Bad Homburg

Grüne kritisieren „Speziwirtschaft“

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Die Personalpolitik im Rathaus ruft die Opposition auf den Plan. Bettina Gentzcke (CDU) sieht aber keinen Grund, auf die Leitung des Kulturamtes zu verzichten.

Die Auseinandersetzung um die neue Leiterin des Kulturamts im Bad Homburger Rathaus verschärft sich. Nachdem bereits die Bürgerliste Bad Homburg (BLB) Kritik an der Vergabe des Postens an die CDU-Stadträtin Bettina Gentzcke geübt hatte, fordert die Stadtverordnetenfraktion der Grünen sie nun in einem offenen Brief auf, die Stelle als Leiterin des Fachbereichs für Kultur und Bildung nicht anzunehmen. Das lehnte Gentzcke auf Anfrage der FR jedoch ab.

Der Magistrat hatte in der vergangenen Woche entschieden, dass Bettina Gentzcke zum 1. November neue Leiterin des Fachbereichs Kultur und Bildung wird. Sie löst in dieser Funktion Matthias Setzer ab, der in Pension geht.

Die Grünen werfen den Verantwortlichen im Rathaus und auch Bettina Gentzcke persönlich „politische Speziwirtschaft“ vor. Damit schade sie nicht nur der Stadt, sondern auch allen anderen Beschäftigten der Stadtverwaltung. Die BLB hatte mit ihrer Stellungnahme in die gleiche Richtung gezielt. Durch die „politische Besetzung des Kulturamts mit einer CDU-Parteifreundin“ müsse sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) „den Vorwurf des Bad Homburger Klüngels gefallen lassen“, schrieb BLB-Fraktionschef Armin Johnert.

Die Bewerbung sei ihr gutes Recht gewesen, gestehen die Grünen Bettina Gentzcke zu. Allerdings sei es „befremdlich“, dass sie weiterhin die CDU als ehrenamtliche Stadträtin im Magistrat vertrete und darüber hinaus dem Vorstand der Bad Homburger Christdemokraten angehöre sowie als Vorsitzende der CDU Dornholzhausen fungiere.

Daraus ziehen die Grünen den Schluss, dass Gentzcke in ihrem neuen Amt „politisch agieren“ werde, obwohl „Fachbereichsleitungen neutral und von Personen mit Fachkenntnissen sowie mit Personal- und Verwaltungserfahrung besetzt werden“ sollten. Auch die berufliche Qualifikation der studierten Juristin stellt die Oppositionsfraktion infrage. Gentzcke habe bisher noch nie in einer öffentlichen Verwaltung gearbeitet und ihre Erfahrungen im kulturellen Bereich mit ihren politischen Funktionen begründet.

Vorwürfe, die Gentzcke nicht nachvollziehen kann. Sie sei zwar einst als Wirtschaftsjuristin bei der ehemaligen Hoechst AG eingestellt worden, habe dann aber schnell auch Aufgaben einer Kulturmanagerin übernommen; zunächst beim Aufbau der Hoechst-Stiftung, später in der Stiftung der Hoechst-Nachfolgefirma Cassella. Seitdem sei sie sehr gut in der regionalen Wirtschafts-, Wissenschafts- und Kulturszene vernetzt, betont Gentzcke. So habe sie dem Kulturfonds Rhein-Main schon Sponsoren vermittelt und auch daran mitgewirkt, dass das Schlosshotel in Kronberg Standort der „Blickachsen“-Ausstellung geworden sei.

„Ich fühle mich gut qualifiziert“, betont Bettina Gentzcke im Gespräch mit der FR. „Ich hätte mich nicht auf die Stelle beworben, wenn es nicht passen würde.“ Mit Parteipolitik habe ihre Bewerbung gar nichts zu tun. Und das werde sie auch in ihrer Amtsführung so halten.

Selbstverständlich werde sie aus der Politik ausscheiden, bevor sie ihre Stelle in der Stadtverwaltung antritt, sagt Gentzcke zu. Das gelte sowohl für ihr Mandat im Magistrat wie für ihre politischen Funktionen in der CDU. Allerdings habe sie bislang noch nicht einmal einen Arbeitsvertrag vorliegen, sagt Gentzcke.

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