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Mädchen können eigene Schule löschen

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Von: Torsten Weigelt

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Bei einer Löschübung zeigten die Schülerinnen von der Schulfeuerwehr eine bravouröse Leistung.
Bei einer Löschübung zeigten die Schülerinnen von der Schulfeuerwehr eine bravouröse Leistung. © Renate Hoyer

Die Maria-Ward-Schule beginnt eine Kooperation mit der örtlichen Feuerwehr. Vielleicht wird daraus sogar ein Unterrichtsfach.

Dichter Rauch steigt vom Dach der Maria-Ward-Schule in den Himmel, die rund 400 Schülerinnen versammeln sich diszipliniert auf dem Sportfeld. Kurz darauf biegt bereits der erste Feuerwehrwagen um die Ecke. Als er auf dem Schulhof stoppt, springen jedoch keine Brandschützer der Bad Homburger Feuerwehr heraus, sondern acht Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren.

Gerade einmal fünf Tage hatten sie Zeit zu üben, doch die Handgriffe sitzen perfekt. Nicht einmal zwei Minuten dauert es, da spritzt bereits Wasser Richtung Schuldach. Und kurz darauf ist der Brand „gelöscht“. Beifall brandet auf.

„Eine stolze Leistung“, lobte Werner Koch, Staatssekretär im hessischen Innenministerium. Er war gestern nach Bad Homburg gekommen, um einen Vertrag zu unterzeichnen, der die Zusammenarbeit zwischen Maria-Ward-Schule und der hiesigen Feuerwehr besiegelt. Die Mädchenschule ist die erste Bildungseinrichtung im Hochtaunuskreis, die eine solche Partnerschaft eingegangen ist. Das Land fördert das Projekt mit bis zu 3000 Euro und stellt den Projektpartnern Informationen und Arbeitshilfen zur Verfügung.

„Wir machen viele ungewöhnliche Sachen“, sagt Schulleiterin Michaela Eder. Nach dem nun erfolgten „Appetizer“ in Form einer Projektwoche will sie ab dem kommenden Schuljahr eine AG für junge Brandschützerinnen einrichten. Wenn das gut klappe, sei sogar daran gedacht, eine Art Feuerwehrunterricht in die Stundentafel zu integrieren. „Das ist aber noch Zukunftsmusik“, betont Eder.

Die acht Teilnehmerinnen an der Projektwoche jedenfalls zeigten sich angetan von ihrem Schnupperkurs. „Sehr cool“, lobte Lena. Die 15-Jährige war von ihrer Freundin Larissa motiviert worden, deren Vater Feuerwehrmann in Frankfurt ist. Am besten habe ihr die Teamarbeit gefallen, lobte Lena. „Alle haben mitangepackt.“ Gut sei aber auch die Betreuung durch die Bad Homburger Feuerwehr gewesen, ergänzte Larissa. „Die haben sich echt Mühe gegeben.“

Das freute Stadtbranddirektor Daniel Guischard. Schließlich hatten seine Leute die Mädchen nicht geschont. Sogar ein „Bootcamp“ hatten sie eingerichtet, einen Sportparcours, der den Anforderungen von Einstellungstests bei Feuerwehr und Polizei nachempfunden war. Ziel sei es gewesen, den Mädchen nicht nur Spaß zu vermitteln, sondern sie auch mit dem beruflichen Alltag bekannt zu machen, so Guischard.

Mit der Aktion wolle die Feuerwehr für mehr ehrenamtliches Engagement werben, erläuterte der Vorsitzende der Kreisfeuerwehrverbandes Hochtaunus, Norbert Fischer. Er hofft, dass das Pilotprojekt an der Maria-Ward-Schule von anderen Einrichtungen in der Modellregion aufgegriffen wird, zu der auch der Main-Taunus-Kreis und Frankfurt gehören.

Um die Kordination kümmert sich Michael Grau, der als Lehrerausbilder und Feuerwehrmann beide Seiten kennt. Demnächst werde es eine digitale Plattform geben, auf der die entsprechenden Informationen abgerufen werden können, kündigte er an. Basis ist das Konzept „Hessische Jugend-Feuerwehr macht Schule“, das vom Landesverband der Jugendfeuerwehr, dem Kreisfeuerwehrverband und der Landesregierung initiiert worden ist. Bad Homburgs Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) lobt das Projekt. Gerade in der Feuerwehr sei das Ehrenamt elementar wichtig. „Rein hauptamtlich wäre das finanziell gar nicht zu stemmen.“

Bei Lena jedenfalls ist der Funke während der Projektwoche schon übergesprungen. Sie könne sich vorstellen, in der örtlichen Jugendfeuerwehr mitzumachen, sagte sie nach gelungener Abschlussübung. Allerdings mit der Einschränkung: „Wenn es von der Zeit her passen würde.“

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