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Mindestens 500 Tiergräber gibt es auf dem Gonzenheimer Feld. Viele von ihnen sind bemerkenswert individuell gestaltet.
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Mindestens 500 Tiergräber gibt es auf dem Gonzenheimer Feld. Viele von ihnen sind bemerkenswert individuell gestaltet.

Tierfriedhof Bad Homburg

Ein Grabspruch für den Streuner

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
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Herrchen und Frauchen haben in Bad Homburg einen besonderen Platz zum Trauern: den Tierfriedhof im Gonzenheimer Feld. Henriette Palmer beerdigt seit acht Jahren Haustiere und pflegt ihre Gräber.

Herrchen und Frauchen haben in Bad Homburg einen besonderen Platz zum Trauern: den Tierfriedhof im Gonzenheimer Feld. Henriette Palmer beerdigt seit acht Jahren Haustiere und pflegt ihre Gräber.

Vor zwei Wochen hat Henriette Palmer ihre 103. Bestattung durchgeführt. Eine, an die sie noch lange zurückdenken wird. Ein trauerndes Ehepaar hatte nicht nur den kürzlich verstorbenen Kater dabei, auch die ausgestopfte Vorgängerkatze sollte mit ins Grab. Die Bestatterin des Vereins Tierfriedhof Bad Homburg hat diesen Wunsch erfüllt – wie so viele in den vergangenen acht Jahren. Das rund 1200 Quadratmeter große Areal liegt im Gonzenheimer Feld – unmittelbar hinter dem im Bau befindlichen Klinikum – und beherbergt mindestens 500 Gräber. Hier liegen sie, die vierbeinigen Lebensbegleiter: Hunde, Katzen, Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen. Die Inschriften und Beigaben sprechen von tiefer Zuneigung, eröffnen Geschichten.

Pudeldame Happy –1977 geboren, 1993 gestorben – bleibt auch im Tode „geliebt und unvergessen“. Jenny wurde mit einem „Schlaf gut, Bärchen“ auf die Reise geschickt. „Mein Dackel-Mädchen Dunja“ tollte einst durch die Offenbacher Stadtlandschaft. Sie ist zur letzten Ruhe gekommen – genauso wie ihr Nachbar Filou. In der Blüte seiner Jugend kam das Katerchen Minki unter die Räder. „Das war ein Freigänger und wurde überfahren.“ Folgerichtig heißt es auf dem Grabstein: „Streunen war Dein Leben“.

Weinende Männer am Grab

Obwohl viele Grabstellen die zehnjährige Laufzeit seit langem überschritten haben, sind nur wenige Ecken des Friedhofs verwahrlost. Tierfreunde sind treu. Viele der ehemaligen Frauchen und Herrchen kommen regelmäßig mit Blumen und Zierpflanzen, mit Harke und Gießkanne. Weinende Männer sind keine Seltenheit. Es wird aber auch gesungen und manchmal gebetet. „An Weihnachten ist das hier ein großes Lichtermeer.“ Stimmungsvoll sei der Friedhofswinter, auch wenn das Graben im gefrorenen Boden kein Zuckerschlecken sei.

Schon vor dem Ewigkeitssonntag flackern die Öllämpchen, umgeben von herbstlichen Gestecken und deckendem Tannengrün. Palmer, in Bad Homburg geboren und nach einem Leben in fernen Erdteilen zurückgekehrt, hat 2004 ihre Putzi in die heimatliche Erde gesenkt – der Beginn einer Obsession. Seitdem hat sie Hinterbliebene beraten, Trauerreden gehalten und tote Tierkörper in Baumwolltücher gewickelt. Die ehrenamtlich wirkende Frau kümmert sich heute auch um die ältesten Gräber – eine Herzensangelegenheit: „Mir hilft es, wenn ich bei Wind und Wetter meinen Tieren nahe sein kann.“

Heute Friedhof, früher Abdeckerei

Bestattungsanfragen kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet, bevorzugt werden aber die Tierfreunde aus dem Taunus. Vieles müsse abgelehnt werden: „Das können wir hier nicht alles leisten.“ Spenden und Beerdigungsgeld sichern das Fortbestehen – investiert wurde unlängst in neue Sitzbänke und die Reparatur des umgebenden Zauns.

Ein geschichtssatter Platz: Wo heute verstorbene Haustiere geistern, gingen bis ins 16. Jahrhundert die Bewohner von Niederstedten ihren Geschäften nach. Auf dem Gelände etablierte sich dreihundert Jahre später eine Abdeckerei. Nach deren Ende – etwa 1938 – begannen die, zunächst illegalen, Grablegungen von Hund und Katz. Die Bewilligung des Veterinäramts erfolgte nach eingehenden hydro-geologischen Untersuchungen.

Bis kurz vor der Jahrhundertwende war der Homburger Tierfriedhof der einzige in Hessen und einer der wenigen in Deutschland. Seitdem ist die Zahl der Tierruhestätten gestiegen. „Es gibt nur drei Möglichkeiten“, sagt Palmer, „entweder werden die toten Tiere beerdigt, verbrannt oder zu Seife verarbeitet.“ Aber wer könne sich schon mit dem Gedanken anfreunden, dass sein Liebling als Waschmittel ende?

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