Bad Homburg

Benzingespräche in Champagnerluft in Bad Homburg

Bei der „Rallye Historic“ vergnügen sich 200 entspannte Autofahrer in schicken Oldtimern in Bad Homburg.

Auf die 70 geht er zu, kommt aber immer noch flott daher. Silbergrau, aber mit schönen Rundungen, einfach lässig und gut gepflegt. Und wehe, wenn er losgelassen, der kleine Porsche mit dem seltsamen Nummernschild, das auf die Britische Besatzungszone Niedersachsen hinweist. Dann braucht Daniel Schwaabe viel Gefühl im Fuß, um den 1952er aus Zuffenhausen gleichermaßen zu zähmen und loszulassen. Ganz gelassen natürlich, denn die „Rallye Bad Homburg Historic“ mit fast 100 Startern ist kein Rennen im klassischen Sinne. Bei der Fahrt über etwas mehr als 200 Kilometer durch den Taunus und das Umland geht es nicht um Tempo, im Vordergrund stehen präzises Fahren und Geschicklichkeit im Umgang mit den alten Fahrzeugen.

Gefahren wird immer im Team, für das Verstehen des umfangreichen, auf den ersten Blick kompliziert zu entziffern erscheinenden „Roadbooks“ brauchen Fahrerin oder Fahrer einen versierten Partner. Bei Daniel Schwaabe ist das Toni Iannaccone. Der Mann aus Italien ist der Denker, der Kurstädter am Steuer ist der Lenker. Erst kurz vor dem Rennen werden die Roadbooks verteilt, viel Zeit zum Einarbeiten und zur Vorbereitung bleibt nicht. Der Denker muss die so genannten „Chinesenzeichen“ und Kartenskizzen verstehen, um die Wegstrecke zu ermitteln und korrekt an den Fahrer zu vermitteln, Lenker Schwaabe hat eine Stoppuhr am Lenkrad fixiert, um bei Sonderprüfungen seine Fahrzeit zu kontrollieren. Auch da geht es nicht um Tempo, die meisten Wertungspunkte bekommt bei dieser Übung das Team, das auf einer kurzen definierten Strecke perfekt ein konstantes Tempo halten kann.

Beim Frühstück im Fahrerlager vor der Orangerie im Kurpark ist die Stimmung unaufgeregt. In der Kurstadt wird die Rallye Historic in feinem Ambiente gestartet, die tollen Schlitten vom VW Käfer bis zum BMW 503 Cabrio aus dem Jahr 1959, von dem nur 151 Modelle gebaut wurden, sind in der Brunnenallee zwischen Spielbank und Kurpavillon aufgereiht. Bei fast allen liegt ein Stück Pappe unter dem Motor, damit kein Tropfen Öl den gepflegten Kiesweg mit dem gepflasterten Mittelstreifen verschmutzen möge. Gestartet wird am Sonntagmorgen ab 9 Uhr pünktlich im Minutentakt.

Hektik, Adrenalin, Kampfstimmung – wie heute auf jeder Autobahn? Davon ist im historischen Park nichts zu spüren. Hier und da röhren und blubbern die Motoren der Oldies, die Glocken der Erlöserkirche sind trotzdem noch zu hören. Über den Schadstoffausstoß mancher Modelle wird hier nicht geredet, die Benzingespräche drehen sich um Details, die Autoliebhaber interessieren. Es stinkt nicht, es duftet, der Sound der Motoren ist Musik in den Ohren derer, die sich zur gemeinsamen gechillten Ausfahrt treffen. Und in denen der Autofans, die sich bei solchen Veranstaltungen am Startplatz tummeln, um einen Blick auf die schönen Fahrzeuge zu erhaschen. Champagnerluft durchmischt mit Benzinduft unter Blickachsen-Kunst, Oldtimer-Connaisseure kommen voll auf ihre Kosten.

Der silbergraue Porsche mit den schönen Rundungen und der Startnummer 74 kommt wie geplant exakt um 10.13 Uhr gut aus den Startlöchern. Jetzt mit korrektem Nummernschild, das eine Polizeistreife beim Kontrollgang durch die Brunnenallee freundlich angemahnt hat. Ob Daniel Schwaabe und Toni Iannaccone schon bei ihrer Premiere als Duo ein gutes Team abgeben, wird sich am Nachmittag bei der Zieleinfahrt auf dem „Sonnenhof“ im benachbarten Oberursel weisen.

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