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Großzügiger Mäzen: Werner Reimers.
Großzügiger Mäzen: Werner Reimers. © Werner Reimers Stiftung

Doppeljubiläum in Bad Homburg: Stifter Werner Reimers wäre dieses Jahr 125 Jahre alt geworden, seine Stiftung gibt es seit 50 Jahren.

Von Volker Trunk

Doppeljubiläum in Bad Homburg: Stifter Werner Reimers wäre dieses Jahr 125 Jahre alt geworden, seine Stiftung gibt es seit 50 Jahren.

Bei Jubiläen wie dem 125. Geburtstag von Werner Reimers in diesem Jahr hilft fast immer ein Blick zurück. 1988, da wäre der Stifter und Bad Homburger Unternehmer 100 Jahre alt geworden, hielt der Gießener Philosoph Odo Marquard einen bemerkenswerten Vortrag über „Stiftungen als Schrittmacher der Wissenschaft“. Ein „Erholungsheim für Wissenschaftler – wie man raunen hören konnte“ sei die Werner Reimers Stiftung (WRS) in der Kurstadt keineswegs, befand Marquard damals. Gerade weil sie eine so zauberhafte und anregende Tagungsstätte sei, werde wirklich gearbeitet – und zwar hart. Da erörtere nicht mehr eine Konstellation von gescheiten Personen ein Thema, sondern da entstehen „umgekehrt Themen durch eine Konstellation von gescheiten Personen“.

Treffender kann man kaum sagen, was Interdisziplinarität bedeutet – das Markenzeichen der Stiftung, die seit ihrer Gründung 1963 viele Wissenschaftler an den Wingertsberg zog. Denn die Einfälle, um noch einmal Marquard zu zitieren, kämen ja besonders gern dort, „wo man nicht denken muss, sondern denken darf“.

Diese Formulierung hätte dem Unternehmer, der am 3. August 1888 im japanischen Yokohama geboren wurde und 1965 in Freiburg starb, gewiss gut gefallen. Denn der Patriarch, der mit seiner Firma P.I.V. seit 1928 in Bad Homburg stufenlose Getriebe fertigte und damit Weltruhm erlangte, hatte, wie er 1911 seinem Tagebuch anvertraute, ein „gebildeter angesehener Kaufmann“ werden wollen. Für ihn, der ohne akademischen Abschluss blieb, bedeutete das, Kunst und Wissenschaft nach Kräften zu unterstützen. Bis zu 1,2 Millionen Mark steckte er pro Jahr aus den Erträgen der P.I.V. in seine Stiftung und für einige Jahrzehnte war sie eine der renommiertesten geisteswissenschaftlichen Forschungsstätten Deutschlands. Von hier waren unter anderem wesentliche Impulse zur Reform des Strafrechts in den 1960er Jahren ausgegangen.

Mit der Insolvenz der Firma P.I.V. 2001 lag die Stiftung einige Zeit brach. Seit 2006 gibt es nach der Kooperation mit der Frankfurter Universität und dem gemeinsam errichteten Forschungskolleg Humanwissenschaften auf dem Bad Homburger Gelände eine neue Zukunft. Nach Sanierung des Gästehauses begann hier 2009 die Arbeit mit exzellenten Forschern aus der ganzen Welt.

2013 wird nun gefeiert. Mit dem Doppeljubiläum – 125. Geburtstag Reimers, 50 Jahre Stiftung – will man laut WRS-Vorstand Wolfgang R. Assmann mit Ausstellungen, Vorträgen und wissenschaftlichen Tagungen nicht nur an den Stifter erinnern, sondern auch die Arbeit des Kollegs der Öffentlichkeit präsentieren. „Wissenschaft und Kultur im Rhein-Main-Gebiet sind harte Standortfaktoren“, betonte gestern auch Ruth Wagner bei der Vorstellung des Programms. Die frühere Wissenschaftsministerin ist heute Verwaltungsratsvorsitzende der WRS.

„Hier in diesem Hause sind die Samen gesät worden für wissenschaftliche Produkte, die bis heute sichtbar sind“, sagte Gisela Trommsdorff, stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende und Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Sozialwissenschaften. Die vielfältigen Verbindungen nach Japan – Reimers lebte bis 1922 in Japan – spiegeln sich im Programm wider. Er beschäftigte sich viele Jahre mit ostasiatischer Kultur, baute eine private Kunstsammlung auf. Ein Unternehmer als Sammler – auch das wird thematisiert.

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