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Letzte Wünsche

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Von: Andrea Herzig

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Landrat Krebs und Sozialdezernent Kraft mit Palliativärztin Lohmann in der Ausstellung.
Landrat Krebs und Sozialdezernent Kraft mit Palliativärztin Lohmann in der Ausstellung. © Michael Schick

Im Hochtaunuskreis hat ein neues Palliativ-Team seine Arbeit aufgenommen. Eine Ausstellung in Bad Homburg zeigt die Arbeit der Palliativ-Medizin.

Im Hochtaunuskreis hat ein neues Palliativ-Team seine Arbeit aufgenommen. Eine Ausstellung in Bad Homburg zeigt die Arbeit der Palliativ-Medizin.

Die Patientin war eine gutaussehende Frau. Ihr letzter Wunsch war bescheiden, den 60. Geburtstag erleben. Sie hat es geschafft, begleitet von der Palliativmedizinerin Elisabeth Lohmann, die das neue Palliativ-Team des Hochtaunuskreises leitet und die Wanderausstellung in der Kantine des Landratsamtes initiiert hat.

Auf dem Plakat stößt die Medizinerin mit der todkranken Frau auf ihren Geburtstag an. Diese letzten Wünsche und Ziele sind wichtig. Nach Hause kommen, das Frühjahr erleben, ein Geburtstag, ein Ausflug in die Natur. Dass die Sterbenden die Kraft aufbringen und ihr Siechtum erträglich wird, wollen Palliativ-Teams möglich machen.

Im Hochtaunuskreis gab es bisher kein Team, Elisabeth Lohmann hat es mit Sitz in Friedrichsdorf als GmbH gegründet. Etwa 200 bis 300 Patienten im Jahr wird das Team aus acht speziell ausgebildeten Pflegern, Ärzten und einer Koordinatorin betreuen, die Vernetzung mit den ehrenamtlichen Hospizmitarbeitern und auch den beiden stationären Hospizen in Oberursel und Niederreifenberg und auch den Krankenhäusern ist eng.

Palliative Medizin will nicht heilen, nur lindern. Schon als junge Ärztin lernte Lohmann, wie Patienten mit starken Schmerzen mit einer guten medikamentösen Einstellung zu helfen ist. Ein ausgeklügeltes System an Medikamenten lindert den Schmerz. Manchmal ist es ein Nasenspray, das schnell und kurzfristig Erleichterung schafft, damit ein Patient umgebettet werden kann.

Kommunikation auf Augenhöhe

Viele der Patienten auf den Bildern, die Fotos entstanden in der Wetterau, sind vergleichsweise jung. Bei über 70-Jährigen, erklärt Lohmann, sei ein Tumor oft nicht mehr so aggressiv, sie brauchen häufig keine Spezialisten für ihre letzten Wochen.

Die Bilder im Landratsamt zeigen eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Patienten. Nichts sei schlimmer als ein Von-Oben-Nach-Unten, sagt Lohmann. Die Palliativ-Helfer stehen nicht, wie leider immer noch so oft in Kliniken, um ein Bett herum, „wir setzen uns, wir knien uns“. Und es werden auch Wünsche respektiert, die pflegerisch unbequem sind. Ein Patient wollte partout kein Pflegebett haben und lag auf einem Aufbau aus Matratzen unter seiner Hirschgeweih-Sammlung. Auch das zeigt die Ausstellung auf einem Foto.

Eng ist die Kommunikation mit den Angehörigen und Freunden, mögliche Krisen werden durchgesprochen, Angst soll genommen werden. „Wir kommen so häufig wie nötig“, sagt Lohmann, wenn es sein muss auch dreimal am Tag. In der Regel sind es ein bis zwei Besuche in der Woche. Manche Patienten begleiten die Palliativhelfer nur drei Tage, andere fünf Monate.

Nicht alle sterben, einige wenige „pausieren“, stabilisieren sich. Eine Postkarte zeigt die Grüße eines jungen Mannes mit gutartigem, aber inoperablem Hirntumor. Sein Wunsch: eine Reise mit der Mutter nach Berlin.

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