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In der Spielbank Bad Homburg gelang einem 28-Jährigen ein dreister Diebstahl.

Justiz

Casino Royale in Bad Homburg: Irrer Diebstahl in der Spielbank

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Ein Prozess um einen Spielbank-Diebstahl in Bad Homburg zeigt, dass man auch ohne Glück Spaß haben kann.

  • Die Spielbank Bad Homburg kommt wegen eines besonderen Verbrechens in die Schlagzeilen
  • Die Diebstahl-Geschichte ist nahezu filmreif
  • Fast zwei Millionen Euro erbeutet der dreiste Dieb

Bad Homburg - Das Irre an der Geschichte von Deniz A., der seit Donnerstag wegen Diebstahls und Unterschlagung vor dem Frankfurter Landgericht steht, ist nicht, dass der 28-Jährige als Assistent der kaufmännischen Leitung der Bad Homburger Spielbank seinen Arbeitgeber um mehr als anderthalb Millionen Euro erleichtert hat.

Irrer Diebstahl in der Spielbank Bad Homburg: Von der Servicekraft zum Chef-Assistent

Das Irre ist, dass Deniz A., der seit seinem Realschulabschluss spielsüchtig ist, von seinem Vater und seinem Bruder, die beide im Homburger Casino arbeiten, ausgerechnet dort Ende 2017 einen Job vermittelt bekam. Und natürlich, dass der junge Mann, der zuvor nach eigenen Angaben lediglich kurz als „Servicekraft im Bowling-Center“ reüssiert hatte, binnen weniger Wochen vom Kellner zum Assistenten der kaufmännischen Leitung aufsteigt, weil einem der Leiter auffällt, dass A. „bei der Getränkebuchung relativ fix“ ist.

Ein bisschen irre ist, dass A. in den Folgewochen Devisen im Wert von knapp 300 000 Euro, die auswärtige Pechvögel verzockt hatten, nicht wie versprochen zur Volksbank, sondern zur Reisebank nach Frankfurt trägt, wo er sie in Euro tauscht, die er anschließend in der Wiesbadener Spielbank verjuckt. 

Spielbank Bad Homburg: Geschäftsführung schöpfen nach irrem Diebstahl zuerst keinen Verdacht

Total irre aber ist, dass seine Chefs, denen der Einnahmeverlust immerhin nicht entgangen ist, sich mit müden Ausreden wie Computerchaos bei der Volksbank abspeisen lassen und auch keinen Verdacht schöpfen, als ihr Angestellter A. durch Facebook geistert, weil er ein 50 000-Euro-Jackpöttchen in Wiesbaden geknackt hat.

Relativ normal ist, dass die Chefs irgendwann doch Lunte riechen und A. anzeigen. Und jetzt wird es schon wieder irre.

Irrer Diebstahl in der Spielbank Bad Homburg: Porsche und Rolex gekauft

Denn ohne irgendwelche Konsequenzen aus ihrer eigenen Anzeige zu ziehen, die behördlich vor sich hindümpelt, lassen seine Chefs A. weiterarbeiten und in den Folgemonaten etwa anderthalb Millionen Euro aus dem Spielbanksafe stibitzen. Die muss A. nicht einmal mehr umtauschen. Einen Teil nutzt er dazu, mit Porsche und Rolex seine Not zu lindern, den Rest verspielt der Spielsüchtige in Wiesbaden. Im Mai 2019 wird er dann aber irgendwie doch noch verhaftet – Pech im Spiel.

Deniz A. ist geständig, die Kammer hatte zuvor nach einem Rechtsgespräch durchblicken lassen, dass sie dies mit einer Freiheitsstrafe zwischen zwei Jahren und zehn Monaten und drei Jahren und zehn Monaten belohnen könne. Der Prozess wird fortgesetzt. Er wird aber wohl keine Antwort auf die interessante Frage bringen, was nun eigentlich verwerflicher ist: das Bestehlen einer Spielbank oder die Gründung einer solchen?

Von Stefan Behr

Was früher noch in fast jedem Ort vorzufinden war, ist heute fast ausgestorben. Die Rede ist von Spielautomaten, Spielhallen und Glücksspielbetreibern. Denn auch diese Branche ist im Wandel.

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