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Fritz Bauer soll gewürdigt werden

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Fritz Bauer ARCHIV
Fritz Bauer ARCHIV © Jüdisches museum

Politik spricht sich dafür aus, eine Örtlichkeit nach dem mutigen Juristen zu benennen

Bad Homburg - Die Benennung von Orten, Plätzen und Wegen ist seit Menschengedenken eine symbolische und oft auch höchst emotionale Sache, auch wenn die hohe Bautätigkeit zwischenzeitlich dazu führte, dass sich auf etlichen Straßenschildern eher triviale Bezeichnungen finden.

Heute wird wieder mit mehr Bedacht vorgegangen. Alfred Herrhausen ist eine bis dato namenlose Brücke gewidmet, am Bahnhof gibt’s seit zwei Jahren einen „Edmund-Heusinger-von-Waldegg-Weg“, und die Partnerstadt Dubrovnik bekommt einen Platz auf dem Südcampus.

Dr. Thomas Kreuder (SPD) brachte bei der Sitzung des Haupt- und Bürgerbeteiligungsausschusses einen Antrag ein, eine Straße nach dem ehemaligen Staatsanwalt Fritz Bauer zu benennen. Kreuder, selbst Rechtsanwalt, hielt ein flammendes Plädoyer. Bauer habe sich verdient gemacht, nicht nur durch die mit ihm untrennbar verbundenen Auschwitz-Prozesse in Frankfurt und die Ergreifung Adolf Eichmanns. Auch hatte er als Anklagevertreter im sogenannten Remer-Prozess dafür gesorgt, dass die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 um Claus Graf Stauffenberg formaljuristisch rehabilitiert wurden. Er sei nun zu Recht vom Bundespräsidenten als „Schlüsselfigur der jungen Demokratie“ gewürdigt worden, eine Formulierung, die auch Hessens Ministerpräsident aufgriff, der Bauer Anfang Dezember posthum mit der höchsten Auszeichnung des Landes, der Leuschner-Medaille, ehren wird. „Bauer stellte klar, dass der NS-Staat ein Unrechtsstaat war - Widerstand war Pflicht“, resümierte Kreuder.

Dass der Name Fritz Bauer einen Platz im Stadtbild bekommen soll, war im Ausschuss unstrittig. Philipp Herbold (FDP), ebenfalls Jurist, erklärte, ein Gedenken sei überfällig, und auch Dr. Clemens Wolf (CDU) konnte von „einstimmiger Zustimmung“ seiner Fraktion berichten. Die BLB in Person von Armin Johnert lobte den Vorschlag der SPD ebenfalls ausdrücklich. Dass es zu leichten Verstimmungen kam, lag an den Grünen, die sich zwar auch hinter den Antrag stellten. Jedoch warb Alexander Unrath emotional für einen Änderungsantrag, einen Schritt weiter zu gehen und konkret zu werden: Der Hindenburgring solle in Fritz-Bauer-Ring umbenannt werden. Der eine sei ein Wegbereiter des Faschismus gewesen, der andere stehe für das genaue Gegenteil. Hindenburg gehöre in die Geschichtsbücher, Bauer in den öffentlichen Raum.

Alle übrigen Parteien mahnten: Lieber ein starkes Symbol der Eintracht für Bauer, als (wieder) ein Fass um Hindenburg aufzumachen. Kreuder etwa bekannte, „persönlich große Sympathien“ für Unraths Vorschlag zu haben, sprach sich jedoch dafür aus, sich Zeit zu nehmen. In Darmstadt habe es zwar jüngst genau solch eine Umbenennung gegeben, die war aber das Produkt eines langen Prozesses. Eine Mehrheit für einen solchen Vorstoß sehe er in Bad Homburg derzeit nicht. Das sah Johnert ähnlich. „Ich stimme für den ursprünglichen Antrag, selbst wenn ich dafür von meiner Fraktion den Kopf gewaschen bekomme . . .“

Auch Peter Braun (PfB) sprach sich gegen eine Verknüpfung der beiden Themen aus. Herbold hatte zuvor kritisiert, dass die in der Kurstadt schon mehrfach geführte Hindenburg-Diskussion „das Anliegen in ein schlechtes Licht“ rücke. Und Wolf (CDU) witterte gar einen „Versuch der Spaltung“ seitens der Grünen.

Die Kritik wollte Unrath nicht so stehenlassen. Zwar halte man am später abgelehnten Änderungsantrag fest, werde aber anschließend natürlich für den SPD-Antrag stimmen, so dass im Beschlussprotokoll das einstimmige Votum pro Bauer steht.

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