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Kostenlose Ausleihe vor dem Aus

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1974 zog die Stadtbibliothek ins ehemalige Amtsgericht. Vor 20 Jahren wurde der Neubau eröffnet. konopatzki
1974 zog die Stadtbibliothek ins ehemalige Amtsgericht. Vor 20 Jahren wurde der Neubau eröffnet. konopatzki © Konopatzki

Heftige Kritik im Kulturausschuss an geplanten Büchereigebühren

Bad Homburg - Dass die Nutzung der Stadtbibliothek bislang kostenlos ist, sei ein Alleinstellungsmerkmal Bad Homburgs, erklärte Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) am Donnerstag im Kultur-, Sport- und Freizeitausschuss. Aber: Man muss sich das auch leisten können - und das könne es die Stadt nicht mehr, bilanzierte der Rathauschef. „Wir standen vor der Wahl, ob wir das Niveau senken oder uns von der kostenlosen Nutzung verabschieden.“ Man habe sich für Letzteres entschieden und wolle künftig eine Jahresgebühr von 12 Euro erheben, wobei es zahlreiche Ausnahmen geben soll. Jugendliche bis 16 Jahre sollen ebenso von der Gebührenpflicht befreit sein wie Inhaber des Bad Homburg Passes oder der Ehrenamts-Card und Asylbewerber. Außerdem ist ein kostenloser Probemonat für neue Kunden vorgesehen. Und 1 Euro pro Monat sei, so Hetjes, „händelbar“. Durch die Maßnahmen - auch die Kosten für eine Vorbestellung steigen von 50 Cent auf 1 Euro - geht man von Mehreinnahmen in Höhe von etwas über 50 000 Euro pro Jahr aus.

Der Jugendbeirat übte in Person von Christoph Keresztes Kritik. „Wir haben uns lange ausgetauscht und bei der Bibliothek angerufen - das Konzept findet dort niemand gut“, erklärte er vor dem Gremium. So rechne man damit, dass von den aktuell 20 000 Nutzern am Ende nur 3000 übrig blieben. „Die meisten sind Karteileichen, in vielen Fällen wird ein Haushalt nur noch einen Ausweis behalten. Den 40 000 Euro kalkulierten Einnahmen stünde eine hohe Bürokratie gegenüber“, fasste Keresztes das Telefonat zusammen und ergänzte: „Auch wenn wir als Jugendbeirat keine Anträge stellen dürfen, würden wir uns freuen, wenn es wenigstens bis 18 kostenlos bleiben könnte.“ Es sei, sagte Hetjes, eine einseitige Rechnung, wobei er auch nicht nachvollziehen könne, „wie der Kollege da gerechnet“ habe. Und „wenn man dem Personal sagt, dass es zusätzliche Arbeit gibt, gibt es selten Jubelschreie.“ Er verteidigte die Vorlage. „Wir haben uns intensiv mit dem Thema beschäftigt und nach einer verträglichen Lösung gesucht. Und wenn es Probleme gibt, sind wir die Letzten, die sich sperren.“ Außerdem sei Bestandteil des Konzepts, dass nach einem Jahr ein Erfahrungsbericht vorzulegen sei. „Dann werden wir ganz genau schauen, wie viele Kunden abgesprungen sind.“

Kritik kam auch aus der Opposition. Mona Majd (BLB) schloss sich der Forderung des Jugendbeirats an. „Hier wird wirklich am falschen Ende gespart. Bis 18 sollte es auf jeden Fall kostenfrei sein, eher sogar bis 22 oder 23.“ Laura Burkart-Gorißen (Grüne) hatte sich zuvor sogar für eine komplett kostenlose Bibliothek ausgesprochen. „An den 50 000 Euro wird der Haushalt nicht scheitern.“ Die Einführung einer Gebühr für Jugendliche ab 16 Jahren sei „ein unglückliches Signal für Jugendliche in einem Alter, in dem sich viele aufs Abi vorbereiten“ und auf das Angebot zurückgriffen.

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