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Eine Bechsteinfledermaus erkennt man an ihren großen Ohren.  

Bad Homburg

Jagd nach Fledermäusen in Bad Homburg

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Experten untersuchen mit Detektoren und Fangnetzen die Population der nachtaktiven Tiere im Kirdorfer Feld. Dabei können sie bereits Erfreuliches vermelden.

Da, da ist die Erste.“ Ein Schatten flattert durch die Dämmerung. Markus Dietz und Wiebke Schäfer beeilen sich, ein etwa sechs Meter hohes Netz aufzuspannen – in der Hoffnung, dass die Fledermaus darin hängen bleibt. Leider tut sie ihnen den Gefallen nicht. Die nächtlichen Insektenjäger einzufangen, sei kein einfaches Unterfangen, erklärt Dietz, der als Geschäftsführer des Instituts für Tierökologie und Naturbildung inzwischen einige Erfahrung darin hat.

Per Ultraschall seien die Tiere in der Lage, die Netze zu orten und ihnen auszuweichen. Markus Dietz und seine Mitarbeiterinnen setzen darauf, dass eines der Tiere von der Nahrungssuche so abgelenkt ist, dass es die Sicherheit vernachlässigt. „Deshalb stellen wir die Netze in ihre gewohnten Flugwege“, sagt Dietz.

Seit Anfang Juni ist das dreiköpfige Biologen-Team im Auftrag der Stadt Bad Homburg im Kirdorfer Feld unterwegs, um die dortige Fledermauspopulation zu untersuchen. Derzeit sei noch offen, wie lange die Biologen ihre Arbeit fortsetzen. „Je kühler die Nächte werden, desto schwieriger ist es“, sagt Markus Dietz.

Doch er kann auch jetzt schon Erfreuliches vermelden. Elf verschiedene Fledermausarten haben er und seine Kolleginnen bislang entdeckt. „Das ist überdurchschnittlich“, freut er sich. Schließlich gebe es in ganz Hessen insgesamt nur 20 verschiedene Arten. Das Kirdorfer Feld sei durch seine Obstwiesen besonders reich an Nahrung für die Insektenfresser. Außerdem gebe es viele ältere Bäume, die den nachtaktiven Tieren auch als Unterschlupf dienen können. Wobei Fledermäuse eher kleinere Höhlen und Nischen bevorzugten. Größere Höhlen mieden die Tiere, weil dort Raubtiere wie Marder leichter eindringen könnten.

Das Kirdorfer Feld bei Bad Homburg ist eines der größten Streuobstbiotope Südhessens. Auf einer Fläche von rund 160 Hektar wechseln sich Streuobstwiesen, extensiv genutze Feucht-und Trockenwiesen und einige kleinere landwirtschaftlich genutzte Flächen ab.

In einer früheren Untersuchung wurden auf dem Gelände bereits 40 tagaktive und 100 Nachtschmetterlinge entdeckt.

Das Kirdorfer Feld ist als FFH-Gebiet ausgewiesen, Teile des Areals darüber hinaus als Naturschutz- oder Landschaftsschutzgebiet. twe

Ihre Untersuchung begonnen haben die Experten des Instituts für Tierökologie und Naturbildung mit Ultraschalldetektoren, mit denen sie die Rufe der Fledermäuse aufzeichnen können. Diese würden anschließend am Computer ausgewertet, erläutert Markus Dietz. „Damit können wir schon den größten Teil der Arten bestimmen.“

Um ganz sicher zu gehen, bemühe man sich, parallel einzelne Exemplare mit Hilfe der Netze zu fangen. Schaden könne das den Tieren nicht, versichert der Diplom-Biologe. „Das ist eine sehr schonende Methode.“ Entscheidend sei, dass man sie schnell wieder befreie. Deswegen sind Markus Dietz und seine Mitarbeiterinnen auch die ganze Zeit zwischen den aufgespannten Netzen unterwegs.

In der Regel würden die gefangenen Fledermäuse nur kurz begutachtet, um ihre Art zu bestimmen, und anschließend wieder freigelassen. In einigen besonderen Fällen erhalten sie einen Sender, mit dessen Hilfe die Biologen die Flugrouten der Fledermäuse nachvollziehen können.

So geschehen bei einer Bechsteinfledermaus, die ihnen vor zwei Wochen ins Netz gegangen ist. Sie konnte am Tag darauf in 2,5 Kilometern Entfernung in einem Waldstück geortet werden. Dort bilde das weibliche Tier mit mehreren Artgenossinnen eine Kolonie zur gemeinsamen Aufzucht der Jungtiere, berichtet Dietz.

Ziel der Untersuchung sei es, ein besseres Verständnis für das Kirdorfer Feld als Biotop zu erhalten, erklärt Helmut Hamann aus der Abteilung für Umwelt- und Landschaftsplanung im Bad Homburger Rathaus. Die Ergebnisse sollen in einen Pflege- und Entwicklungsplan für das Areal einfließen, das als eine der größten zusammenhängenden Streuobstflächen Hessens gilt. Die Ergebnisse sollen im kommenden Jahr vorliegen. Dabei arbeitet die Stadt mit dem Regierungspräsidium Darmstadt zusammen.

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