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Die Fassade des Königsflügels soll im Stil des 19. Jahrhunderts gestrichen werden.  

Bad Homburg

Bad Homburger Schlossfassade wird saniert

Die Wiedereröffnung des Königsflügels im Bad Homburger Schloss verzögert sich weiter. Dafür wird er nun aber auch von außen erneuert.

Seit neun Jahren ist der Gebäudetrakt des Bad Homburger Schlosses, in dem sich die einstige Wohnung des letzten deutschen Kaiserpaares befindet, für die Öffentlichkeit geschlossen. Probleme mit der Statik hatten eine umfassende Sanierung nötig gemacht, sogar von Einsturzgefahr war die Rede.

Die ist inzwischen gebannt. Allerdings waren während der aufwendigen Arbeiten immer wieder neue Schwierigkeiten aufgetaucht, sodass die Wiedereröffnung des sogenannten Königsflügels mehrmals verschoben werden musste. Zuletzt war dafür der Herbst 2020 genannt worden.

Kirsten Worms und Ulrich Haroska öffnen den kaiserlichen Badeschrank.  

Doch auch dieser Termin ist nicht zu halten. Was für die Direktorin der hessischen Schlösser- und Gärten-Verwaltung (VSG), Kirsten Worms, und den Direktors des Landesbetriebes Bau und Immobilien Hessen (LBIH), Thomas Platte, aber mit einer guten Nachricht verbunden ist. Denn zusätzlich zur Innensanierung hat das Land Hessen nun auch Geld für die Sanierung der Fassade des Königsflügels bereitgestellt. Statt sieben Millionen stehen so insgesamt zehn Millionen Euro zur Verfügung. „Wir begrüßen sehr, dass die Sanierung nun aus einem Guss sein wird“, sagt Kirsten Worms.

Die Anlage
Schloss Homburg wurde unter Landgraf Friedrich II. von 1679–86 anstelle einer mittelalterlichen Burg errichtet. Letztes Relikt der Burg ist der begehbare Weiße Turm aus dem 14. Jahrhundert, der als Wahrzeichen der Stadt Bad Homburg gilt.

Die barocke Schlossanlage wurde im frühen 19. Jahrhundert durch den Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller und nochmals zu Beginn des 20. Jahrhunderts baulich verändert.

Das Schloss war bis 1866 Residenz der Landgrafen von Hessen-Homburg und diente danach den preußischen Königen und deutschen Kaisern als Sommersitz. twe

Die neuerliche Verzögerung nehme sie dafür gerne in Kauf. Schließlich wäre es niemandem zu vermitteln gewesen, wenn kurz nach der Wiedereröffnung der runderneuerten Räume gleich wieder Gerüste für die Fassadenarbeiten aufgestellt worden wären. Thomas Platte geht davon aus, dass die Königsflügel-Sanierung von innen und außen im Frühjahr 2021 abgeschlossen sein kann. „Dann haben wir für 30 Jahre Ruhe“, hofft er. Der LBIH ist für alle substanzerhaltenden Arbeiten am Schloss zuständig.

In welchem Farbton die Außenwände gestrichen werden, sei noch nicht ganz geklärt, teilte Anja Dötsch mit, die bei der VSG für den Denkmalschutz zuständig ist. Ziel sei, sich der Gestaltung im 19. Jahrhundert anzunähern. Damals sei die Fassade wohl in einem etwas helleren Gelb gestrichen gewesen als aktuell, so Dötsch. Noch sei aber eine genauere Untersuchung nötig. Wenn die Fassade des Königsflügels erneuert sei, wolle man hofweise weitermachen, kündigte Projektleiterin Catherine Hermann an. Einen konkreten Zeitplan gibt es aber noch nicht.

Derweil nähern sich die Arbeiten im Inneren des Schlosses ihrem Abschluss. Dort sind die Gerüste bereits abgebaut, Decken- und Wandmalereien erneuert und im Ankleidezimmer der Kaiserin hängt sogar bereits wieder ein rekonstruierter Spiegel.

Interessantestes Exponat in den Räumen von Wilhelms II. Gemahlin Auguste Viktoria dürfte aber ein mächtiger Schrank sein, hinter dem einst die Badewanne der Kaiserin verborgen war. Der Schrank war in den 1920er Jahren abgebaut worden und stand zuletzt in den Räumen der VSG in Lorsch. „Er wurde dort lange als Büroschrank genutzt“, sagt Kirsten Worms.

Inzwischen steht er wieder an seinem alten Platz im Bad Homburger Schloss. Noch fehlt aber die Innenausstattung. Wie diese genau ausgesehen hat, sei leider nicht bekannt, sagt der Leiter der Restaurierungsabteilung im Schloss, Ulrich Haroska. Immerhin: Abdrücke von Fliesen im Delfter Stil sind noch vorhanden.

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