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Gemeinsam gegen Barrieren

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Initiative für Behinderte und Nicht-Behinderte.

„Der schon wieder“, sagt Wolfgang Heimbach und schaut den Sozialdezernenten Dieter Kraft (Die Grünen), der ihm gegenüber sitzt, an. Heimbach, einer der Initiatoren der Initiative barrierefreies Bad Homburg, lächelt, als er fortfährt: „Geben Sie es zu, das haben Sie sicher gedacht, als ich schon wieder mit dem Thema Barrierefreiheit auf Sie zukam.“

Wolfgang Heimbach spricht von sich selbst als Einzelkämpfer. Der 48-jährige Gehbehinderte setzt sich seit über zehn Jahren für Barrierefreiheit ein. Nun sind die Zeiten des Einzelkämpfertums vorerst passé. Gemeinsam mit der sehbehinderten Brigitte Buchsein und dem ebenfalls sehbehinderten Timothy Hellbusch hat er vor einem Jahr die Initiative barrierefreies Bad Homburg (IbBH) ins Leben gerufen. „Für die 9000 Menschen in unserer Stadt, die eine anerkannte Behinderung haben“, sagt Heimbach, „und für alle anderen.“ Das Ziel der Truppe ist es, Barrierefreiheit zum selbstverständlichen Teil des Alltags zu machen. Dies würde allen zu Gute kommen.

An diesem Tag sitzen sie mit dem Sozialdezernenten und Joachim Völkening, dem Berater für Menschen mit Behinderungen im Amt für Soziales, Jugend und Wohnen, zusammen, um die Initiative vorzustellen. Sie versteht sich als von der Stadt unabhängig. Die Stadtverwaltung will helfen, indem sie Verbesserungsvorschläge über kurze Wege an die zuständigen Ämter weiterleitet – also in einem gewissen Sinne die Arbeit der Initiative barrierefreier macht. Zudem unterstützt sie die Auftaktveranstaltung finanziell. Dort sollen viele Behinderte und Nicht-Behinderte zusammenfinden, um ein Forum für Ideen und Austausch zu schaffen.

Ist Barrierefreiheit nicht längst ein alter Hut, könnte man fragen. Wird nicht genug getan? „Keinesfalls“, sagt Brigitte Buchsein, „es fängt damit an, dass ich den Busplan nicht lesen kann“. Vor kurzem wartete sie eine Stunde auf den Bus, bis ihr ein Passant sagte, dass er ausfällt. Der Mann konnte das grellgelbe Hinweisschild lesen – sie nicht. Und Völkening moniert, dass Architekten Barrierefreiheit im Studium nur als Wahlfach haben und der Etat für Barrierefreiheit des Straßenbauamts sich nur auf 50000 bis 70000 Euro beläuft. „Das reicht für den Umbau von zwei Ampeln.“

Timothy Hellbusch schmerzen die „Barrieren in den Köpfen“ am meisten: Berührungsängste oder Ablehnung durch Nicht-Behinderte. „Ich möchte nicht als Bittsteller auftreten und Männchen machen müssen, damit irgendwo eine Stufe gebaut wird.“ (ems.)

Die Auftaktveranstaltung der IbBH ist am Mittwoch, 13. März, um 18 Uhr im Bad Homburger Kurhaus.

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