Kultur

Kunstwelt blickt auf die Kurstadt Bad Homburg

Arik Levys 13 Meter hohe, auf Hochglanz polierte Edelstahl-Stele zieht die Besucher an.
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Arik Levys 13 Meter hohe, auf Hochglanz polierte Edelstahl-Stele zieht die Besucher an.
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Die Skulpturen-Biennale „Blickachsen 12“ ist in Bad Homburg offiziell eröffnet.

Laokoon-Gruppe? Da war doch was. Vatikan, uralte Griechen, Michelangelo, der begnadete Bildhauer, spielt auch eine Rolle. Der alte Herr mit der Schiebermütze freut sich beim Anblick von Per Kirkebys Bronzeskulptur mit dem Titel „Laokoon“, die, nun ja, nicht so sehr an die berühmte Gruppe erinnert, allenfalls im Namen. Freut sich, weil „ein bisschen was hängengeblieben ist von damals“, Laokoon und so. Mit ihm wandeln Hunderte Kunstkenner am Sonntagmorgen durch den Lennéschen Kurpark. Um Kunst zu betrachten, Kunst zu erleben, über Kunst zu diskutieren im Austausch mit anderen Menschen. Sich ein bisschen die Welt zu erklären durch den Blick auf zeitgenössische Kunstwerke. Und um die Eröffnung der nun schon „12. Blickachsen-Biennale“ gebührend zu feiern.

Der Kurpark und der Schlosspark mit „Wish Trees for Bad Homburg“ von Yoko Ono sind die Hotspots der Open-air-Ausstellung. Die offizielle Vernissage zur Mittagsstunde zieht das kunstinteressierte Publikum erst mal zum Schmuckplatz im Kurpark, denn dort spielt die Musik. Vier Herren in Westen mit zwei Gitarren, Geige und Kontrabass erfreuen die in Scharen Herbeiströmenden. Um die 500 dürften es sein, die der Eröffnung der längst auch international anerkannten Werkschau einen würdigen Rahmen verleihen.

Die Ausstellung „Blickachsen 12“ zeigt 60 Werke von 34 internationalen Künstlern im Kurpark und im landgräflichen Schlosspark in Bad Homburg.

Die Kurstadt ist das Zentrum der Biennale, weitere Schauplätze in der Rhein-Main-Region sind das Kloster Eberbach, der Campus Westend der Frankfurter Uni, der Skulpturenpark Niederhöchstadt, der Kronberger Schlosspark und Bad Vilbel.

Zu sehen sind die „Blickachsen 12“ bis zum 6. Oktober, der Eintritt zu allen Veranstaltungsorten ist frei. 

Das Podium, von dem aus OB Alexander Hetjes und Landtagspräsident Boris Rhein, Stefan Quandt von der Stiftung Blickachsen und der Gründer und Kurator der „Blickachsen“, Galerist Christian Scheffel, ihre Gruß- und Dankesworte sprechen, erweist sich später als fast zu klein. Scheffel lässt die anwesenden Künstler auftreten, im Dutzend sind sie gekommen aus zum Teil fernen Landen, um beim Opening Act dabei zu sein. Mit warmem Applaus werden sie empfangen, bereitwillig machen sie sich danach mit großem Gefolge auf den Weg, um ihre Kunst am lebenden Objekt zu erläutern.

„Unaufdringliche Verspieltheit“ hat Stefan Quandt zuvor der „Symbiose aus Kunst und Natur“ attestiert. Dass sich über Kunst aber auch trefflich streiten lässt, beweisen die Kommentare des Volkes. Den Publikumspreis wird Satch Hoyt danach nicht bekommen, seine Installation mit 112 Plastikeimern rund um die alte, wegen Astbruchgefahr bereits eingezäunte Blutbuche auf der Wiese unterhalb des Schmuckplatzes ruft Irritation und eher unfreundliche Kommentare hervor. Eine Frau erlebt durch „Kush Yard Totem“ gar eine „plastifizierte Störung meines naturliebenden Blickes“. Das eigentliche Kunstwerk sei nämlich der von Plastikeimern umzingelte Baum. Aber so soll es sein bei den „Blickachsen“, die Besucher sollen „genau hinsehen, die Dinge sinnend betrachten, sich einlassen und Einschau halten“, so Elisabeth Millquist am Rande der Eröffnungsfeier. Die Schwedin leitet den schwedischen Skulpturenpark Wanas Konst, in diesem Jahr Partnerinstitution der Blickachsen-Ausstellung.

Misst man den Erfolg eines Kunstwerks in der Gunst des Publikums an der Selfie-Quote, dann dürften Arik Levy und sein Monument „Giant Log“ nach dem ersten Tag gute Chancen auf einen Platz ganz weit vorne haben. Sein 13 Meter hohes spiegelpoliertes Objekt aus seewasserbeständigem Edelstahl war stets dicht umlagert. „Donnerstags ist alles gut“ ist nicht nur ein hübscher und rätselhafter Titel, als begehbares Kunstwerk ist der gelbe Tunnel aus 900 Getränkekisten auch ein einladender Anziehungspunkt, der gut zum Stichwort Blickachsen passt. Guckt man von unten in die Röhre, fällt der Blick auf Wasserspiele hinterm Kurhaus, schaut man den Hang hinab Richtung Schwanenweiher, spritzt dort die große Fontäne auf. „Fantastic Work“ lobt ein englischer Künstlerkollege das Frankfurter Künstlerduo Winter/Hoerbelt, das den Tunnel kreiert hat. Und weiter zu „Double Dribble IV“, sechsteilige rote Ball-Kunst, sichtbar versteckt in grünen Bäumen.

Weitere Informationen unter www.blickachsen.de.

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