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Latein-Führung von Gerd Herrmann auf der Saalburg.

Bad Homburg

Latein-Führung in Bad Homburg: Omnibus ist für alle da

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„Latein lebt!“ und umgibt uns auf Schritt und Tritt - das zeigt eine Führung auf der Saalburg in Bad Homburg.

Nun gut, heute fährt man eher mit dem Bus als mit dem Omnibus. Aber auch der Bus ist „für alle“, wie der Dativ Plural des lateinischen Wortes omnis (also omnibus) korrekt übersetzt wird. Sagt Gerd Herrmann, einstiger Lateinlehrer, heute in Sachen Museumspädagogik im Römerkastell Saalburg unterwegs. Und Vermittler zwischen der Sprachwelt der Römer, die vor knapp 2000 Jahren auf der Saalburg logierten und der heutigen Sprachnachwelt, in der mehr Latein mitschwingt als manch einer glauben mag. Bis er mit Herrmann über das Gelände der restaurierten Römer-Hochburg gezogen ist, mit Ausreißern in das ganz normale Alltagsleben des 21. Jahrhunderts.

Es reicht, im ABC mal kurz unter dem Buchstaben A zu blättern, um zu verstehen, warum „Latein lebt!“, wie die Museums- pädagogen ihre Themenführung für Kinder und Erwachsene überschreiben. Latein lebt durch das Wasser im Aquarium der Kinder daheim und im Aquarell, das sie malen, in den Antiquitäten, die ihre Eltern sammeln, im Appell, sich um Klimaschutz zu kümmern und natürlich im Applaus für die Kanzlerin, wenn diese keine Alternative mehr erkennen kann und winkend in ihr Automobil steigt. Es wimmelt nur so von lateinischen Wortwurzeln.

Streifzug durch die Saalburg

Mitmachen
Die Themenführung „Latein lebt!“ wird mehrmals im Jahr angeboten. Infos: www.saalburgmuseum.de

Ein Dutzend wissbegierige Kinder und eine Gruppe Erwachsener zieht bei über 30 Grad Außentemperatur mit Gerd Herrmann und einer Kollegin durch das Gelände und begegnet dem Lateinischen auf Schritt und Tritt. In den Inschriften vor dem Kastelltor natürlich, die einfach zu übersetzen sind, wenn man das „Decodieren“, wie es Herrmann nennt, ein wenig versteht. Denn: „Übersetzen kann man Lateinisch eigentlich nicht, es geht darum ein Bild aus einer Sprache in eine andere zu übertragen.“ Und zack ist sie da, die Verbindung zwischen dem einfachen römischen Landhaus (Villa) und dem Luxushaus heutiger reicher Zeitgenossen.

Die lateinische Begrüßung von Gerd Herrmann hatte noch für Fragezeichen in den Augen gesorgt, von Schritt zu Tritt erhellen sich die Gesichter. Es muss was dran sein, dass der Ex-Lehrer Latein „die Sprache der Herren der Welt nennt“. In so vielen profanen Gegenständen taucht sie plötzlich auf, allein in den Einzelteilen eines schnöden vor dem Kastell geparkten Fahrrads mindestens fünfmal, im Fenster (Fenestra) zur Welt, in jedem Forum, in dem man sich trifft. Nicht einmal vor Optikerketten macht sie Halt. Wer was auf sich hält, greift beim Firmen- oder Produktname auf die Römer zurück, bei den Brillen sogar auf einen Gott, der vor 50 Jahren auch Spuren auf dem Mond hinterlassen hat.

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