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Biker-Protest gegen Sperrungen für Motorradfahrer im Hochtaunus

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Vom Donner gerührt sind Biker und Anwohnende.
Vom Donner gerührt sind Biker und Anwohnende. © dpa

Mehr als 800 Biker demonstrieren im Hochtaunus am Sandplacken gegen Streckensperrungen. Teilweise reisen die Biker hunderte Kilometer nach Bad Homburg.

Bad Homburg – Für Motorradfahrer ist ihr Gefährt ohne Frage der Inbegriff von Freiheit. So war es gewiss kein Zufall, dass die Bikerhymne „Born to be wild“ aus dem Kinofilm „Easy Rider“ gleich mehrmals aus den Lautsprechern am Sandplacken erklang. So lange, bis der in Bad Homburg gestartete Korso zur Kundgebung gegen die in den Augen der Biker maximale Einschränkung dieser Freiheit – eine Sperrung des Feldbergs für Motorräder – auf dem Sandplacken eingetroffen war. Mitglieder eines Clubs aus Ostbayern waren bereits um 5 Uhr in den Taunus aufgebrochen. Andere kamen aus Köln oder dem Ruhrgebiet.

Sie und Hunderte andere Biker hatten sich am Samstag auf den Weg gemacht, um gegen den geplanten zweiten Verkehrsversuch der Kreisverwaltung zu protestieren, der noch bis Oktober an jedem zweiten Wochenende im Monat temporäre Sperrungen im Feldberggebiet für Motorräder vorsieht. Das offizielle Ziel der Maßnahme: die Messung des Verkehrsaufkommens und des Lärmpegels sowie eine Analyse, ob die intensive Nutzung von Motorrädern das Unfallgeschehen erhöht.

Hunderte Biker demonstrieren im Hochtaunus gegen Streckensperrungen

Doch wie viele waren es eigentlich genau, die im Korso durch den Taunus zogen? Bei dieser Frage wurden sich Organisatoren und Ordnungshüter nicht ganz einig: Die Initiatoren sprachen von 2000 Motorradfahrern. Die Polizei indes kann diese Zahl nicht bestätigen. „Wir haben bei der Abfahrt des Korsos in Bad Homburg exakt 882 Motorradfahrer gezählt“, sagte der Leiter des Regionalen Verkehrsdiensts der Polizeidirektion Bad Homburg, Oliver Link.

So oder so: Der in Bad Homburg lebende Mitorganisator Rainald Mohr vom Bundesverband der Motorradfahrer ist froh über jeden einzelnen Protestler. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wie viele Motorradfreunde sich heute auf den Weg gemacht haben.“ Im Namen der Freiheit. Der Begriff wird an diesem Samstag noch oft fallen – von Motorradfahrern sowie Politkern von FDP, Freien Wählern und AfD. Bei der Kundgebung am Sandplacken jedenfalls sprachen die anwesenden Politiker häufig davon. Die Biker würden in ihren Freiheitsrechten beschnitten, heißt es allenthalben.

Sperrung am Feldberg für Motorradfahrer sei für Biker unverhältnismäßig

Befürworter der Maßnahme, etwa die Kreiskoalition, argumentieren dagegen, dass die Unfallgefahr, das Verkehrsaufkommen und das Risiko von Tempoüberschreitungen und Lärmbelästigung derzeit erhöht seien.

Lärm, kritisieren die Gegner, verursachten aber auch Sportwagen, die jedoch nicht von der Sperrung betroffen seien. „Mit einer Sperrung des Feldbergs nur für Motorradfahrer würden Biker in Sippenhaft genommen“, meint etwa Initiator Mohr.

Die Maßnahme sei zudem nicht verhältnismäßig, da sie wegen einiger manipulierter Motorräder die große Mehrheit treffe, die mit legalen Maschinen unterwegs sei. „Es stört mich, dass es bei der aktuellen Diskussion nur um Motorradlärm geht“, sagte etwa der ebenfalls motorradfahrende Kreistagsvorsitzende Renzo Sechi (Freie Wähler). „Es müssen Lärmmessungen bei allen Fahrzeugen erfolgen.“ Von den Protestlern auf dem Sandplacken heißt es, die CDU habe stattdessen komplett die Argumentation und Formulierung der „Motorradhasser der Feldberg-Initiative“ aufgegriffen. Das sei Klientelpolitik.

Biker demonstrieren gegen Sperrung: Taunus und Feldberg sind für alle Verkehrsteilnehmer da

Und gesprächsbereit seien die Befürworter auch nicht. „Wir haben alle im Kreistag vertretenen Fraktionen eingeladen“, sagte Organisator Johannes Lösch vom Verein FDP-Biker bei seiner Begrüßung. Die Einladung angenommen hätten aber nur Politiker der FDP, der Freien Wähler und der AfD.

Scharf kritisierte er Landrat Ulrich Krebs (CDU). „Die Analysedaten der ersten sogenannten Lärmpausen vor drei Jahren waren nicht gerichtsfest“, sagte Lösch. „Deshalb müssen in diesem Jahr erneut Daten erhoben und ein zweites Mal Steuergelder in Höhe von 35 000 Euro ausgegeben werden.“ Landrat Krebs sei zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des mit der Studie beauftragten Instituts für Verkehrsmanagement (IVM), was Fragen nach der Unabhängigkeit der Ergebnisse aufwerfe, so Lösch. Als dieser zu einem generellen Rundumschlag auf die nicht anwesenden Kreistagsfraktionen ansetzte, wurde er von seinem Parteikollegen Stefan Naas gebremst. „Es geht heute um den Taunus, es geht um den Feldberg – beide sind für alle Verkehrsteilnehmer da.“

Bad Homburg: Sperrung ein „guter Kompromiss“?

Die Kreiskoalition wehrte sich in der Vergangenheit bereits gegen die Kritik. Beim Maßnahmenkatalog sei sehr wohl eng mit den Anrainerkommunen Oberursel, Kronberg, Königstein, Glashütten und Schmitten zusammengearbeitet worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Koalitionäre. Zudem habe man sowohl Hessen-Mobil als auch die Polizei einbezogen, die keine Einwände erhoben hätten. Der ADAC und die Interessenverbände der Motorradfahrer seien ebenfalls am Konzept beteiligt und die Einwände berücksichtigt worden, betont die Koalition. Verkehrsdezernent und Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr (CDU) sprach unlängst von einem „guten Kompromiss“, der allen gerecht werde. (Matthias Pieren)

Bereits im Vorfeld der Sperrung am Feldberg protestierten Motorradfahrer der Biker-Union.

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