Bad Homburg

Langer Anlauf zu bezahlbaren Wohnungen

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Vor zehn Jahren hat die Stadt ein ehemaliges Firmenareal gekauft - nun sollen auf dem Vickers-Gelände endlich die Bagger rollen.

Das „Vickers-Gelände“ ist einer der Dauerbrenner der Bad Homburger Lokalpolitik. Vor zehn Jahren hatte die Stadt das ehemalige Firmenareal gekauft, zunächst mit dem Ziel, es als Schulstandort zu nutzen. Inzwischen gilt es zusammen mit dem benachbarten früheren Klinikgelände als eine der wenigen Möglichkeiten, in der Innenstadt noch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Das soll nun auch endlich geschehen. Bis zum Jahresende will der Investor Conceptplan aus Heidelberg die Bagger rollen lassen, um auf dem 26 000 Quadratmeter großen Grundstück knapp 300 neue Wohnungen zu bauen – aus Sicht von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) ein „Meilenstein“ in der Bad Homburger Stadtentwicklung.

Allerdings ist es mittlerweile schon sieben Jahre her, dass die Stadtverordneten damit begonnen haben, den entsprechenden Bebauungsplan zu ändern. 2014 hatte die Stadt dann einen Bieterwettbewerb für das Vickers-Gelände eröffnet. Das komplizierte europaweite Ausschreibungsverfahren und „andere Widrigkeiten“ hätten den Vergabeprozess jedoch verzögert, sagt Hetjes.

30 Prozent der Wohnungen sollen zu vergünstigten Konditionen vergeben werden – zehn Prozent als klassische Sozialwohnungen nach dem hessischen Programm Soziale Wohnraumförderung und 20 Prozent nach dem Bad Homburger Modell, das einen städtischen Mietzuschuss vorsieht. Das haben Stadt und Investor in einem städtebaulichen Vertrag vereinbart. Einige Oppositionspolitiker hätten jedoch gerne noch mehr sozialen Wohnungsbau gehabt. So wies der Fraktionsvorsitzende der Bürgerliste Bad Homburg (BLB), Armin Johnert, im Stadtparlament darauf hin, dass in nächster Zeit für mehrere Hundert Wohnungen die Belegungsrechte auslaufen. Dagegen betonte Stefan Schenkelberg (CDU): „Wir verzichten auf einige Millionen für den guten Zweck.“

2009 hatte die Stadt das Areal für 6,6 Millionen Euro erworben; hinzu kam eine Nachzahlung von etwa zwei Millionen Euro, weil sie das Grundstück vor dem Jahr 2019 weiterveräußert hat. Der Verkauf an Conceptplan bringt der Stadt immerhin noch einen Gewinn in siebenstelliger Höhe ein.

Der Investor hat sich darüber hinaus verpflichtet, für eine Kindertagesstätte und ein Nahversorgungszentrum zu sorgen. Beides soll gemeinsam in einem Gebäude unterkommen. Während im Erdgeschoss ein Supermarkt mit Bäckerei und Café vorgesehen ist, soll die Kita ins Obergeschoss einziehen.

Geplant ist ein weitgehend in sich geschlossenes Wohngebiet zwischen Frölingstraße, Schleußnerstraße und Schaberweg. Der größte Teil der Gebäude wird als Geschosswohnungsbau errichtet. Als Randbebauung sind vor allem viergeschossige Gebäude plus Staffelgeschoss vorgesehen. Im Osten des Areals ist ein Haus mit fünf Vollgeschossen zuzüglich Staffelgeschoss möglich.

Im Zentrum des Quartiers sind hingegen ruhige, autofreie Wohnhöfe mit dreigeschossigen Reihenhäusern geplant. Private Gärten und Nachbarschaftsplätze sollen das Gelände begrünen. Angrenzend an das Nahversorgungszentrum ist ein öffentlicher Quartiersplatz als Treffpunkt für die Bewohner vorgesehen. Deren Fahrzeuge sollen in Tiefgaragen verschwinden, die von der Frölingstraße aus erschlossen werden.

Der Magistrat hat in seiner jüngsten Sitzung den Bebauungsplan beschlossen, das Stadtparlament folgt im April. Auch das Regierungspräsidium muss der Umwandlung der bisherigen Gewerbefläche in ein Wohngebiet noch zustimmen. Wenn das Baurecht geschaffen ist, sei der Investor verpflichtet, zeitnah mit dem Bau zu beginnen, teilte die stellvertretende Leiterin der Bad Homburger Stadtplanung, Kerstin Krause, mit. Conceptplan bereite bereits die nötigen Bauanträge vor. Parallel will die Stadt damit beginnen, Versorgungsleitungen und Infrastruktur in den umliegenden Straßen zu erneuern.

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