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Gericht

Geld für neue Aufträge gezahlt

Rhein-Main Gesundheitsunternehmer steht wegen Bestechung vor dem Landgericht.

André K. ist wohl nur ein kleiner Goldfisch im großen Wunschbrunnen des internationalen Gesundheitswesens. Dennoch sitzt der ehemalige Geschäftsführer eines Bad Homburger Unternehmens, das sich auf die Ausrüstung von Krankenhäusern spezialisiert hatte, seit Montag wegen Bestechung vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts.

K. hatte von 2009 bis 2011 Wassim T. mindestens 200 000 Euro zukommen lassen. T. war zu dieser Zeit Berater der Weltbank, einer Unterorganisation der Vereinten Nationen, deren Aufgabe es eigentlich ist, strukturschwachen Ländern Hilfe zu leisten – etwa auch beim Aufbau medizinischer Infrastruktur.

Allerdings besserte der nahe London wohnende T. sein karges Beraterhonorar von knapp 200 000 Euro im Jahr dadurch auf, dass er weltweit Unternehmern anbot, sie gegen eine Gebühr von fünf Prozent des Geschäftsvolumens bei Ausschreibungen über die Angebote der Konkurrenz zu informieren und zugleich ihr eigenes Angebot der Weltbank zu empfehlen – einer Empfehlung, der die Bank stets folgte.

Der damals 64 Jahre alte T. war 2017 wegen Bestechlichkeit zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Die Annahme von Schmiergeld konnte ihm zumindest in einer Höhe von knapp zwei Millionen Euro nachgewiesen werden.

Derlei Unbill muss der 66 Jahre alte K. nicht fürchten. Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft haben einen Deal geschlossen, bei dem K. im Falle eines Geständnisses schlimmstenfalls eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren und eine Geldstrafe fürchten muss. Und K. ist geständig, was angesichts der Beweislage empfehlenswert ist.

Nach seiner Schilderung ist die Sache weit weniger kriminell und profitabel gewesen, als sie sich anhört. Er habe zwar das Geld an T. gezahlt, um Aufträge für die Beschickung von Hospitälern in Rumänien, Kirgistan und Albanien an Land zu ziehen, aber von denen habe nicht er, sondern ein mit ihm befreundeter Chef eines anderen Unternehmens profitiert, der im Gegenzug dann wieder ihm geholfen habe, ein wenig Reibach mit Krankenhäusern in Kasachstan zu machen.

Wobei die Betonung auf „wenig“ statt auf „Reibach“ liegt, wie K.s Verteidigung eindrucksvoll darlegt. Zwar habe das personell karg bestückte Unternehmen K.s 2010 einen Umsatz von zehn Millionen Euro verzeichnet, der reiche aber gerade mal zur Sicherung des täglichen Tellers Suppe: „In dieser Branche gibt es global eigentlich nur zwei Player, Siemens und Philips, entsprechend gering sind die Margen, da bleibt nicht viel übrig.“

Der Prozess wird fortgesetzt.

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