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Gemeinsam Demokratie verteidigen

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Laura, Jack, John und Rush McCloy waren extra aus Amerika zur Eröffnung des John McCloy Transatlantic Forums gekommen. Koberg
Laura, Jack, John und Rush McCloy waren extra aus Amerika zur Eröffnung des John McCloy Transatlantic Forums gekommen. Koberg © Koberg

Forschungskolleg ruft das „John McCloy Transatlantic Forum“ ins Leben

Bad Homburg - Unsere Welt ist gefährdet wie schon lange nicht mehr. Themen wie der Klimawandel, der Krieg in der Ukraine, populistische Bewegungen und die damit einhergehende Gefahr für demokratische Staaten, die Folgen der Digitalisierung und die Krisenherde auf der ganzen Welt, die Tausende von Menschen veranlassen, aus ihrer Heimat zu flüchten, stehen ganz oben auf der Liste der aktuellen Bedrohungen. Aus der Einsicht heraus, dass sich diese Krisen nur gemeinsam mit anderen, gleichgesinnten Verbündeten bewältigen lassen werden, wurde jetzt am Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner-Reimers-Stiftung das „John McCloy Transatlantic Forum“ eröffnet. Es ist eingebettet in das Forschungsprojekt „Democratic Vistas. Reflections on the Atlantic World“, das sich seit 2020 mit dem Thema Demokratie nicht nur als Regierungsform beschäftigt, sondern diese auch als Lebensform erforscht - wie Menschen zusammenleben, sich ausdrücken und gemeinsam handeln.

Der Name des Forums erinnert an John McCloy, der von 1949 bis 1952 als amerikanischer Hochkommissar in Frankfurt maßgeblich am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau beteiligt war und drei Jahre lang mit seiner Familie in Bad Homburg im Haus Hohenbuchen im Hardtwald wohnte. Als besonderer Gast der Eröffnungsfeier war John McCloy II, der Sohn des ehemaligen Hochkommissars, zusammen mit seiner Frau Laura und den beiden Söhnen Jack und Rush extra aus den Vereinigten Staaten nach Bad Homburg gekommen.

Initiiert wurde das neue Forum von Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann, dem Direktor des Forschungskollegs Humanwissenschaften, seinen Kollegen Prof. Dr. Johannes Völz und Prof. Dr. Gunther Hellmann sowie den beiden Bad Homburger Förderern des Forums Dr. Bernd von Maltzan und Felix Hufeld. Sie wollen in Zukunft Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft zusammenzubringen, um in Vorträgen und Gesprächen über die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen zu sprechen und das Bewusstsein dafür zu intensivieren. Dabei gehe es, so Lutz-Bachmann, auch darum, die in den vergangenen Jahren an manchen Stellen etwas beschädigten Verbindungen der transatlantischen Beziehungen zu reparieren, zu erneuern und auszubauen. Darüber hinaus soll das Forum ein Ort der Debatte werden, der mit seinen Erkenntnissen Demokratien stabilisiert und stärkt. Ein Ziel, das Prof. Dr. Enrico Schleiff, der Präsident der Frankfurter Goethe-Universität, in seinem Grußwort ansprach: „Wir können die Demokratie nicht als für immer gegeben ansehen“, sagte er und betonte, dass es „unsere Aufgabe ist, die demokratischen Werte und Prinzipien bis in die eigene Gesellschaft zu verteidigen“.

Erinnerung an John McCloy

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) sagte, dass das transatlantische Bündnis niemals wichtiger gewesen sei als in der heutigen Zeit. Auch wenn es hin und wieder Probleme gebe, dann müsse sich eben getroffen, gesprochen und diskutiert werden. Kriege, wie ihn jetzt Putin gegen die Ukraine führe, seien niemals eine Lösung. Der Familie von John McCloy II sagte Hetjes, dass der Name bis auf den heutigen Tag einen sehr guten Ruf in der Kurstadt habe. Die Tatsache, dass der Hochkommissar während seiner Zeit in Deutschland - bis auf wenige Monate - hier zu Hause war, habe Bad Homburg zu einem historischen Platz für die transatlantische Freundschaft gemacht. Sichtlich bewegt sagte anschließend John McCloy II, dass er sich sehr geehrt fühle, nach 70 Jahren wieder nach Bad Homburg zurückzukommen, um das Forum im Gedächtnis an seinen Vater zu eröffnen. Dann erzählte er mit launigen Worten, wie US-Präsident Harry S. Truman auf Anraten seines Vaters zunächst Lucius D. Clay von 1947 bis 1949 als Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone nach Deutschland schickte. Dieser wohnte ebenfalls in Bad Homburg im Haus Hohenbuchen beziehungsweise im „Haus im Walde“, wie es auch genannt wurde. Zwei Jahre später entsandte Präsident Truman dann McCloy mit den Worten „Ich denke, es ist Zeit, Sie als Hohen Kommissar nach Deutschland zu schicken“. Mit ihm kam seine Familie, seine Frau Ellen und die beiden Kinder John und Ellen. In Anlehnung an die berühmten Worte von US-Präsident John F. Kennedy „Ich bin ein Berliner“, die dieser am 26. Juni 1963 vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin gerufen hatte, sagte John McCloy II unter Applaus des Publikums: „Ich bin ein Bad Homburger.“

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