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Bahnhof in Bad Homburg

Bahnhof Bad Homburg

Großprojekt am Bahnhof

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Am Bahnhof von Bad Homburg soll ein Großprojekt mit Kino, Club und Stadtwerke-Verwaltung entstehen.

Es ist eines der zentralen Projekte für die Entwicklung Bad Homburgs in den kommenden Jahren: Auf dem alten Postareal direkt am Bahnhof soll ein Unterhaltungskomplex mit Kino und Musikclub entstehen. Darüber hinaus ist ein Parkhaus geplant, und auch die Stadtwerke sollen mit ihrer Verwaltung aus Ober-Erlenbach an den Bahnhof umziehen. Allein die Baukosten werden nach Informationen der FR auf rund 60 Millionen Euro geschätzt.

Das Stadtparlament hat am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit von 34 zu 10 beschlossen, den Investorenwettbewerb zu diesem Großvorhaben abzuschließen. Viel mehr war dazu jedoch auch am Tag danach offiziell nicht zu erfahren. Die Beratung der Magistratsvorlage erfolgte auf Antrag der CDU nicht-öffentlich. Und auch die Stadt mauert, die besagte Vorlage ist für die Presse nicht einsehbar. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) führt rechtliche Bedenken an. „Wir befinden uns in einem europaweiten Ausschreibungsverfahren. Ich werde mich dazu nicht äußern.“ 

Baubeginn bereits im nächsten Frühjahr? 

Inzwischen sind nichtsdestotrotz einige Informationen durchgesickert – wie zuverlässig sie sind, ist allerdings schwer zu überprüfen. Wie die „Taunuszeitung“ berichtet, ist der Baubeginn bereits für kommendes Frühjahr geplant, die Fertigstellung soll im Juli 2022 erfolgen.

Umgesetzt werden soll das Ganze in einem komplizierten Konstrukt: Die Stadt möchte das Projekt nicht in Eigenregie stemmen, sondern einem Investor übertragen. Dabei handelt es sich nach Informationen der FR um eine sogenannte Objektgesellschaft der Deutschen Anlagen Leasing (DAL) mit Sitz in Mainz, die wiederum eine Tochtergesellschaft der Deutschen Leasing AG in Bad Homburg ist. Auf Anfrage bei der DAL war lediglich zu erfahren, dass das Unternehmen in das Projekt involviert ist.

Dem Vernehmen nach ist geplant, dass die Objektgesellschaft mit Namen Dohma der Stadt zunächst das Grundstück am Bahnhof für rund vier Millionen Euro abkauft. Anschließend soll sie dafür sorgen, dass die neuen Gebäude für Kino, Club, Stadtwerke und Parkhaus errichtet werden, die sie dann per Leasingvertrag an die Stadtwerke verpachtet.

Die Vermietung des Parkhauses und des Kinos wäre damit Aufgabe der Stadtwerke. Das Parkhaus soll die stadteigene Kur- und Kongress-Gesellschaft betreiben, für das Kino mit sieben Sälen und insgesamt 850 Plätzen ist als Betreiber das Unternehmen Kinopolis im Gespräch. Nach 30 Jahren soll das Gelände dann wieder an die Stadt zurückfallen. 

BLB: „Viele Risiken und Unwägbarkeiten“

Aus Sicht der Bürgerliste Bad Homburg (BLB) enthalten die Verträge jedoch noch „viele Risiken und Unwägbarkeiten“. Deswegen hatte sie auch beantragt, das Thema öffentlich zu beraten. Die Bad Homburger hätten ein Anrecht darauf zu erfahren, „wie teuer dieser Deal die Stadt käme, würde sie den Bau mit dem Investor nach den in den Vorlagen vorgegebenen Verträgen umsetzen“, forderte Fraktionschef Armin Johnert.

Dass dennoch hinter verschlossenen Türen diskutiert wurde, will die Wählergemeinschaft nicht hinnehmen. Man werde Beschwerde bei der Kommunalaufsicht einlegen, kündigte Johnert an. Wobei er ohnehin davon ausgeht, dass die nun beschlossenen Pläne scheitern werden. Eine Realisierung zu den ausgehandelten Konditionen sei „nahezu aussichtslos“, prophezeit der BLB-Fraktionschef.

Laut einem Gutachten, das die Stadt selbst in Auftrag gegeben hat, ist die Leasingvariante nur dann genauso wirtschaftlich wie eine Umsetzung in Eigenregie, wenn die DAL ihre Objektgesellschaft mit einem Risikopuffer von fünf Millionen Euro ausstattet. Nach Angaben aus Rathauskreisen soll dieser Puffer inzwischen in die Verträge eingearbeitet sein. Noch unsicher ist allerdings, ob das Unternehmen und die finanzierenden Banken dem Deal in dieser Form zustimmen.

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