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Welche Rolle spielt der Verkehr für die Luft-Qualität? Die Messung will es herausfinden.

Bad Homburg Luftmessungen

Wie gut ist die Champagnerluft?

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Die Kurstadt Bad Homburg ist berühmt für ihre Luft. Doch ist sie wirklich so gut? Kann die Stadt das Prädikat Heilbad halten? Wissenschaftler messen derzeit die Luftqualität. Erste Ergebnisse geben noch keine Aufschlüsse.

Bad Homburg und seine Champagnerluft. Gesund ist sie, das steht außer Frage. Doch von welcher Qualität ist sie, gerade für Kurgäste? Handelt es sich um hochwertige Luft vom besten Champagner? Oder doch nur um jenen aus dem Discounter? Die Grenzwerte der Belastung der Luft durch Stickstoffdioxid und Staub werden in der Stadt immer mal wieder überschritten, so dass mittlerweile die Einstufung als Heilbad der höchsten Kategorie in Frage gestellt wird. Messungen von Experten sollen bis Jahresende Aufschluss geben.

2009 schreckten die Verantwortlichen bei der Stadt das erste Mal auf. In dem Jahr stand die turnusgemäße Prädikatisierung, wie es offiziell heißt, als Heilbad an. Doch die Werte verhießen nichts gutes. Sie waren grenzwertig und gerade noch tolerierbar. 2011 und 2013 folgten an der stationären Messanlage im Kurpark weitere Untersuchungen, die eine Überschreitung der Stickstoffdioxid-Grenze ergaben. Damit würde Bad Homburg das Prädikat verlieren.

Nun sind seit Februar Wissenschaftler aus dem nordrhein-westfälischen Jülich damit beschäftigt, die Ursachen dieser hohen Konzentration an Schadstoffen zu erforschen. Zum Einsatz kommen dabei zwei fahrbare Labore. Das eine ist dauerhaft auf dem Gelände der Stadtgärtnerei im Kurpark stationiert, das andere ist unterwegs und soll auch abseits des Kurbezirks messen.

Am gestrigen Mittwoch haben sich Oberbürgermeister Michael Korwisi (Grüne) und Vertreter des Forschungszentrums aus Jülich vor Ort getroffen, um über erste Messergebnisse zu sprechen. Doch ein Fazit steht aus. Zwar wurden bereits Daten erhoben, untersucht und analysiert. Doch noch sei es zu früh, um wirklich stichhaltige Aussagen zu machen, so Andreas Wahner, der Leiter des Zentrums.

Mobiles Labor im Einsatz

Was er sagen kann: „Die wesentliche Ursache für die Schadstoffbelastung der Luft in Bad Homburg ist der Straßenverkehr.“ Doch mit dieser Aussage allein ist es nicht getan. Wahner und sein Team wollen überprüfen, ob diese Belastung eher hausgemacht ist, also auf den Straßen der Stadt entsteht, oder von außen hereingebracht wird. Immerhin verlaufen zwei Autobahnen in unmittelbarer Nähe, und Bad Homburg liegt zudem im Ballungsgebiet der Rhein-Main-Region.

Dieser Aspekt soll durch das mobile Labor berücksichtigt werden, das an den Randbereichen der Stadt im Einsatz ist. Auch werden durch dieses Fahrzeug Messungen auf kurzfristig gesperrten Straßen im Stadtgebiet vorgenommen. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

Neben dem Verkehr sind es aber auch weitere Parameter, die eine Rolle spielen. Das Wetter gehört ebenso dazu wie der so genannte Hausbrand, also offene Kamine und Heizungen, und Diesel-Fahrzeuge ohne Rußfilter.

Ein komplexes Thema also. Noch bis Ende Juli wird gemessen. Danach folgt die Auswertung, die – so die Hoffnung aller Beteiligter – bis Jahresende vorliegt. Dann, sagt OB Michael Korwisi, könne man sich Gedanken über Konsequenzen machen.

Denn auch wenn der Name „Bad“ nicht in Gefahr ist: Es geht um finanzielle Zuwendungen, die Zuweisung von Kurgästen und natürlich auch das Image der Stadt. „Wer in einen Kurort kommt, darf auch beste Luftqualität erwarten“, so der Oberbürgermeister. „Erst Recht, wenn es sich um Champagnerluft handelt.“

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