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Hammer! Saalburgdirektor Carsten Amrhein wirbt vor dem ehemaligen Römerkastell für den Jahresschwerpunkt.  

Bad Homburg

Handwerken wie Kelten und Römer

Das ehemalige Römerkastell Saalburg in Bad Homburg präsentiert erstmals zusammen mit dem Museum der Keltenwelt am Glauberg eine gemeinsame Ausstellung. Im Mai gibt es einen Handwerkermarkt.

Das Kolosseum in Rom, der rund 550 Kilometer lange Limes oder der Keltenfürst vom Glauberg – ohne das richtige Werkzeug hätten diese und andere Schöpfungen der Antike nicht geschaffen werden können. Und so hat das ehemalige Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg dieses Jahr das Handwerken in den Mittelpunkt seines Jahresprogramms gestellt.

„Wir werden zu diesem Thema unsere erste gemeinsame Ausstellung mit dem Museum Keltenwelt am Glauberg präsentieren“, sagte Museumsdirektor Carsten Amrhein am Donnerstag. Dabei wird mit archäologischen Funden, Filmen, Texten und Bildern gezeigt, wie und mit welchen Werkzeugen in längst vergangenen Zeiten gearbeitet wurde. Vom 3. April bis 19. Juli wird die Ausstellung „Hammer! Handwerken wie Kelten und Römer“ auf der Saalburg zu sehen sein, anschließend ist sie bis zum Jahresende in der Keltenwelt in Glauburg zu besichtigen.

Rüdiger Schwarz, Leiter der Museumspädagogik im Kastell und Mit-Organisator der Schau, hatte beobachtet, dass das Thema bei Besuchern gut ankommt. „Viele wissen nur wenig über die alten Handwerkstechniken. Gleichzeitig eignen sie sich gut für Vorführungen.“ Die Schau verfolge denn auch einen ganz praktischen Ansatz. Statt langer Erklärungstexte sollen die Besucher das Handwerk „bildlich“ erleben können. „Wir haben unter anderen eine Illustratorin geholt, die große Comic-Abbildungen von den Handwerken erstellt.“

Besucherzahlen

Rund 133 000 Besucher zählte das Römerkastell Saalburg im vergangenen Jahr – ein mittleres Jahr, sagt Direktor Carsten Amrhein. „Es war im Sommer einfach zu heiß“, fügt er als mögliche Ursache hinzu.

Die Museumsbetreiber zeigten sich trotzdem zufrieden. Eine Besucherbefragung, bei der Schulnoten vergeben wurden, hat dem Kastell eine durchschnittliche Bewertung von 1,4 gebracht. „Das schlechteste war eine 3“, freut sich Rüdiger Schwarzer.

99 Prozent der Erstbesucher gaben an, wiederkommen zu wollen. Und die Parksituation sei nicht als problematisch empfunden worden. hko

Einen anderen Zugang bietet das Veranschaulichen von Produktionsprozessen – so wird gezeigt, wie ein tönernes Öl-Lämpchen entsteht. „Dazu haben wir kleine Filme mit den Handwerkern gedreht, die zu sehen sein werden“, sagt Schwarz. Und die Besucher können selbst Hand anlegen: Webstuhl, Getreidemühle und Co. stehen bereit.

Zwei Sonntage – 17. Mai und 21. Juni – werden zu Thementagen: Dabei gibt es jeweils von 10 bis 17 Uhr ein Programm mit Handwerksvorführungen und Mitmachaktionen. Auch beim Handwerkermarkt, der in diesem Jahr dank des Mai-Feiertags drei Tage läuft, dem erweiterten Römermarkt, gibt es dazu Gelegenheit: Händler, Handwerker und Aussteller sind von Freitag bis Sonntag, 1. bis 3. Mai, auf der Saalburg zu Gast. „Dann zeigt auch eine Bein-Schnitzerin ihr Handwerk, etwa wie Nadeln aus Knochen hergestellt werden“, verrät die wissenschaftliche Volontärin Anna Langgartner.

Um das leibliche Wohl geht es am Pfingstsonntag, 31. Mai, und Pfingstmontag, 1. Juni. Zu einer „Culinaria“ öffnet die Römer-Cohorte aus Opladen ihr Versorgungszelt. Das Museumsrestaurant Taberna verköstigt die Besucher römisch. Allerdings mit Einschränkungen, wie Saalburg-Chef Amrhein anmerkt: „Wir wissen zwar um die Zutaten, die Mengenangaben sind jedoch nicht überliefert – es gab aber sehr deutliche Unterschiede zu heutigen Speisen.“

So habe man über Jahre getestet, was für den modernen Gaumen erträglich sei. Als Beispiel nennt Amrhein eines der damaligen Standardgewürze, das sich bis ins Mittelalter hielt: Garum. „Die fermentierte Fischsoße wird gerne als das ,Maggi der Antike‘ bezeichnet, weil es häufig verwendet wurde. Wir wollen uns aber nicht vorstellen, wie das damals gerochen und geschmeckt haben muss ...“

Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag 13. September, präsentiert sich „Die Saalburg zur Zeit Kaiser Wilhelms II.“. Zudem gibt es regelmäßige Führungen, spezielle Themenführungen sowie Angebote in den Ferien. (mit dpa)

Harald Konopatzki

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