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Nur noch wenige Menschen spazieren unter der Woche auf der Brunnenallee.

Rhein-Main

Coronavirus bedrängt Kulturbetrieb in Oberursel, Bad Homburg und Hofheim

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Die Kurstadt Bad Homburg sagt unter anderem den „Bad Homburger Sommer“ ab. Hofheim plant vorerst weiter mit „KreisStadtSommer“.

Klein-Wimbledon im Kurpark war schon abgesagt, da folgte Anfang der Woche auch das Aus für den beliebten „Bad Homburger Sommer“. Kurdirektor Holger Reuter musste die schlechte Botschaft verkünden. Der Krisenstab der Stadt war nach „ausführlichen Beratungen“ zu dem Schluss gekommen, das dreiwöchige Sommer-Kultur-Spektakel mit vielen geplanten Highlights schon jetzt endgültig abzusagen. Auch das große „Thai-Festival“ im August, das stets Zehntausende in den Kurpark mit den zwei Thai-Salas zieht, fällt aus. Für beide Top-Veranstaltungen ist es das erste Mal in ihrer Geschichte. „Alles andere wäre in diesen Zeiten unverantwortlich“, so der Kurdirektor.

Zum 35. Homburger Sommer wollten die Kulturmacher kräftig auftischen, wie immer mit Theater, viel Musik, Show, Tanz und zig kleinen Veranstaltungen an den schönsten Orten der Stadt. Alles „live, umsonst und draußen“, so das Motto, allem voran die „Klassiknacht in Weiß“ im baumbestandenen Kurpark zwischen Kaiser-Wilhelms-Bad und Spielbank mit Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie samt „Ode an die Freude“ und zum Abschluss mit Johann- Strauß-Orchester und Feuerwerk mit fliegenden Götterfunken über dem Park. Die Freude sollen sich die Homburger und ihre Gäste aufsparen, „vieles von dem, was in diesem Jahr geplant war, soll 2021 stattfinden, verspricht der Kurdirektor. Mit den Künstlern und Dienstleistern bestünden „sehr partnerschaftliche Verbindungen“.

Sommer ohne Kultur

Der „Bad Homburger Sommer“ , geplant vom 3. bis 25. Juli, fällt im 35. Jahr erstmals komplett aus. www.bad-homburg.de

Der „Orscheler Sommer“ vom 20. Juni bis Anfang September hofft noch auf ein improvisiertes Freispiel mit Veranstaltungen etwa im späten Sommer. www.kunstgriff-oberursel.de

Der „KreisStadtSommer“ in Hofheim schwebt zwischen Hoffnung und Absage. Die Entscheidung fällt nach Ostern, Eröffnung soll am 26. Juni sein. www.hofheim.de jüs

„Wir hoffen, aber wir können wenig versprechen“. Ein klares Nein muss Dirk Müller-Kästner in Oberursel (noch) nicht formulieren. „Wir wollen unbedingt, wir können auch spontan, aber wir werden nichts machen, was nicht durch ein ‚Go‘ von oben freigegeben ist.“ Das ist der Vorteil des „Orscheler Sommer“, er kann zur Not auch mit Einzelveranstaltungen daher kommen, als geplantes improvisiertes Freispiel sozusagen. Müller-Kästner, als Vorsitzender des veranstaltenden Vereins „Kunstgriff“ verantwortlich für das geschätzte Programm, ist mit seinen Gefolgsleuten und den Partnern aus vielen Vereinen und Institutionen offen für jede Variante. Besser ein „Sommer“ mit kleinem Programm und spontanen Events als mit gar keinen.

Beim Oberurseler Kunstgriff steckt kein 250 000-Euro-Etat wie in Bad Homburg hinter dem Projekt, weniger teure Verträge mit Künstlern, die Logistik wäre zumindest bei einigen geplanten Veranstaltungen auch spontan zu bewältigen. Wäre halt im Einzelfall zu klären, welche Vorgaben einzuhalten sind, sollte es zu einer Lockerung des derzeit angesagten „Social Distancing“ kommen. „Wir sind dabei, das Programm zu entwerfen, wir verfolgen das, aber wenn’s nicht geht, dann geht’s eben nicht“, so Müller-Kästner. Nahezu ohne Genehmigung könnte indes der Kunstgriff das traditionelle Pre-Opening am Tag vor dem geplanten Fischerstechen zur Eröffnung des „Orscheler Sommer“ inszenieren. Beim Stelzenlauf durch die Innenstadt zum Verteilen der Programme könnten die Akteure leicht in doppelter Hinsicht Abstand halten. Zwei Meter in der Höhe und zwei Meter in der Tiefe – natürlich mit Mundschutz zum bunten Kostüm.

„Erst mal weiter planen“, lautet die Devise im Fachbereich Stadtkultur Rathaus Hofheim. Das sagt Iris Bernardelli vom Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit Blick auf den „KreisStadtSommer“. Mit einer eventuell erforderlichen Absage des alljährlichen Festes wolle man „so lange wie möglich warten“. Zentraler Mittelpunkt ist das Eröffnungsfest, geplant für das Wochenende vom 26. bis 28. Juni mit verkaufsoffenem Sonntag in der City, zu dem in guten Jahren bis zu 40 000 Menschen in der Kreisstadt erwartet werden. Darum geht es bei der Planung hauptsächlich, es ist das Herz der Sommerreihe. Dafür sind die meisten Verträge geschlossen, mit Künstlern, Firmen, Schaustellern, Marktbeschickern. „Das kann man nicht in den Herbst verlegen“, so Bernardelli. Muss abgesagt werden, müsse „Plan B aus der Schublade“ zur Wirkung kommen. Wie er aussieht, weiß noch keiner.

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