Bad Homburg

Ehrerbietung für die thailändischen Könige

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Das Festival zieht Zehntausende in den Kurpark in Bad Homburg. Die Stadt kann sich rühmen, weltweit einzige Stadt außerhalb Thailands mit zwei Thai-Salas zu sein.

Lang lebe der König! Manche Menschen schreiben es ins blau eingebundene Glückwunschbuch, das vor dem Porträt des aktuellen Königs im Goldrahmen im „offiziellen“ Thailand-Werbezelt liegt. Viele denken es oder sprechen es leise vor sich hin, andere demonstrieren es offen. Jedenfalls vor dem Antlitz der alten Könige, die für die Freundschaft mit Bad Homburg verantwortlich sind. Der „siamesische Tempel“, wie er noch heute im Volksmund heißt, ist beim alljährlichen Jahrestreffen der internationalen Thai-Gemeinde erste Anlaufstelle für viele Thais.

Dem, nun ja, oft ein wenig exzentrisch auftretenden König Maha Vajiralongkorn Bodindradebayavarankun Rama X. gelten die geschuldeten Ehrbezeugungen, die das Protokoll verlangt. Mit Eröffnungs- und Huldigungszeremonie, mit Segensspruch und Königshymne. Maha Vajiralongkorn war noch nie in der Außenstelle Thailands für ein langes Wochenende, er fühlt sich wohler am Starnberger See. Die Liebe gilt seinen Vorgängern, fast greifbar waren sie im Taunus, als sie einst in der Kurstadt weilten. Die Namen von König Chulalongkorn und Nachfolger Bhumibol Adulyadej haben einen guten Klang. Mit den Bad Homburger Stadtvätern und der Kur haben sie etwas gezimmert, das mehr ist als nur geschäftliche Beziehungen.

Bad Homburg kann sich rühmen, weltweit einzige Stadt außerhalb Thailands mit zwei Thai-Salas zu sein. Als Dank für seine Genesung bei einer Kur hat König Chulalongkorn die Stadt 1907 mit dem bekannten Tempel beschenkt, dank der derzeitigen renommierten „Blickachsen“-Ausstellung im Kurpark wird er mal wieder weltweit medial verbreitet. Seinen 54. Geburtstag hat Chulalongkorn bei der Übergabe des Geschenks mit Volk und Freibier für alle gefeiert.

Als der beliebte König Bhumipol 1960 mit Königin Sirikit vorbeischaute, standen die Menschen an der Straße und winkten. 100 Jahre nach dem ersten Tempel wurde ein zweiter im unteren Teil des Kurparks errichtet.

Alles nur Geschichte, beim Festival „Amazing Thailand“ interessiert das von weit angereiste Volk vor allem das pralle thailändische Marktleben. Die Brunnenallee ist schon vor dem Abspielen von National- und Königshymne zur wuseligen Marktstraße mit über 50 Ständen geworden. Optisch, akustisch und geprägt von den Gerüchen der typisch thailändischen Küche, in der auch die Stinkfrucht nicht fehlt. Nirgendwo sonst in der Fremde gibt es an einem Wochenende so viel geballte Heimat für die sonst verstreut lebenden Thais, der Kurpark ein Fixpunkt auf der Deutschlandkarte, der Termin eine feste Wegmarke im Jahreslauf.

An den Verkaufsständen in der Allee geht es vor allem ums Essen und die Geschäfte mit Kunst und Kleidung, Schmuck und Nippes. Und um spezielle thailändische Massage- und Heilmethoden. Das eigentliche Begegnungsfest findet hinter den wulstigen Linien der Versorgungsleitungen der Stände statt. Im großen Lager auf den Wiesen unter Schatten spendenden Bäumen am Rand des Golfplatzes und bei den salzigen Heilquellen zwischen Spielbank und Orangerie. Auf dem Podium des Kurpavillons thailändische Volksmusik, Blumentanz und klassischer Tanz, Kampfkunst und volkstümliche Darbietungen bis in den Abend.

Den geliebten Königen huldigen die Königstreuen abseits des Trubels. In ihre meist stille Andacht mit Räucherstäbchen und Blumengaben dringt nur das Plopp der Bälle vom benachbarten Tennisplatz. Barfuß knien die Menschen vor dem Antlitz von Chulalongkorn und Bhumibol und legen gut gemeinte Opfergaben ab. Und schicken danach ein Selfie mit König in die weit verstreute Thai-Welt.

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