Bad Homburg

Bad Homburg: Sinn für Kunst und Gärten

Ohne die englische Prinzessin und Landgräfin „Eliza“ wäre die Stadt Bad Homburg um einigen Prunk ärmer. Zum 250. Geburtstag widmet die Stadt ihr nun eine Sonderschau.

Waren die beiden überwältigenden Zedern vor dem Schloss ein Geschenk aus England zu Landgräfin Elizabeth von Hessen-Homburgs später Hochzeit in Homburg? Oder hat die Prinzessin sie sich aus den Kew Gardens bei London liefern lassen? Eine der diversen Fragen, zu denen jetzt wieder geforscht wird. Sicher ist jedenfalls: Ohne „Eliza“ gäbe es in der Kurstadt einiges Prachtvolles nicht.

Weil sich der Geburtstag der einstigen englischen Prinzessin (22. Mai 1770) zum 250. Mal jährt, hätte gestern im Schloss eigentlich ein Bürgerfest gefeiert werden sollen, mit Geburtstagstorte und der Eröffnung einer Sonderausstellung über das Wirken der Landgräfin in Homburg.

Coronabedingt wird die Schau in den Herbst verschoben. Und doch ist seit gestern bereits viel über die wohl bedeutendste Landgräfin von Hessen-Homburg zu sehen und zu erfahren: Auf www.eliza2020.de informieren ein professioneller Kurzfilm sowie eine bebilderte Ausstellungsvorschau darüber, wer sie war und wo in Bad Homburg sie Spuren hinterlassen hat. Zudem ist eine Videobotschaft von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zu sehen, der Schirmherr der Ausstellung ist und das Geburtstagskind eine „große Frau“ nennt.

Virtueller Service

Die Ausstellung „Princess Eliza – englische Impulse für Hessen-Homburg“ im Schloss soll vom 23. September 2020 bis 17. Januar 2021 zu sehen sein.

Immer mehr Museen entwickeln in Corona-Zeiten Filme und virtuelle Rundgänge. „Corona gibt den Museen einen Riesenschub“, sagt der Mainzer Filmemacher Jürgen Czwienk. Mit seinem Kollegen Lodur Tettenborn hat er für das Schloss Elizas Leben und Wirken in einem Teaser-Clip in Szene gesetzt: ahi

www.eliza2020.de

Die englische Prinzessin war bereits 48 Jahre alt, als sie Friedrich VI. Joseph von Hessen-Homburg heiratete. Zuvor hatte sie am Hof ihres Vaters König George III. gelebt. Sie war musisch hochbegabt, soll diverse Liebschaften gehabt und ein uneheliches Kind bekommen haben – auch dazu werde noch geforscht, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Katharina Bechler.

Die verarmte Landgrafschaft profitierte erheblich von Elizas mitgebrachtem Vermögen sowie ihrem Einsatz zum Wohl des Gemeinwesens. Die Ausstellung soll einen Bogen über alle bedeutenden Wirkungsbereiche der Landgräfin spannen. Bisher standen vor allem ihre künstlerischen Talente im Fokus: Sie war in England als Malerin ausgebildet worden, illustrierte Bücher, bemalte Stoffe und hatte ein Faible für asiatische Lackarbeiten, von denen einige im Schloss zu sehen sind.

Für die Schau werden erstmals seit ihrem Tod originale Einrichtungsgegenstände und Kunsthandwerk ins Schloss zurückkehren. Rund 20 000 Werke soll sie aus London mitgebracht haben. „Sie befinden sich im Schloss Greiz in Thüringen und waren lange vergessen“, erläutert Bechler. Dort wurde ebenfalls gestern eine Schau über die Landgräfin eröffnet. Mit der Residenzstadt in Thüringen, mit der Eliza familiär verbandelt war, besteht heute wieder ein Austausch.

Auch als Gartengestalterin kennt man Elizabeth von Hessen-Homburg – ohne sie gäbe es weder die Landgräfliche Gartenlandschaft noch den Großen Tannenwald; auch die Meierei nach englischem Muster ließ sie im Kleinen Tannenwald anlegen. Hunderte exotischer Pflanzen soll sie zudem im Homburger Schlosspark gepflanzt haben.

Nun tritt die Regentin auch als Bauherrin in Erscheinung. Sie ließ das Gotische Haus errichten und baute sich das Schloss als Witwensitz um und ließ das Gebäude aufstocken. Die Schau wird im Englischen Flügel auch die neuen Erkenntnisse über die tatkräftige Frau präsentieren.

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