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Die Babylotsen Astrid Kügler (l.) und Irena Dusilova.

Bad Homburg

Bad Homburg: Hilfe für junge Eltern

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Fachfrauen nehmen in den Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg Kontakt zu frisch gebackenen Eltern auf. Sie wollen junge Familien vor Überforderung schützen.

In den Hochtaunus-Kliniken sind im vergangenen Jahr 1528 Kinder zur Welt gekommen. „Damit sind wir als Klinik unserer Struktur die größte Geburtsklinik in Hessen“, freut sich der ärztliche Direktor, Dominik Denschlag. Eine andere Zahl bereitet ihm Sorgen: Bundesweite Forschungen zeigen nämlich, dass rund ein Drittel der Familien nach Entlassung aus der Klinik großen Informations- und Unterstützungsbedarf haben. Kristina Odak, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Hochtaunus, sagt: „Im ersten Jahr ihres Lebens sind Kinder am gefährdetsten, denn im ersten Lebensjahr sterben mehr Kinder an Vernachlässigung als zu jedem anderen Zeitpunkt.“ Zwei solcher Fälle gab es im vergangenen Jahr im Hochtaunuskreis zu betrauern, wie Heinz Rahn, der Leiter des Jugendamtes des Kreises, sagt.

Viele junge Familien fühlten sich der neuen Belastung nicht gewachsen und hätten auch keine Ressourcen, auf die sie zurückgreifen könnten, damit sie Zeit hätten, um mit der neuen Situation klarzukommen, sagt Odak. Vor allem hätten sie – obwohl es so viele Hilfsangebote gebe – keine Vorstellung davon, wer ihnen überhaupt helfen könnte.

Dickicht von Programmen

Seit gestern gibt es in den Bad Homburger Hochtaunus-Kliniken zwei Fachfrauen, die genau diese Lücke schließen: die Diplom-Psychologin Irena Dusilova und die Diplom-Sozialpädagogin Astrid Kügler. Beide fungieren als „Babylotsinnen“ und führen, der Name ist Programm, Eltern von Neugeborenen von Anfang an durchs Dickicht der Unterstützungsangebote.

Dusilova und Kügler agieren von ihrem Büro auf der Geburtsstation aus und machen schon bei der Anmeldung zur Geburt auf das Angebot aufmerksam. Sie verteilen Fragebögen, anhand derer sie Anhaltspunkte für mögliche Problemsituationen bekommen. Ein, zwei Tage nach der Geburt suchen sie das Gespräch mit den Eltern, sehen, wo der Schuh drückt – und können passende Hilfe vermitteln – bevor daheim die Überforderung einsetzt und Kinder zu Leidtragenden werden.

Klingt zu theoretisch? Ute Strohschein-Baeck vom Vorstand des Kinderschutzbundes Hochtaunus hat sich das Vorgehen der Babylotsinnen in der Praxis angeschaut, und zwar in einer Frankfurter Klinik. Sie erzählt von einer türkischstämmigen Familie, die Mutter hatte gerade ein behindertes Kind zur Welt gebracht. Das Paar hat bereits zwei Kinder, ein gesundes und ein weiteres behindertes. 

Nützliche Hinweise

„Es war klar erkennbar, dass die Anspannung groß war mit Blick auf die weiteren Herausforderungen“; sagt Strohschein-Baeck. Aber die Babylotsin habe behutsam darauf hingewiesen, dass es Möglichkeiten gebe, eine Haushaltshilfe zu beantragen, ohne dass diese das Familieneinkommen belaste. Zudem habe sie den Vater darauf aufmerksam gemacht, dass er Elternzeit nehmen könne. Daraufhin wurden Gespräche auch mit dem Arbeitgeber geführt, Papiere ausgefüllt, alles weitere geregelt. Sechs Wochen waren die Babylotsinnen mit dem Fall betraut, „aber der Einsatz hat sich gelohnt“, sagt Strohschein-Baeck.

Wichtig sei, den Unterstützungsbedarf zu erkennen und entsprechende Hilfe zu vermitteln, sagt auch die Sozialdezernentin des Kreises, Katrin Hechler (SPD). Nur so könne man dafür sorgen, dass sich die Eltern-Kind-Beziehung stabil entwickle und die kindliche Entwicklung gefördert werde. Kristina Preisendörfer, die Leiterin der „Frühen Hilfen Hochtaunus“, sagt: „Die Babylotsen sind ein unglaublich wichtiger Baustein für präventiven Kinderschutz.“

Die Babylotsinnen sind Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 9 bis 13 Uhr im Einsatz.

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