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Andy Schröer, der Kurator des Elvis-Museums, mit einem lebensgroßen Pappaufsteller des Kings.

Bad Homburg

Elvis Presley und seine Aura im Taunus

Ein Elvis-Wochenende in Bad Homburg erweist sich als willkommene Zeitmaschine. 1958 bot die Kurstadt dem Jungsoldaten ein erstes Obdach in Deutschland.

Wo ist Margrit Bürgin? Das hübsche Frankfurter Mädchen, den King küssend, damals im Bad Homburger Kurpark, am 5. Oktober 1958. Sie hätte etwas erzählen können von Elvis Presley und seiner Aura. „Immerhin“, sagt Andy Schröer, „waren die beiden vier Monate zusammen, seine erste Freundin in Deutschland.“ Der Kurator des mobilen Elvis-Museums weiß, warum Margrit ausgeblieben ist: „Nach einer Filmsternchen-Karriere lebt sie mittlerweile in den USA.“

Elvis Presley war als Soldat in Bad Homburg stationiert

Wer am Wochenende ins Steigenberger Hotel Bad Homburg kam, betrat eine Zeitmaschine, die umstandslos in die ersten Oktobertage 1958 katapultierte, als die Nobelherberge noch „Ritters Park-Hotel“ hieß und dem Jungsoldaten Presley erstes Obdach auf deutschem Boden offerierte. Sein Zimmer Nummer 206 – im alten, noch erhaltenen Seitentrakt des „Ritters“ gelegen – ist aus Anlass des „Elvis-Wochenendes“ für alle Besucher geöffnet und entsprechend bestückt. Die vor 61 Jahren in Frankfurt erworbene „Isana Black Pearl“ schmückt die heutige Junior Suite ebenso wie das einst hier aufgenommene Cover der „Private Presley“-Langspielplatte.

Donna Presley, Elvis’ Cousine, mit der original Isana-Black-Pearl-Gitarre von Elvis in der „Elvis Presley Suite“, Zimmer 206.

Im gegenüberliegenden Kurpark machte der umschwärmte Sänger unter höchster öffentlicher Anteilnahme einen Spaziergang. Dokumentiert ist die Begeisterung auf Fotografien, die Forscher Schröer mitgebracht hat. Von seiner 1800 Exponate umfassenden Sammlung – „die größte außerhalb von Graceland“ – findet sich ein Bruchteil im Steigenberger-Erdgeschoss. Während auf Leinwänden der „Aloha from Hawaii“-Auftritt zu sehen ist, sprechen Armeebekleidung, Autogramme und der Zimmerschlüssel Nummer 10 des „Grunewald“-Hotels in Bad Nauheim von des Idols hessischer Zeit. Ein charmanter Typ, der zum Abschied von Homburg aufs Telegrammpapier schrieb: „To Mr. Egon and the wonderful team at Ritters.“

Zwischen dem 4. und 6. Oktober 1958 nächtigte Elvis Presley in Zimmer 206 des damaligen „Ritters Park-Hotel“. Mit diesem ersten Logis in Deutschland begann die Phase seiner Militärzeit, die der spätere Star in den Friedberger „Ray Barracks“ absolvierte.

Zeitzeugen werden zum Aufenthalt in Bad Homburg gesucht. Hinweise nimmt Elvis-Forscher Andy Schröer unter andy.schroeer@yahoo.com gerne entgegen. Anfragen zu seinem „Elvis-Museum“ können ebenfalls via E-Mail gesendet werden. ov

Und kaum hat Andy Schröer das Ausbleiben von Zeitzeugen bedauert, tritt Dieter Hoyer in die Ruhmeshalle. Als 14-jähriger Lehrling – „wir wohnten damals in der Kisseleffstraße“ – hat er den Massenauflauf um den jungen King of Rock’n’Roll hautnah miterlebt. „Wenn Elvis nach Dienstschluss aus der Kaserne kam, sammelten sich die Menschen vor dem Park-Hotel.“ Von dem Presley-Charisma schwärmt der Köpperner noch heute, lobt dessen smarte Offenheit.

Elvis-Gedenken in Bad Homburg

Eine Ausstrahlung, die nach wie vor zieht. Alina Schäfer vom Steigenberger-Marketing: „Unser Wochenend-Arrangement ist ausgebucht, das Konzert ausverkauft.“ Die Fortsetzung des Elvis-Gedenkens in Homburg sei gut vorstellbar, auch die Stadtverwaltung zeige daran Interesse. Immerhin hat sich das Erinnerungspaket als gut geschnürt erwiesen: Neben Ausstellung und Zimmer-Eröffnung wurden Führungen und Mengen von Fanartikeln angeboten.

Einen Löwenanteil am Erfolg der 1. Homburger Presley-Tage hat Veranstalter Dennis Jale. Seit zwei Jahrzehnten ist er mit ehemaligen Elvis-Begleitmusikern international auf Tour, hat die Sangeskünstler von Terry Blackwood & The Imperials und The Holladay Sisters ins Steigenberger mitgebracht.

Und weil Donna Presley, die leibhaftige Cousine von Presley, erstmals unterm Taunuskamm aufläuft, ist die fehlende Margrit Bürgin schnell vergessen. Ihr verwandtschaftlicher Gedächtnisfundus bietet schließlich weitaus mehr als Flirt und Kuss.

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