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Laternenkönigin Louisa I. eröffnete das Fest auf dem Kurhausvorplatz - und muss Fans Autogramme geben. 

Bad Homburg

Bad Homburger Laternenfest bietet Herausforderung für alle Sinne

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Hunderttausende tummelten sich am Wochenende in der Innenstadt und den umliegenden Altstadt-Quartieren. Im Jubiläumspark zeigten Windhundzüchter ihre schönsten Tiere.

Waren es tatsächlich wieder Hunderttausende? Oder mehr, oder weniger? Eine befriedigende Antwort auf diese Frage wird es wohl nie geben – muss ja auch nicht sein. Sicher aber ist, dass zum Laternenfest wieder, ganz, ganz viele Menschen in Massen und ohne allzu große Berührungsängste durch die Bad Homburger Innenstadt und die heimeligen umliegenden Altstadt-Quartiere gezogen sind. An den Hotspots der großen Party in eher schleppender Vorwärtsbewegung mit einem hohen Grad an taktilem, akustischem und olfaktorischem Begegnungspotenzial. Die Laternensause lässt keiner aus, der diese Art von Rummel mag. Wenn tausende Laternen leuchten, alles blinkt und flackert und der Geräuschpegel mit dem Fortschreiten von Tag und Abend steigt.

Laternenfest ist aber auch, wenn nur die eine große Laterne am strahlend blauen Himmel leuchtet. Es noch still ist und schon morgens um zehn Uhr Schatten unter den Bäumen im Jubiläumspark gesucht wird. Gesucht von Herr und Hund und Frau und Hund, von Akteuren und Zuschauern. In Ring 3 marschieren Irische Wolfshunde auf, hüfthoch reichen sie ihren Begleitern, je nach deren Größe auch darüber hinaus. 

Der Ring ist ein mit Flatterband abgespanntes Viereck, knapp 20 mal 20 Meter groß. Zwei, drei Runden rennen Frauchen und Herrchen mit ihren Lieblingen im Kreis, dann bewerten kritische Punktrichter gemessen am Idealbild der jeweiligen Rasse Körperbau, Gangwerk und Pflegezustand, schauen auf Größe und Höhe, die Verbindung von Brust und Bein, den Laufstil und die Haltung im Stand. Kräftig die Wolfshunde, eleganter, fast tänzelnd danach die Afghanen, frisch gekämmt und gebürstet vor dem Einsatz.

Nach einem Jahr Pause, weil der ausgetrocknete Parkboden im heißen Sommer 2018 zu hart war für die vornehmen Tiere, ist die Windhundzuchtschau zurück im Park. Zum 49. Mal nunmehr, sie gehört wie die Laterne zum großen Volksfest. In den Pausen logieren die Hunde in gut belüfteten Zelten im schattigem Grund auf feinen Decken. Vor der Bewertung geht’s auf den Frisiertisch. Gute Noten und Preise sind wichtig für Züchter und fürs Geschäft. „Supi“, sagt Frauchen von Nr. 135 nach erfolgreicher Präsentation, danach noch (nach Fußhaltungskorrektur) ein Foto mit dem gewonnenen Laternchen.

Bei Halbzeit des Laternenfestes, das stets Menschenmassen in die Stadt treibt, zog ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen nach zwei langen Nächten eine positive Bilanz. Ein „ruhiges Fest mit wenig Brennpunkten“, so die Polizei. 


Sechs einfache und zwei gefährliche Körperverletzungen werden als normal bei einer Großveranstaltung dieser Art verbucht. Notiert wurden außerdem sechs Fälle, in denen gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen worden sei. Gegen die Beschuldigten wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. 

Der Center Court ist tatsächlich ein Ring, umgeben von einem rot-weiß-grünen geflochtenen Band. Hier treten die Hunde durch einen Rosenbogen ein, hier wird die Saluki-Jahresausstellung des Deutschen Windhundzucht- und Rennverbandes präsentiert, die Teilnehmer kommen auch aus Nachbarländern zum traditionellen Laternenfest-Event. Die 5000 Jahre alte Rasse, die aus dem arabischen Raum stammt, bringt sensationelle Treibjäger hervor. Das zeigen sie am Sonntag, bei der Hatz auf den „falschen Hasen“, der von einem Motorrad über den Rennkurs geschleift wird.

Um 12 Uhr mittags am Samstag brennt die eine große Laterne senkrecht vom Himmel, der Superstar des Festes, Laternenkönigin Louisa I., ist da schon bei ihrer dritten Autogrammstunde beschäftigt. Im silberfarbenen Open-Air-Mustang wird sie in der Fußgängerzone vorgefahren, lächelt und schreibt in einer Schuh-Boutique auf der Louisenstraße professionell Autogramme auf Postkarten mit dem Bild von Louisa I. für kleine Mädchen wie Ida und Lisa. Mädchen, die für den Traum in 20 Jahren gebraucht werden und dann sagen können, dass sie schon als Kind davon geträumt haben, Laternenkönigin zu werden. Bei Louisa (23) aus dem Hause Nielsen war es Mutter Christina, die ihr das Königinnenblut weitergegeben hat. Vor 30 Jahren saß sie auf dem Thron und war der Star bei den Festumzügen.

Eine Frau, die man eher in der Nacht vermutet, ist um diese Zeit schon tagaktiv. Irgendwie beruhigend, dass die Wahrsagerin Novredana seit vielen Jahren immer wieder kommt und mit ihrem Zauberwagen immer wieder an gleicher Stelle vor dem Karstadt steht. Beruhigend, wie sie vor fast zehn Jahren gesagt hat, dass alles gut bleibt in Bad Homburg – auch mit einem grünen Oberbürgermeister. Recht hat sie behalten mit dem weisen Satz „Grün ist nicht schlecht, hier pulsiert doch das Leben.“

Bis heute Abend noch, nach dem Laternenumzug der Kinder und dem Abschlussfeuerwerk im Jubiläumspark (die Windhunde sind dann schon weg) gehen nach und nach alle Lichter beim Laternenfest 2019 aus.

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