1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Der große Wurf bleibt vorerst aus

Erstellt:

Kommentare

Die Kreuzung Hessenring/Hindenburgring/Urseler Straße ist einer der neuralgischen Punkte für den innerstädtischen und den Durchgangsverkehr. Priedemuth
Die Kreuzung Hessenring/Hindenburgring/Urseler Straße ist einer der neuralgischen Punkte für den innerstädtischen und den Durchgangsverkehr. Priedemuth © hko

Öffentliche „Präsentation des Mobilitätskonzepts“ bringt mehr Fragen als Antworten

Bad Homburg - Die Einladung ließ Großes erwarten: „Stadt präsentiert das Mobilitätskonzept 2035+“ hieß es in der Mitteilung, die die Bürgerschaft am Dienstag ins Kurhaus locken sollte. Das Konzept sollte der „Öffentlichkeit im Rahmen einer zweistündigen Informationsveranstaltung ( . . .) präsentiert und zur Diskussion gestellt“ werden. Die Erwartungen erfüllten sich nicht, etliche der rund 50 Zuhörer verließen das Plenum vorzeitig. Doch der Reihe nach: Nach einer Präsentation zu den vergangenen Runden der Bürgerbeteiligung („die aktivsten Akteure haben meist eine bestimmte Zielausrichtung“) und zur Methodik der Auswertung ging es an das, was ein Konzept ausmacht. Die Zuhörer erfuhren: 63 Maßnahmen wurden vorgeschlagen - 22 betreffen den Radverkehr, je acht die Bereiche „Parken & Stadtraum“ und „Mobilitätsmanagement & Pendeln. Sieben beschäftigten sich mit „Sharing, Neuer Mobilität und E-Mobilität“, je sechs mit Fußgängern, dem Autoverkehr und dem ÖPNV.

Welche Maßnahmen das sein könnten? Das wurde nicht verraten. Stattdessen erklärte Henrick Sander vom Hamburger Unternehmen Orangeedge mit seinem Kollegen Dirk Linder von SSP-Consult, dass jede mögliche Maßnahme unter anderem auf Kosten, Umsetzungsrahmen und Wirksamkeit geprüft wurde. Zwar lobte Linder das breite Spektrum an Vorschlägen, dennoch folgte die Erkenntnis: Vieles bringe gar nicht so viel - zumindest in Sachen Klima-Verträglichkeit. Nur das habe man durchgerechnet. Dass der Wechsel bei kurzen Fahrten vom Auto aufs Rad gemessen am Gesamtverkehr nur wenig Kohlenstoffdioxid einspare, sorgte im Publikum für erstes Murren. Abgeleitet wurden zehn „Schlüsselmaßnahmen“. Einige sind bekannt: Die Optimierung von Süd- und Ostring etwa oder die probeweise Wegnahme eines Fahrstreifens für Autofahrer auf dem Hessenring. Vergleichsweise neu: die Verbesserung der Querungsmöglichkeiten am Hessenring für Fußgänger oder eine Mitfahrplattform fürs Gewerbegebiet Mitte.

Es blieb Raum für Diskussion und Fragen. Und die hatten die Bürger zuhauf, unter anderem: Wann gibt’s jetzt das versprochene Konzept? Das, so betonten die Vortragenden, sei kompliziert. Man versuche mit dem Mobilitätskonzept „auf allen Ebenen einzusteigen“, es seien „viele kleine Schritte auf dem Weg“ zu gehen. Die Kritik aus der Bürgerschaft war deutlich. Es fehle an konkreten Vorschlägen. Wie weit Erwartungshaltung und Angebot auseinanderlagen, zeigte sich unter anderem an der Parkraumbewirtschaftung. Die prinzipielle Entscheidung darüber sei, so Sander, wichtig, wenn es darum gehe, den öffentlichen Raum (neu) zu verteilen. Denn der sei nun mal begrenzt. Und was man dann konkret rate? Das, so Sander, müsse eine später auszuarbeitende Neuauflage des Parkraumnutzungskonzepts zeigen (eine der zehn Schlüsselmaßnahmen). Nach dem Konzept ist also vor dem Konzept.

Der Hinweis, dass es derzeit vor allem darum gehe, Abhängigkeiten herauszustellen und die Verwaltung zu sensibilisieren, verfing nicht. „Bisher haben wir nur Geschwafel gehört“, kritisierte eine Bürgerin, eine andere forderte: „Stadtplaner müssen Visionen entwickeln. Klar, die werden nicht allen gefallen, aber wir wissen doch, dass es unterschiedliche Interessen gibt.“ Sander konterte: „Einen platten Slogan haben wir nicht, den könnten wir auch gar nicht umsetzen.“

Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), sichtlich verärgert, bemühte sich um Deeskalation. Man habe viele gute Anregungen bekommen, „wir nehmen das auf, arbeiten es ein und werden die Veranstaltung noch einmal machen.“ Der Entwurf des Gesamtkonzepts habe 136 Seiten, man werde sich Gedanken machen, wie sich die Inhalte zusammenfassen lassen. Sander hatte sich zuvor erstaunt gezeigt, dass der Vorentwurf selbst in den Gruppen, an die er vorab weitergeleitet worden war, nicht breiter gestreut wurde. Er schätzt, dass man die Impulse aus der Veranstaltung bis Ende des Jahres aufgegriffen haben werde.

Bis das Mobilitätskonzept in die Gremien geht, wird also noch einige Zeit vergehen.

Auch interessant

Kommentare