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Der Weihnachtsmarkt im Bad Homburger Schlosshof hat einiges zu bieten, hier die Kindereisenbahn. Befeuert mit Holz macht sie viel Dampf.

Bad Homburg

Glockenkonzert in luftiger Höhe

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Die „Weihnachtsstadt“ bietet mehr als Glühweinduft und Hüttengaudi - FR-Autor Jürgen Streicher ist sogar getürmt. Und das ist ein ganz besonderes Erlebnis.

Ganz oben, 171 Stufen über dem Schlosshof und im runden Turmzimmer angelangt, ist der Lohn für das Wendelwandern grandios. Frischer, kühler Wind, der am offenen Fenster zausend um die Nase weht und ein exklusives Glockenkonzert aus den Türmen der Erlöserkirche durch die Abendluft herbeiträgt.

Ganz allein mit dem Geist von Kleist, Hölderlin und Goethe, die auch hier oben standen und wunderbare Worte hinaus in die Welt pusteten. Ein Zweiter-Advent-Erlebnis der besonderen Art hoch über dem Trubel der „Weihnachtsstadt“, die so gern mit immer neuen Sensationen lockt. Dank Walter Meier, dem Herrn der Schlossturm-Schlüssel im Museums-Shop, der sie gegen einen kleinen Obulus gerne an ihm vertrauenswürdig erscheinende Menschen verleiht.

An Menschen, die gerne mal türmen, wenn es im Schlosshof zwischen all den weihnachtlichen Hütten mit ihrem Geglitzer und Gerüchen, mit adventlichen Klängen und den Wortfetzen aus tausend Mündern gar zu wuselig wird. Das „Türmen“ war die letzte Fluchtmöglichkeit in früheren Zeiten, wenn der Feind nahte und nur noch der Rückzug in den Turm möglich war.

„Wieder was gelernt“, sagt die Frau zu ihrem Gatten, die beim Rückweg entgegenkommt. Das Glockengeläut ist verstummt, aber schöne Aussicht in alle Himmelsrichtungen erwartet die beiden oben. Und vielleicht hören sie ein kleines Glöckchen klingen, das unten auf der Schlossgarage die Herren vom Lions-Club „Weißer Turm“ läuten, wenn wieder einer auf sein Zwei-Euro-Pfand für den Glühweinbecher verzichtet hat und die Spendenkasse voller wird. Gutes zu tun gehört zum guten Ton beim Romantischen Weihnachtsmarkt, dem dominanten Kommerz muss eine zweite Kraft die Wucht nehmen.

So wie die 18 Meter lange Bimmelbahn mit ihren 56 gepolsterten Sitzplätzen in zwei Waggons, die gemütlich zwischen Kulturbahnhof und Schloss pendelt. Arbeitstitel „Shopping-Express“, ganz soll die Idee hinter einer der Neuerfindungen für die „Weihnachtsstadt“ ja nicht verdrängt werden. Mit Glück kommt die Bahn im rechten Moment vorbei, etwa an der Haltestelle Kurhaus. Wenn nicht, kann man sich mal im Almstadl umsehen. In der Dämmerung noch schnell einen Tisch für den Abend reservieren? „Ach“, sagt das fesche Madl im Dirndl, „wo leben Sie denn?“ Ab 17 Uhr sind fast alle Tische an größere Gruppen schon vergeben. Obwohl am Abend nur DJ Gerri auf dem Programm steht und nicht etwa die „Hunis aus dem Oberallgäu“ oder die Hüttengaudi-Superparty mit den „ultimativen Sommerhits“, wo sich Tische und Bänke unter dem ausflippenden Tanzvolk biegen. „Gibt Leute, die schreiben schon im Sommer E-Mails, um einen Tisch zu reservieren“, verrät das Dirndl. So ist das im Almstadl.

Fackeln beleuchten am Abend den Weg vom Sinclair-Haus am Ende der Kulturmeile durch den kleinen Park zur dezent angeleuchteten Libanonzeder vor dem Königsflügel des Schlosses. Mit dem Eintritt in das Vestibül, in dem Schlossprinzessin Julia Gadenz im Café neben ihren beliebten Torten auch vegane Waffeln anbietet, taucht der Besucher in die immer wieder heile Welt des „Romantischen Weihnachtsmarktes“ ein.

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