Die Bad Homburger Fußgängerzone ist wieder deutlich besser besucht.

Bad Homburg

Bad Homburg: Händler sehen Licht am Ende des Tunnels

  • vonMatthias Pieren
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Auch in Bad Homburg ist die Corona-Krise eine Zäsur für den Einzelhandel. Eine Aktionsgemeinschaft hofft nun auf Unterstützung der Stadt.

Die Corona-Pandemie wird wie eine Zeitenwende alle Bereiche des Lebens in ein „Davor“ und ein „Danach“ teilen. Auch die Bad Homburger Einzelhändler spüren eine Änderung im Kaufverhalten der Kundschaft, nachdem die Geschäfte nach dem Lockdown wieder öffnen dürfen. „Alles wird anders sein als vorher“, sagt Eberhard Schmidt-Gronenberg bei der Jahreshauptversammlung der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg. „Auch die Menschen in der Stadt haben sich verändert, was wir bei unserer Kundschaft spüren.“

Im Gespräch bezifferte der einstimmig für zwei weitere Jahre wiedergewählte Vorsitzende die derzeitigen Umsätze im Einzelhandel mit 70 Prozent dessen, was die Geschäfte im Frühsommer des vergangenen Jahres eingespielt haben. Hinzu kommt freilich der Totalausfall während der Wochen der Geschäftsschließung.

„Wir hoffen, dass die Umsätze Ende des Jahres etwa 80 Prozent des Vorjahresniveaus erreicht haben“, sagt der Geschäftsführer des Modehauses Halbach. „Die seit einer Woche geltende Vorgabe, dass pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche ein Kunde im Ladenlokal sein darf, ist angemessen. Diese Kundendichte entspricht der Kundenfrequenz, die ich vor Corona im Laden hatte.“

Die Geschwindigkeiten der Lockerungen empfinde er als „genau richtig“. Er sei erleichtert, dass die Kundschaft in der Kurstadt die vorgegebenen Sicherheitsvorschriften einhalte und im Laden einen Mundschutz trage – auch wenn dieser beim Einkauf von vielen im Laden als unangenehm empfunden werde.

Es gebe aber zum Glück keine Diskussion mit den Kunden über die Notwendigkeit der Hygienevorschriften wie in anderen Städten. „Wir sind froh, in Bad Homburg aktiv sein zu dürfen“, sagt der 60-Jährige.

Großes Lob erhielten die Einzelhändler vonseiten der Politik. Der Einzelhandel sei für das Leben in der Kurstadt von enormer Bedeutung, sagt Bad Homburgs Bürgermeister Meinhard Matern (CDU). Er würdigte das Engagement der Aktionsgemeinschaft. „Die Bad Homburger haben sich die Lockerungen nach den schwierigen Wochen der Einschränkungen redlich verdient“, sagte Matern. „Alle müssen aber vorsichtig sein, dass die während des Lockdowns erreichten Erfolge bei der Eindämmung der Pandemie jetzt nicht leichtfertig verspielt werden.“

Die gegenseitig geäußerte Wertschätzung dürfte den Gesprächen von Schmidt-Gronenberg und dem ebenfalls im Amt bestätigten Schatzmeister Peter Löw mit den Verantwortlichen der Stadtverwaltung förderlich sein. Dabei wird es neben der Einschätzung der allgemeinen Geschäftsentwicklung und der Wiederaufnahme möglicher Aktionen in der Innenstadt auch um die Höhe des städtischen Zuschusses für die Aktionsgemeinschaft gehen – 2019 lag dieser bei einem Gesamtetat von 315 000 Euro (Einnahmen) bei 92 000 Euro.

„Der städtische Doppelhaushalt sieht auch für 2021 die gleichen Zuschüsse für alle Vereine vor“, gab Matern in seinen Grußwort vor 25 Mitgliedern der Aktionsgemeinschaft schon einmal die Richtung der Gespräche vor. „Wir wollen die vorhandenen Strukturen in unserer Stadt stützen und die Vereinslandschaft nicht schädigen – sonst würde das Gemeinwesen geschädigt.“

Die Stadt wolle nicht in der Krise sparen, sondern wie geplant weiter investieren. Auch wenn im verabschiedeten Doppelhaushalt der Stadt nunmehr durch die aktuelle Krise ein großes Minus entstehen dürfte, sei die finanzielle Situation in keiner Weise dramatisch. „Wir wissen noch nicht genau, ob und wie Bund und Land die Ausfälle erstatten“, sagte Matern. „Wir können aber dieses Minus aus den in den Vorjahren angelaufenen Überschüssen in Höhe von 165 Millionen Euro kompensieren.“

Beim Rückblick auf die erfolgreichen Veranstaltungen der Aktionsgemeinschaft des vergangenen Jahres in der Innenstadt war bei den Anwesenden eine gewisse Melancholie spürbar. „Jetzt weiß man erst, auf was die Bevölkerung in diesem Jahr bereits verzichten musste“, sagte Peter Löw.

Die Bilder der Multimedia-Präsentation von der Aktion am Valentinstag, die Musiknächte, das Frühlingsfest, das Weinfest und der Erntedankmarkt hatte auch Eberhard Schmidt-Gronenberg nach eigenen Worten ergriffen. „2019 war ein sehr erfolgreiches Jahr mit wunderbaren Veranstaltungen, die uns in diesem Jahr versagt blieben“, sagte Matern. „Wir wissen alle nicht, was uns dieses Jahr noch bringen wird.“

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