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Bad Homburg: Von der Uhr getrieben

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Von: Jürgen Streicher

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Blick in die neue Ausstellung im Sinclair-Haus, im Vordergrund in Plastik eingeschweißter 30 Millionen Jahre alter Grubenton.
Blick in die neue Ausstellung im Sinclair-Haus, im Vordergrund in Plastik eingeschweißter 30 Millionen Jahre alter Grubenton. © Monika Müller

Die Ausstellung „Tempo! Alle Zeit der Welt“ im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg beleuchtet das Thema Zeit.

Verschwenden Sie ein bisschen Zeit!“ Es ist eine der Aufforderungen, auf die man an den gelben Häuschen trifft. Eingeladen dazu, das persönliche Tempo im Spiel zu erkunden. Oder eben im Kinoraum im Obergeschoss des Museums Sinclair-Haus in Bad Homburg Claude Lelouch das Tempo bestimmen zu lassen. Nach drei Sekunden von 0 auf 180, gleichermaßen beim Speed auf der Straße und der steigenden Herzfrequenz, gegen die man sich bei diesem Acht-Minuten-Film nicht wehren kann. Körperlich als Stress wahrnehmbares Tempo auf Pariser Straßen; wer zuschaut, fährt mit auf diesem irrwitzigen Trip. Und wird im Nebenzimmer bei der Wahrnehmung der Urkraft des Wassers auf Zeitlupe fixiert. „Wir spielen mit den Gegensätzen“, sagt Direktorin Kathrin Meyer. Wer beide Filme gesehen hat, schnauft erstmal durch.

Die Ausstellung

Die Ausstellung im Museum Sinclair-Haus, Löwengasse 15, ist bis 6. Februar 2022 zu sehen.

Öffnungszeiten sind Dienstag, 14-20 Uhr, Mittwoch bis Freitag, 14 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 18 Uhr, an Feiertagen 12 bis 18 Uhr. Mittwochs ist der Eintritt frei.

„Tempo! Alle Zeit der Welt“ wird von einem umfangreichen Hybridprogramm begleitet. Es gibt Führungen in Echtzeit und den Audiowalk „A Walk in the Park“, begleitet von den Goldberg-Variationen von Bach.

Bereits online steht unter www.museum-sinclair-haus.de eine dreiteilige Podcast-Reihe. jüs

„Tempo! Alle Zeit der Welt“, die neue Ausstellung, die am Sonntag um 11 Uhr (mit Publikum) eröffnet wird, auch sie soll Kunst und Wissenschaft zusammenbringen. „Was ist Natur?“ hatten die Kuratorinnen Kathrin Meyer und Ina Fuchs bei der letzten Ausstellung vor Jahresfrist gefragt, nun fokussiert das Duo den Blick auf Zeit und Geschwindigkeit. Die neue Schau spielt mit der Ambivalenz, die sich auftut im Verhältnis zu Geschwindigkeit und Zeit, vor allem aber mit der Rolle des Menschen, die er als Initiator und Opfer der Beschleunigung einnimmt. Er hat die Wahl, wenn es um die persönliche Nutzung von Zeit geht. Das Maß ist vorgegeben, die Uhr tickt ohne Pause, in jedem Raum in einem anderen Spiegel der Kunst. „Wir laden die Besucher ein, ihr Tempo zu entfalten“, sagt Kathrin Meyer.

„Alle Zeit der Welt“ regt dazu an, das eigene Tempo- und Zeitbewusstsein zu schärfen. Im Herzstück der Ausstellung etwa, dazu haben die Kuratorinnen ein Ensemble zum Kohlenstoffkreislauf erkoren, garniert mit Texten des italienischen Schriftstellers und Chemikers Primo Levi, der einen Teil der Geschichte von der Beschleunigung der Welt anhand der Abenteuer eines Kohlenstoffatoms erzählt. Man kann aber auch an einem der gelben Häuschen eine Sanduhr umdrehen und, während der Sand rinnt, auf ein Landschaftsgemälde von Carl Bössenroth von 1892 schauen. Es zeigt eine Postkutsche auf der Stilfser-Jochstrasse am Beginn jener Epoche, in der die Menschen immer schneller werden wollten. Oder mittwochs von 14 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr beim Ausatmen mit blauer Farbe einen wandhohen Strich ziehen. Vom Hof des Museums über das Treppenhaus bis ins Obergeschoss soll das Kunstwerk „Breathe With Me“, inszeniert von Jeppe Hein, über den Zeitraum der Ausstellung wachsen.

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