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Beim Hochwasserschutz sind alle gefordert

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Bad Homburg Stadt kann bei Starkregen nicht allein für Sicherheit sorgen

Dramatische Szenen flimmerten am Freitagabend über die Leinwand in der Erlenbachhalle. Sie zeigten, was passieren kann, wenn die brachiale Gewalt der Wassermassen beschauliche Ortskerne plötzlich meterhoch in den Fluten stehen. Eine reale Gefahr auch in Bad Homburg - auch wenn die momentane Trockenheit leicht vergessen macht.

Dass viele das "Jahrhunderthochwasser 2016" bereits vergessen haben, darüber kann Reinhard Vogt nur mit dem Kopf schütteln. Zwei Jahrzehnte lang leitete Vogt die Hochwasserschutzzentrale in Köln; sein Einsatz beim Kölner Hochwasser 1993 und 1995 trug ihm gar den Spitznamen "Hochwasserpapst" ein. In Bad Homburg referierte er am Freitag zum Thema "Vorsorge gegen Starkregen".

Die Verantwortung liege erst einmal bei den Bürgern. "Gesetzlich ist vorgeschrieben, dass jede Person, die von Hochwasser betroffen sein kann, selbst geeignete Vorsorgemaßnahmen trifft." Vollständiger Hochwasserschutz seitens der Kommune sei ökonomisch weder sinnvoll und oft technisch auch nicht möglich.

Die Dringlichkeit der Thematik hat die Ahrtal-Katastrophe deutlich gezeigt. Bedingt durch den Klimawandel und die Aufheizung der Atmosphäre werden derartige Regenfälle künftig häufiger und massiver auftreten - darüber sind sich die Experten einig. Die Stadt hat deshalb 2018 Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen von Starkregen beauftragt. Durchgespielt wurden drei Szenarien mit unterschiedlichen Niederschlagsmengen (47,5 Millimeter in einer Stunde, 80 und 261,7 Millimeter). Letzteres entspricht dem stärksten Ereignis der vergangenen Jahre in Münster 2014.

Im Ergebnis stehen mehrere Starkregenkarten. Sie zeigen simulierte Fließrichtungen und -geschwindigkeiten sowie maximale Überflutungstiefen in einzelnen Abschnitten. Die Karten können auf der Homepage der Stadt abgerufen werden.

Darauf ausruhen will man sich nicht. Seither kommen alle Beteiligten - Verwaltung, Katastrophenschutz, Feuerwehr und Energieversorger - alle drei Monate zusammen. Die Verwaltung prüft derzeit die Möglichkeit lokaler Maßnahmen am Erlenbach wie Mauern und Verwallungen.

Für Private wichtig ist ein Rückstauventil, das verhindert, dass das Wasser aus dem Kanal in den Keller fließt. "Bei Starkregen entstehen die häufigsten Schäden durch fehlende, falsch montierte oder defekte Rückstau-Sicherungen", mahnte der Experte und riet zur Absicherung von Lichtschächten und Kellerfenstern. Helfen könne auch eine Gartengestaltung, die die Fließrichtung auf natürliche Weise ableitet oder aufhält. flon

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