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In der Kita Engelsgasse wird aus der Märchendarbietung ein Sprachspiel in Deutsch.

Bundesförderprogramm

Mit dem Lese-Rucksack

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In den „Sprach-Kitas“ in Bad Homburg wird Deutsch im Spiel vermittelt. Auch Sprachanlässe werden geschaffen.  

Von Bosnisch über Rumänisch bis Pakistanisch und Hindi – der sprachliche Reichtum in der Kindertagesstätte Engelsgasse ist schier unerschöpflich. „Hier sind Kinder aus 22 Kulturen versammelt“, sagt Leiterin Ilka Stratmann.

Was anmutet wie ein „babylonisches Sprachgewirr“ ist für Bad Homburgs Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor zugleich eine „großartige Ressource“. Während der gestrigen Halbzeitbilanz zu dem vom Bund geförderten Projekt „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ wurden die bisherigen Entwicklungen in der Engelsgasse-Einrichtung dargestellt. Im Frühwinter 2017 hatte sich die Kurstadt dem Förderprogramm angeschlossen, mittlerweile dürfen sich sechs kommunale und eine in freier Trägerschaft befindliche Einrichtungen als „Sprach-Kitas“ bezeichnen.

Um die Dreiheit aus „alltagsintegrierte sprachliche Bildung“, „inklusive Pädagogik“ und „Zusammenarbeit mit den Familien“ erfolgreich in die Tat umzusetzen, benötigte es personeller Veränderungen. Zur Stammmannschaft des seit einem Vierteljahrhundert bestehenden Engelsgasse-Kindergartens gehört seit dem Projektstart eine Sprachfachkraft: Annett Spielmann koordiniert, coacht, dokumentiert, liefert Ideen, Zusammen mit Stratmann wurde „viel Aufbauarbeit“ geleistet, der Kita-Alltag in neue Bahnen gelenkt. „Zu Schulbeginn“, so die Leiterin, „werden die Kinder nicht den kompletten Wortschatz, aber eine solide Basis haben.“

Vorbei die Zeiten als in der Kindergarten-Welt nur Deutsch geredet werden sollte, als Sprachfördergruppen ein abgesondertes Dasein führten. Jede der heute beteiligten Einrichtungen hat eigene Konzepte, zieht Stärken aus den vorhandenen Möglichkeiten. Überall aber ist die spielerische, den alltäglichen Situationen angepasste Vermittlung der deutschen Sprache oberste Maxime. „Wir schaffen Sprachanlässe, erweitern peu à peu den Wortschatz.“ Im Rahmen eines märchenhaften „Erzähltheaters“ erweist sich der 22 Nationen-Nachwuchs dem „Aschenputtel“ in Deutsch durchaus gewachsen. Fachfrau Spielmann hat gemeinsam mit dem Team eine entsprechende Lernmaterialien-Palette aufgeboten, die von „Gedichte-Säckchen“ und „Erzähl-Laterne“ bis hin „Lese-Rucksäcken“ – als mobile Bibliotheken auch für Zuhause – reicht.

Die Homburger „Sprach-Kita“-Fäden laufen im Rathaus zusammen, wo sich Fachberaterin Eva Jethon um die Betreuung und Schulung aller Beteiligten kümmert. Auch ihre Arbeit wird maßgeblich durch Bundesmittel in jährlicher Höhe von 32 000 Euro gefördert. Laut Lewalter-Schoor beträgt der Zuschuss des Ministeriums je halbe Sprachkraftstelle nebst Sachausgaben 25 000 Euro pro Kita und Jahr. „Den Rest schießt die Kommune zu.“

2020 wird das aktuelle Förderprogramm auslaufen. In Bad Homburg hoffen die Verantwortlichen auf eine Weiterführung. „Wie sollen wir das ansonsten auffangen?“ Jetzt sei ein Stadium erreicht, in dem die entwickelten Ideen greifen würden. Annett Spielmann: „Nun kann es richtig losgehen.“

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