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Die „Caligari Filmbühne“ in Wiesbaden bleibt bis 31. Mai geschlossen.  

Känguru öffnet Weg in die Kino-Welt

Nach Corona-Pause: Einige Kinos in der Region öffnen wieder - Der schwierige Weg zurück

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Die Betreiber der Lichtspielhäuser in Rhein-Main tasten sich mühsam zurück. Bad Homburg behilft sich mit einem Auto-Kino.

  • Wegen der Corona-Pandemie blieben viele Kinos auch in der Region Frankfurt zu
  • Nun öffnen einige Betreiber wieder unter entsprechenden Auflagen
  • Das Auto-Kino erlebt inzwischen eine Renaissance - wie Beispielweise in Bad Homburg

Bad Homburg/Frankfurt - Kino geht wieder. Kino geht irgendwie gar nicht. Film ab, zurück in die Zukunft. Kino geht. Vanessa Müller-Raidt, eine junge Frau mit alten Kinomacher-Idealen, hat den Schritt gewagt und die Tür in die Film-Welt im plüschigen Saal der „Kronberger Lichtspiele“ geöffnet. 

Mit Popcorn und „schönen Begegnungen“, wie sie sagt, eine Aufregung fast wie beim ersten Mal. Mit den „Känguru-Chroniken“ und 27 Gästen im Saal, der voll besetzt 181 Kinofreunden Platz vor der Leinwand mit viel Beinfreiheit und Ablage für ein Getränk bietet. Am Donnerstag wurde Vanessa Müller-Raidt zur Trendsetterin, zur Mutmacherin in der darbenden Branche.

Region Frankfurt: Kino trotz Corona - Häuser öffnen langsam wieder

Der Abend in den „Lichtspielen“ macht schnell die Runde im Netzwerk der Kino-Betreiber und jenen Mut, den man braucht, die Häuser wieder zu öffnen, ohne Aussicht auf Wirtschaftlichkeit. Achim Weidinger vom „Kino Köppern“ ist schnell infiziert, will plötzlich schon heute oder morgen wieder öffnen. 

Die Homepage des Arthouse-Kinos, in dem der Chef je nach Lust und Laune vor dem Programm noch ein bisschen über den Film plaudert, verkündet noch die „vorübergehende Schließung“. Verbunden mit der Hoffnung, „vielleicht doch in einigen Monaten die Türen wieder öffnen zu können“. Jetzt will Weidinger schnell „ein Lebenszeichen“ setzen; einen komplizierten Sitzplan hat er schon ausgetüftelt, von den 150 Plätzen kann er 40 belegen. Am Mittwoch soll „Somewhere else together“ laufen, ein perfekter Film in Zeiten geschlossener Grenzen, ein Film über eine Weltreise mit dem Motorrad.

Region Frankfurt: Kino-Betreiber im Rhein-Main-Gebiet tasten sich nach Corona zurück

„Ganz zufrieden“ sei sie, sagt Vanessa Müller-Raidt über das erste Kino-Wochenende nach acht Wochen Zwangspause. „Die Stimmung war sehr schön, alles ist gut gelaufen, wir sind wieder da.“ Das ist für die Betreiber der kleinen Kinos der entscheidende Punkt: sich zurückmelden, „präsent sein“. Weil die Kinofrau auch im Nachbarkreis engagiert ist und mit einem Verein das „Kino Kronberg“ führt, geht es auch dort am Donnerstag wieder los. Mit der Hesse-Verfilmung „Narziss und Goldmund“ im Kino 1 mit 30 Plätzen und „Trolls“ im Kino 2 mit 20 Plätzen.

Mehr hat der Zollstock nicht hergegeben, aus 180 Sitzen vor zwei Leinwänden werden 50. Für die „Kult Kinobar“ in Bad Soden mit Wohnzimmer-Charakter und kleiner Bar hinter der letzten Reihe würde es komplizierter, am Quellenpark herrscht weiterhin Zwangsruhe auf der Leinwand, Wein und Tapas bleiben im Kühlschrank.

Kinos in der Region Frankfurt: Auto-Kino in der Kurstadt Bad Homburg

Gleiches gilt für die „Caligari Filmbühne“ in Wiesbaden. Das prachtvolle kommunale Lichtspieltheater mit 425 Sitzplätzen bleibt „vorerst bis 31. Mai geschlossen“, annoncieren die Kino-Macher auf ihrer Homepage.

Kino muss gehen, lautet die Devise in Bad Homburg. Gibt es kein Kino, nicht einmal Open Air wie sonst immer im „Homburger Kultursommer“ im Kurpark, dann wird eben Kino im Retro-Stil gemacht, dann werden die Menschen im Auto zum Film gebracht. Da können sie auch gleich drin sitzen bleiben und ohne Kontakt zu fremden Sitznachbarn Filme gucken. Das Auto-Kino, das eine Renaissance erlebt, kommt in die Kurstadt. Auf dem Parkplatz hinter dem Technischen Rathaus ist Raum für 82 „Heimkinos“. Maximale Höhe 1,85 Meter, damit alle etwas sehen können auf der 80 bis 90 Quadratmeter großen Leinwand.

Auto-Kinos in der Region Frankfurt: „Reizvoll, aber ein hohes und teures Risiko“ 

Kino-Spaß als „perfekte Symbiose von Nostalgie und Moderne“, umschreibt Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) das Projekt, hinter der Leinwand wird gerade der Baugrund für ein Multiplex-Kinocenter vorbereitet. Einen „mittleren fünfstelligen Betrag“ lassen sich Stadt und Kur das Auto-Kino kosten.

Etwas konkreter nennt Dirk Müller-Kästner Kosten bis zu 50 000 Euro, die vier Wochen Auto-Kino auf der Oberurseler Bleiche kosten würden. Für Leinwand und Technik, Sicherheitsdienst, Absperrgitter und Toiletten. „Reizvoll, aber ein hohes und teures Risiko“, so der Vorsitzende des Vereins „Kunstgriff“, der sonst den „Orscheler Sommer“ mit Open-Air-Kino zum Nulltarif organisiert. Stadt, Kultur- und Sportförderverein (KSfO) und Kunstgriff hatten mit der gleichen Idee wie die Nachbarstadt geliebäugelt, mangels Kasse das Projekt aber am Wochenende abgesagt. „Das ist gestorben, Aufwand und Kosten sind einfach zu hoch“, so Müller-Kästner.

Auto-Kino in Bad Homburg: Hier gibt es Tickets

„Film ab“ heißt es im Auto-Kino Bad Homburg erstmals am Mittwoch, 20. Mai. Das Programm läuft bis zum 27. Juni, Beginn ist im Mai immer um 21.30 Uhr, im Juni um 22 Uhr.
Für zehn Euro pro Person gibt es Tickets unter www.kino-badhomburg.de, Popcorn kann mitbestellt werden. Erlaubt sind zwei Erwachsene und ein Kind unter 14 Jahren pro Auto. 

jüs


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