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Ein Liedchen auf das Trassendilemma

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Von: Andrea Herzig

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„Trulla trulla trullala“: ein alter Eisenbahn-Song für Korwisi.
„Trulla trulla trullala“: ein alter Eisenbahn-Song für Korwisi. © Michael Schick

Hundert Rad-Demonstranten machen in Bad Homburg Halt und befassen sich mit dem Ausbau der U2 in die Stadt.

Da kommen sie aus Richtung Gonzenheim, eine bunte Truppe auf dick mit Satteltaschen bepackten Rädern, Liegerädern, Kinderanhängern, E-Bikes. „Ohne Auto sind wir mobil“ singen die gut 100 Pedalisten aller Altersklassen, trotz der Schwüle sind sie gut bei Lunge. Menschen in Funktionskleidung neben solchen in lila Baumwoll-Outfits, auf den Rücken eines Zwölfjährigen und seiner Mutter leuchten „Atomkraft? Nein Danke!“-Sonnen.

Begleitet werden die Aktivisten der „Tour de Natur“ von Polizei auf Zwei- und Vierrädern, allerdings motorisierten. Und einem Koch, der vegane Biokost zubereitet, übernachtet wird in Turnhallen. Die Mission: Auf der 15-tägigen Radtour, die dieses Jahr von Stuttgart nach Marburg führt, auf umweltverträgliche Verkehrspolitik aufmerksam zu machen.

Oberbürgermeister Michael Korwisi wartet schon. Die Gruppe hält gegenüber dem Bahnhofes. Blitzschnell sind Banner aufgehängt, der mobile Lautsprecher dröhnt und los geht es mit der Politik. Die Themen: Regionaltangente West und der Ausbau der U-Bahn bis zum Bahnhof in der Innenstadt.

Bevor Korwisi zu Wort kommt, noch eine kleine Darbietung der Radler. Über eine Menschenpyramide bringen sie einen symbolischen Stein ins Rollen und singen dem Stadtoberhaupt ein extra auf Bad Homburg getextetes Lied, das unter anderem den Reim „Wenn man nach Bad Homburg muss, steigt man um von Bahn auf Bus“ beinhaltet.

Generalkritik des OB

Nun wird der OB dafür gelobt, dass man keinen 100 Millionen teuren Tunnel für eine Bundesstraße bauen werde, und dann darf Korwisi seine Kritik nach Wiesbaden schicken. 2015 sollte die U-Bahn-Verlängerung mal fertig sein. Aber die Landesregierung wolle nur Geld für eine günstigere, oberirdische Variante verwenden. Der Plan der Stadt sieht einen 350 Meter langen Tunnel innerhalb des 1600 Meter langen Stückes von Gonzenheim vor. Also soll nun ein fiktiver oberirdischer Plan erstellt werden, die Extrakosten für den Tunnel müsse die Stadt berappen.

Das Absurde, ärgert sich der OB: Eine andere Landesbehörde, das Regierungspräsidium, verlange eine Bahntrasse, die wenig privates Gelände berühre. Für die oberirdische Lösung müssten aber fünf Häuser abgerissen werden. Unverständnis zeigt Korwisi für den Vorschlag des BUND, die alten Pläne zur Einrohrung des Dornbachs hervorzukramen, um darauf die U.Bahn zur Innenstadt zur führen.

Die Landesregierung, so die Generalkritik des OB, kümmere sich nicht um den schienengebundenen Verkehr im Rhein-Main-Gebiet, sie investiere keine Landesgelder, sie reiche nur Bundesmittel durch, „und zwacke was ab“.

Sprach’s und verabschiedete die Rad-Aktivisten, die nach einer Pause im Kurpark nach Friedrichsdorf und (im Regen) nach Wehrheim unterwegs waren.

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