Bad Homburg

Ex-Freundin mit GPS-Tracker überwacht

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Im Prozess um einen versuchten Mord lässt sich der Angeklagte ein. Er soll im Parkhaus des Bad Homburger Seedammbades auf seine Ex-Freundin gefeuert haben.

In einer Novembernacht 2019 feuerte Michael W. im Parkhaus des Bad Homburger Seedammbades ein ganzes Pistolenmagazin auf seine Ex-Freundin ab und verletzte sie lebensgefährlich. Die Vorgeschichte der Tat, die er in dem Prozess wegen versuchten Mordes am Montag vor dem Frankfurter Landgericht erzählt, beginnt wie eine von Rosamunde Pilcher und endet wie bei Stephen King.

Er habe „die Olga“ – W. bedenkt die Damen gerne mit Artikeln – Anfang 2010 auf einem Konzert kennen und lieben gelernt. Anfangs sei alles eitel Freude gewesen, man habe getanzt, gelacht und geurlaubt, aber als die Olga im September 2010 erfahren habe, dass seine Ex-Freundin, die Rosa, ein Kind von ihm erwarte, da sei sie etwas ausgeflippt. „Dabei bin ich nie fremdgegangen.“ Die Rosa habe sich doch bloß so sehr ein Kind von ihm gewünscht, dass er sich zu einer Samenspende habe überreden lassen. Das habe die Olga ihm nicht geglaubt.

Es ist nicht so recht klar, wann die Beziehung zwischen W. und der Olga in die Brüche ging. W. sagt, im Sommer 2013, aber nach seiner Erzählung bestand schon ab Ende 2010 kaum noch Kontakt. „Will sie mich testen?“, habe er sich gefragt. „Oder ist das nur Lieblosigkeit?“ Olga habe nicht geantwortet.

Stalking und Kontaktverbot

„Der Schmerz war groß“, erinnert sich W. „Ich habe versucht, den Fehler bei mir zu suchen“, aber keinen gefunden. Ebenso wenig wie Trost von Dritten. Sein Arzt habe ihm gesagt, er litte unter „ganz normalem Liebeskummer“ und solle sich nicht so anstellen. Sein Verhaltenstrainer habe „die Situation verniedlicht“. Seine Psychiaterin habe gelangweilt „Dreiecke gemalt“, während er von seinen Herzensnöten erzählt habe.

„Ich wollte doch nur wissen, was sie macht, was sie denkt, wie es ihr geht.“ Da seitens der Olga Funkstille herrschte, habe er 2015 heimlich einen GPS-Tracker an ihrem Auto angebracht, was für ihn als Informatiker kein Ding gewesen sei. Nur um zu wissen, wo sie so sei. Dass er sie danach immer wieder getroffen habe, sei „eher zufällig“ geschehen. Insofern habe es ihn richtig aus der Bahn geworfen, als die Olga ihn völlig grundlos wegen Stalkings angezeigt und ein Kontaktverbot erwirkt habe.

Als er sie dann noch mit ihrem neuen Freund Marcel H., „einem wesentlich jüngeren Mann“, wie der 60-Jährige indigniert feststellt, beim Bummel durch den Bad Homburger Kurpark habe beobachten müssen, habe er dessen Identität recherchiert und auch an dessen Auto einen GPS-Tracker angebracht.

Am Tattag habe er Besuch von einer Freundin, der Sabine, bekommen und mit der Sabine eine Flasche Wein und ohne die Sabine ein paar Antidepressiva geschluckt. Als sein Tracker-Alarm losgegangen sei und die beiden in der Taunus-Therme lokalisierte, habe er die Sabine rausgeschmissen und beschlossen, seinem Elend ein Ende zu setzen und sich vor den Augen der Olga, die ja der Quell all seiner Leiden sei, eine Kugel durch den Kopf zu schießen. Doch im Parkhaus, wo er den beiden aufgelauert und bei deren Erscheinen die Pistole zum Suizid gezogen habe, habe sich Marcel H., ein berüchtigter „Tai-Chi-Kämpfer“, auf ihn gestürzt und an der Waffe rumgezoppelt, die sich dann aus Versehen in Richtung der Olga entleert habe.

Eines muss man Michael W. zugestehen: Er hat Nerven. Der Prozess wird fortgesetzt.

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