Das Bildnis vom Denkmal in Kurpark ziert das Titelbild des 68. Heftes der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde. 
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Das Bildnis vom Denkmal in Kurpark ziert das Titelbild des 68. Heftes der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde. 

Bad Homburg

Auf digitalen Wegen zu Hölderlin in Bad Homburg

  • vonJürgen Streicher
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Die Kurstadt Bad Homburg feiert den prominenten temporären Bewohner zu seinem 250. Geburtstag - mit Ausstellungen und digital.

Die Zeiten sind nicht schlecht in „Deutschlands schönster Stadt“, wie der Oberbürgermeister bei jeder Gelegenheit zu sagen pflegt. Es ist Geld in der Kasse für ein üppiges Geschenk zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin.

Der Namensgeber des jährlich in Bad Homburg vergebenen Literaturpreises wird auf verschiedene Art geehrt, nebst Preisverleihung mit Ausstellungen an prominenten Orten, und auch in die digitale Welt wird der Lyriker mit dem ausgeprägten Naturgefühl aufgenommen. Für das Geburtstagskind dürfen 230 000 Euro ausgegeben werden, ein gepixeltes Bild des Meisters der wunderbaren Sprachbilder ziert das Deckblatt des städtischen Haushaltsplanes.

Friedrich Hölderlin Superstar! Kein Sohn der Stadt, aber einer ihrer prominentesten temporären Bewohner. Ganz klar, „Hölderlin gehört nicht nur den Württembergern“, wie es Barbara Dölemeyer ausdrückt, Frontfrau des Vereins für Geschichte und Landeskunde und Expertin, wenn es um die Homburger Geschichte geht. Hölderlin gehört auch den Homburgern, schließlich hat er wichtige Zeit hier verbracht. Den Roman „Hyperion“ hat er hier vollendet, an der Tragödie „Empedokles“ hat er im Umfeld des Schlosses gearbeitet. Von 1798 bis 1800 weilte Hölderlin in Homburg, von 1804 bis 1806 noch einmal fast zwei Jahre, die einen Wendepunkt markierten. Ärzte erklärten den Dichterfürsten für geisteskrank und schickten ihn zur Behandlung nach Tübingen, wo er die zweite Hälfte seines Lebens abgeschottet von der Umwelt in einem Turm verbrachte.

Auch die Detailaufnahme der Hölderlin-Handschrift ist Teil der Sammlung in Bad Homburg.

Bad Homburg will die lebendige Seite des Mannes aus Lauffen am Neckar zeigen. Nicht nur einmal im Jahr bei der Verleihung des Literaturpreises, sondern in mannigfachen Facetten. Ein bisschen das Bild bestätigen, das sich die Menschen von Hölderlin, seinem Werk und seinem Gesundheitszustand stets gemacht haben, aber auch andere Seiten aufzeigen. Die Villa Wertheimber wird ein Hölderlin-Kabinett einrichten, das Gotische Haus ab Mitte Februar eine Ausstellung zu Ehren des Dichters zeigen, die von zahlreichen Veranstaltungen begleitet wird. Das Museum verfügt über die einzige öffentliche Sammlung an Münzen- und Medaillenprägungen auf Friedrich Hölderlin, Dölemeyer spricht gar von einer „weltweit einzigartigen Sammlung“.

Einen „Zugang zu dem doch schwer verständlichen Hölderlin“ soll eine Ausstellung in der Englischen Kirche über Leben und Werk eines der berühmtesten Bad Homburger auf Zeit eröffnen. „Wohl geh ich täglich andere Pfade“ lautet der Titel, der Zugang zur hohen Kunst ohne Schranken auf Hölderlins Pfaden durch die Welt ist ab Mitte Mai eintrittsfrei. Zum Einlesen auf sein Werk lädt das 68. Heft der Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde. Durchgehendes Thema? Natürlich „Hölderlin in Homburg“. Die Titelseite ziert das Bildnis vom Denkmal in Kurpark, daneben eine Originalunterschrift von 1804. Entnommen ist sie einer unterzeichneten „Gehaltsquittung“ des Bibliothekars Hölderlin im Homburger Schloss.

Und wie bringt man den fragilen Lyriker dem gemeinen Volk näher? Ganz einfach, man produziert die inzwischen preisgekrönte App „Bad Homburg GO“, die nun weiterentwickelt wird, um zu Stationen des Dichters zu führen. Denn authentische Orte hat Bad Homburg viele zu bieten, vom Sinclair-Haus über Kurpark und Schloss bis hin zum Feldberg, wo der Dichter wundersame Erlebnisse bei einer Wanderung hatte, die er später in ebenso wundersame Worte fasste, als er auf dem heutigen Hölderlinpfad gen Frankfurt spazierte.

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