000 Einwohner) bietet seine Stadtbusse etwa seit 2018 kostenlos an und schaffte es im ersten Jahr, die Fahrgastzahlen zu verdoppeln. Das 44 000 Einwohner zählende Monheim in Nordrhein-Westfalen will in diesem Jahr nachziehen.

Die Bestrebungen, zumindest testweise ein 365-Euro-Jahresticket für den kompletten RMV einzuführen, gehen ebenfalls in die Richtung eines niedrigpreisigen ÖPNV. Die existierenden „Flatrate-Tickets“ sind laut Stadt ein Grund dafür, dass die tageweise Befreiung vom Ticketkauf im Vergleich zu vergangenen Jahren vergleichsweise günstig ist. So sank der Preis für einen kostenfreien Bus-Adventssamstag von rund 2500 auf rund 1600 Euro.

Außer an den vier Adventssamstagen sollen die Homburger künftig an 18 weiteren Tagen im Jahr kostenlos mit dem Bus fahren können. „Die weiteren 20 500 bis 22 500 Euro (inklusive Mehrkosten für zusätzliche Busse) sollten uns das wert sein“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Jedynak dazu.

HARALD KONOPATZKI

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