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Olaf Joksch hat die Partitur von Johann André neu eingerichtet.

Offenbach/Bad Homburg

Goethes einzige Oper

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Olaf Joksch hat das Singspiel „Erwin und Elmire“ wieder entdeckt. Im September ist es bei zwei Aufführungen im Rhein-Main-Gebiet zu sehen.

Wenn ein Frankfurter und ein Offenbacher sich begegnen, muss das nicht unbedingt zu Zoff und Zores führen. Es kann auch eine Oper dabei herauskommen. Wie bei Johann Wolfgang Goethe und Johann André. Im Herbst 1773 hatten sich der angehende Groß-Schriftsteller und der Seidenfabrikant, leidenschaftliche Musiker und spätere Verlagsgründer André in Offenbach kennen und schätzen gelernt.

Ein Ergebnis war das „Schauspiel mit Gesang“ unter dem Titel „Erwin und Elmire“, das seine Premiere am 13. September 1775 in Frankfurt erlebte und später auch erfolgreich in Berlin aufgeführt wurde. Trotzdem blieb es die einzige Beteiligung Goethes an einer Oper. Er hatte das Libretto verfasst, Johann André die Musik komponiert.

Am Weimarer Hof erlebte „Erwin und Elmire“ noch einmal eine Blüte. Nach Angaben von Olaf Joksch entwickelte es sich am dortigen Theater, dessen Direktor Goethe war, sogar zu einem der beliebtesten Stücke - allerdings schon nicht mehr mit der Musik seines Kompagnons André, sondern nach einer Partitur von Herzogin Anna Amalie.

Anschließend verschwand die Oper jedoch mehr als 200 Jahre lang weitgehend in der Versenkung – bis Joksch, der unter anderem Organist an der Offenbacher Hugenottenkirche ist, mit Hans-Jörg André, Inhaber des gleichnamigen Musikhauses und Nachfahre von Johann André, ins Gespräch kam. Der überreichte ihm einen Klavierauszug des Stückes aus dem Jahr 1776. Nach weiterer Suche fand Olaf Joksch zusätzlich im Archiv des Goethehauses eine handgeschriebene Partitur. „Die war aber nicht leicht zu entziffern“, schildert er. Doch er ließ nicht locker – und ein halbes Jahr später war es ihm gelungen, sie wieder lesbar zu machen und neu einzurichten.

Vor knapp 20 Jahren war die wiederentdeckte Goethe-André-Oper schon einmal im Offenbacher Büsingpalais zu hören. Damals noch mit modernen Instrumenten. Nun erfolgt die Neuauflage mit historischem Equipment. „Das ist klanglich deutlich reizvoller“, sagt Olaf Joksch. Er wird selbst am Cembalo sitzen, hinzu kommen zwölf weitere Musiker des Orchesters „Concerto Piccolo“ sowie die Solisten Sabine Goetz, Ljuba Nitz, Christian Rathgeber und Markus Matheis für die Gesangsrollen.

Aufgeführt wird „Erwin und Elmire“ am 9. September erneut im Büsingpalais; am 14. September wird das Stück zudem in Bad Homburg zu hören sein. Gegeben wird eine konzertante Fassung ohne Schauspiel und aufwendiges Bühnenbild. „Das würde unsere Möglichkeiten überfordern“, sagt Olaf Joksch.

Außerdem hat Joksch den Goetheschen Text deutlich gestrafft, so dass nur noch rund ein Viertel der Originalfassung übrig geblieben ist. „Die Essenz bleibt aber erhalten“, betont Olaf Joksch. Damit das Publikum der Handlung folgen kann, wird der Schauspieler Michael Kaiser als Erzähler fungieren. Auch so wird die Aufführung noch eineinviertel Stunden dauern. Alles in allem sei „Erwin und Elmire“ schon „ein wenig aus der Zeit gefallen“, räumt Olaf Joksch ein. Einige Passagen bewegten sich nach heutigem Empfinden „hart am Rande des Kitschs“. Es geht um Liebesleid und Sehnsucht zweier junger Leute, die voneinander getrennt werden, sich aber am Ende durch einen Zufall wiederfinden.

Für die Bad Homburger Schlosskonzerte ist es nicht das erste Mal, dass sie eine lange vergessene Oper wieder auf die Bühne bringen. „Wir haben vor vier Jahren damit begonnen, kleinere Musiktheater-Produktionen aufzuführen“, sagt der Künstlerische Leiter Karl-Werner Joerg. So war im vergangenen Jahr das Stück „Die Herzogin von Guise“ in der Erlöserkirche zu sehen.

Den Schwerpunkt des Programms bilden aber weiterhin Orchesterkonzerte. Den Auftakt macht zur neuen Saison am Freitag, 19. Oktober, das Stuttgarter Kammerorchester.

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