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Die „Emissary Cats“, eine Installation von fünf Figuren der Künstlerin Laura Ford, steht im Gustavsgarten. schick
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Die „Emissary Cats“, eine Installation von fünf Figuren der Künstlerin Laura Ford, steht im Gustavsgarten. schick

Bad Homburg

Individuelle Blickachsen für alle

  • vonJürgen Streicher
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Auch ohne die 13. Skulpturen-Biennale lebt die Kunst im öffentlichen Raum. Bei einem Rundgang lässt sich das beobachten.

Sie ist immer da. Tag und Nacht. Auch wenn sonst keiner da ist. Keine dösenden Taxifahrer, keine Tauben im Tiefflug. Ein Fixpunkt, wenn alle um sie herum hasten. „Walking Woman“, ein Symbol für Bewegung mit klarem Ziel vor Augen. Wo kommt sie her? Wo will sie hin mit kräftigem Schritt? Ein Star der „Blickachsen 9“ war sie 2013, jetzt steht sie auf dem Bahnhofsvorplatz, den Blick in Richtung Alfred-Herrhausen-Brücke und zur City gewendet. Die Stadt hat das Werk von Sean Henry nach gutem Brauch einst für 100 000 Euro angekauft.

„Walking Woman“ ist Startpunkt für einen Spaziergang auf den Spuren vergangener „Blickachsen“. In einem Jahr, in dem die Skulpturenbiennale ausfallen muss. Die Kunst im öffentlichen Raum aber ist lebendig, als Konzept eines wachsenden und sich stets verändernden Kunstwerkes.

Bei einem individuell komponierten „Walking Act“ kann man sich zum Beispiel „Der Wächter“ anschauen, in verrosteten Stahl gekleidet, eckig, kantig, mit strengem Blick aus viereckigen Augenlöchern. Der Bad Homburger Künstler Erwin Noll hat ihn seiner Heimatstadt geschenkt, jetzt markiert er den Beginn der überschaubaren „Skulpturenallee“ vor dem Technischen Rathaus. Ein paar Schritte nur bis zu Caspar Berger und seinem „David“. Bronze-Kopf auf Betonsockel, viele Hände greifen nach Davids Hals, sein Antlitz hat viele Gesichter, Nasen vor allem. Frühlingsfrischer Krokus säumt den Sockel und den gepflasterten Rand des Mini-Parks.

Geballte Skulpturenkunst auf kurzer Strecke, ein halbes Dutzend Werke in einer Blickachse: Der „Tanz Solo“ von Karl Menzel, luftig in Edelstahl. Die Leere, die sich zwischen dem Ich und dem künstlerischen Abbild auf zwei rostigen Plattformen, unvereinbar getrennt, in „Melancholia I“ auftut. Ein Werk der niederländischen Künstlerin Hanneke Beaumont, gezeigt bei den „Blickachsen 7“. Aufstrebend, aber längst tot ist der sechs Meter hohe bearbeitete Stamm einer amerikanischen Roteiche am Straßenrand zum Hessenring. Ein Mahnmal von Erwin Wortelkamp.

Über das zerbeulte Blech von Ewerdt Hilgemann auf dem Grünstreifen am Hessenring, das im Sommer 2017 zusammen mit zwei weiteren „Equal Volumes“ den Kurpark schmückte, denken wir auf der kurzen Passage zwischen Alfred-Herrhausen-Brücke und über die Friedrichstraße hinunter zum Kurpark nach. Dort lenkt uns auf den ersten Blick die in der Frühlingssonne blitzende Russische Orthodoxe Kirche von zerquetschten Gedanken ab, dann öffnet sich ein paar Meter weiter auch schon die rostige Spirale „Indeterminate Line“, ein Relikt der Blickachsen-Premiere 1997.

Am Schwanenteich haben die Trauerweiden ihr erstes zartes Frühlingskleid angelegt, die Fontäne plätschert, im Hintergrund schimmert der Siamesische Tempel durch die noch blattlosen Bäume, wir werden die „Blickachsen 13“ im sommerlichen Park vermissen. Suchen einen möglichst meditativen Übergang durch Altstadt und Schlosspark zum Tannenwald und dem ganzjährig geöffneten wunderbaren Gustavsgarten. Finale Station unserer Blickachsen-Tour, den Abschluss am Gotischen Haus mit dem „Red Boy“ und der putzigen Maus von Isolde Schmitt-Menzel zu Ehren der Sendung mit der Maus lassen wir außen vor. Und den fulminanten „Big Half Foot“ des schwedischen Künstlers Fredrik Wretman sowieso. So schön hat sein Tritt in den Rasen des Kurparks bei den jüngsten Blickachsen 2019 gepasst, so unseriös hat ihn die Politik nach Ankauf an der am stärksten befahrenen Kreuzung der Stadt mit Alibi-Grün umrankt geparkt.

Der Gustavsgarten im klassischen englischen Stil wäre ein viel schönerer Parkplatz für den Fuß gewesen. In einer Blickachse etwa zu den „Emissary Cats“ von Laura Ford, die so vielseitig zum Spielen anregen. Mit den Gedanken im Kopf etwa oder direkt auf der Wiese in darstellendem Spiel zwischen den fünf riesigen Katzen-Mensch-Irgendwas-Figuren, die scheinbar ruhelos grübelnd ihre Runden im gebeugten Gang drehen. 2013 haben sie die Biennale bereichert, nun sind sie Teil des Skulpturenparks geworden, der noch wachsen und sich verändern soll. Der berühmte englische Künstler David Nash ist schon dort angekommen mit seinem „Iron Dome“, Masayuki Koorida ist mit mehreren Werken vertreten, die vor vier Jahren verstorbene polnische Künstlerin Magdalena Abakamovicz hat mit ihren „Ten Seated Figures“ ein künstlerisches Vermächtnis in der Kurstadt hinterlassen, das den Betrachtern immer wieder Rätsel aufgibt. Wie sie da sitzen, die zehn Figuren aus Eisenguss, kopflos, armlos, nicht Mann noch Weib, auf ihren eiskalten dürftigen Hockern aus Eisen im Halbkreis, auf den die Nachmittagssonne so schön scheint.

Die „Walking Woman“ von Sean Henry steht vor dem Bahnhof. schick

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