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Im Dorischen Tempel im Gustavsgarten auf dem Gelände der Wertheimber Villa lockte eine Fotoausstellung von Vero Bielinski.
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Im Dorischen Tempel im Gustavsgarten auf dem Gelände der Wertheimber Villa lockte eine Fotoausstellung von Vero Bielinski.

Bad Homburg

Komprimierter Shakespeare zum Mitmachen

  • VonJürgen Streicher
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Bad Homburg lädt zu einer etwas andere 11. Kulturnacht mit kleinen, aber feinen Höhepunkten. Die Besucherzahl ist begrenzt, Anmeldung Voraussetzung.

Man muss schon genau hingucken in dieser „11. Kulturnacht“, um die dazu passenden elf Orte der Kultur im Vorbeigehen zu entdecken, die in dieser Nacht auf besondere Art bespielt werden. Im Herbst 2021 spielt noch immer und überall ein Virus mit, die Menschen strömen nicht wie in zehn Kulturnächten zuvor in die Häuser, die Kulturgenuss zum Nulltarif versprechen. Der „Kulturbus“ saust nicht vom einen zum nächsten Spielort. Das ist auch gar nicht erwünscht, die Besucherzahl ist begrenzt, Anmeldung außer in den Kirchen Voraussetzung, 3G überall als Präfix. Shakespeares Geister sollen helfen, die dunklen Corona-Geister zu verjagen.

Kommt der Ortsfremde auf die „Kulturmeile“ Dorotheenstraße, spürt er sofort, dass er auf dem richtigen Weg in die Nacht ist. Flackernde Kerzen weisen den Weg in die Marienkirche und die Erlöserkirche, machtvoll das gemeinsame Glockengeläut von ihren hohen Türmen, dezent angestrahlt in bunten Farben. In der Stadtbibliothek werden zu ungewohnter Zeit wechselnde Filme gezeigt, im kleinen, aber feinen Museum Sinclair-Haus am Eingang zum Schloss brennt auch noch Licht. Ein Highlight der aktuellen Ausstellung „Tempo! Alle Zeit der Welt“ wartet im Obergeschoss.

Dort bestimmt Claude Lelouch das Tempo, unterwegs auf Pariser Straßen im Morgengrauen. In drei Sekunden von 0 auf 180, gleichermaßen beim Speed auf der Straße und der steigenden Herzfrequenz, gegen die man sich bei diesem Acht-Minuten-Film nicht wehren kann. Wer zuschaut, fährt mit auf diesem irrwitzigen Trip, der Adrenalin-Schub reicht für den Rest des Abends.

Der angrenzende Schlosspark verspricht Stille nach dem Pariser Herzflimmern, allein das schmiedeeiserne Tor von der „Kulturmeile“ aus ist verschlossen. Keine Fackeln schmücken wie sonst den Weg an den Zitronenbäumen vorbei zum Königsflügel, der nach Jahren der Restaurierung endlich wieder zugänglich ist. Außen rum durch kleine Gassen müssen die Gäste, um von der Schlosskirche aus aufs Gelände zu gelangen. Die kleine Beschwerde muss schon auf den Tisch, atemlos erreicht das ältere Paar gerade noch rechtzeitig die gebuchte Führung durch Kaisers einstige Wohnstätte, die Wilhelm II. und seiner Gattin Auguste Viktoria ein nettes Heim war.

Alle stündlich geplanten Führungen in Richtung Mitternacht ausgebucht, meldet Klara Sophie Mönig, die mit Freundin und Kollegin Amila die interessierten Besucher:innen durch Kaisers Gemächer geleitet. Zeitversetzt starten sie nun, so konnte die Zahl der Führungen verdoppelt werden. Im Hintergrund klingen noch die Kirchenglocken, in der Schlosskirche spielt sich die amerikanische Meisterpianistin Claire Huangci warm für ihr Konzert im Rahmen der „Bad Homburger Schlosskonzerte“. Ein kleiner Kunstbonus für den zufälligen Kiebitz am Schlosskirchenfenster, die anderen müssen später viel Eintrittsgeld zahlen.

Wer das Kurhaus, etwa auf dem Weg zum Rock & Blues mit Gitarrist Zed Mitchell und seiner Band in der Englischen Kirche, hat links liegen lassen, nun ja, der hat einen echten Spaß versäumt beim komprimierten Shakespeare-Festival im Schnelldurchgang. Drei Klassiker in jeweils kaum mehr als einer halben Stunde, das schafft nur „Die Dramatische Bühne“ Frankfurt um ihren Frontmann Thorsten Morawietz.

Im Sommernachtstraum mit all den Elfen, Feen und Geisterwesen im Zauberwald durften die Zuschauer und Zuschauerinnen sogar den Wind im nächtlichen Wald spielen und Sätze voll theatralischer Inbrunst zitieren, den Wald mit ihren Handyleuchten in Flammen setzen und sich selbst zum Teil der Inszenierung machen. Zweieinhalb Mal „ausverkauft“ belohnt die Truppe für ihr Bemühen um den Altmeister des Theaters in dieser etwas anderen Kulturnacht.

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