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Im Englischen Flügel des Bad Homburger Schlosses werden wieder Führungen angeboten. Hier zeigt Gästeführer Manfred von Selasinsky die Räume von Landgräfin Elisabeth.
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Im Englischen Flügel des Bad Homburger Schlosses werden wieder Führungen angeboten. Hier zeigt Gästeführer Manfred von Selasinsky die Räume von Landgräfin Elisabeth.

Bad Homburg

Bad Homburg: Mit Hölderlin zurück ins Leben

  • vonJürgen Streicher
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Die Corona-Lage entspannt sich - und die Menschen genießen nach langer Pause wieder ein bisschen Kultur im Park, in der Saalburg und im Landgrafenschloss

Die jungen Menschen im hautfarbenen Unterkleid mit übergestülpten Kostümen aus Plexiglas mit dem Dichter Hölderlin in Verbindung zu bringen, ist nicht einfach für die Spaziergänger:innen im landgräflichen Gustavsgarten. Wie Waldgeister aus einer anderen Welt tauchen sie auf, plötzlich und doch ganz langsam zwischen tiefhängenden Ästen im feinsten Mai-Grün. Stumm, in sich versunken, in Zeitlupe. Beziehungslos, in weitem Abstand, eingezwängt in Korsetts, die mehr sind als ein Kostüm aus Plexiglas. Ziellos, aber wie durch ein geheimes Band verbunden, sind sie in ihrer Zwischenwelt.

Irritierend, das soll es auch sein. Menschen beim Picknick werden plötzlich still. Das freut Nadine Wagner, im Hintergrund beobachtet sie das Spiel. „Die Kostüme sollen was mit den Menschen machen“, sagt die Kunststudentin, die sie kreiert hat. Die Performance im Gustavsgarten und im Kleinen Tannenwald will die Wahrnehmung Hölderlins aus dem Korsett stereotyper Formen befreien. Denn Hölderlin lebt! Auch noch im 251. Jahr nach seiner Geburt. Und mit ihm und durch ihn leben Kunst und Kultur nach langer Pandemie-Dürre wieder auf. „O! Johann Christian Friedrich Hölderlin“ ist die Erinnerung an den großen Dichter übertitelt.

Am Pfingstmontag war auch die „Zweckgemeinschaft Hölderlin“ im öffentlichen Raum unterwegs. Noch so ein Lebenszeichen. Gar seltsam gekleidete Figuren in Kutten mit großen Kapuzen, die sich aus ihrer Außenseiterposition heraus, heißt es, mit Ideen der Lebensführung, deren Reform und Optimierung beschäftigen.

Kunst und Kultur sind zurück, das ist die Botschaft an Pfingsten. Endlich ist auch wieder ein Besuch bei Prinzessin „Eliza“ möglich. Im „Englischen Flügel“ des Schlosses freuen sich am Samstagnachmittag Walter Beier am Eingang und Schlossführerin Birgit Kaiser auf jeden Gast. „Die Leute sind glücklich“, hat Birgit Kaiser gespürt. Die Erwartungshaltung wachse nach der erzwungenen Abstinenz, die große Ausstellung zum Leben der englischen Prinzessin könnte jetzt endlich ein Highlight werden.

Knapp zwei Dutzend Gäste kann Birgit Kaiser am ersten Tag in kleinen Gruppen durch Elizas Welt führen. Die Regeln sind noch streng, Impfnachweis oder Corona-Test muss vorgelegt werden, in den Räumen sind sieben hochwertige Luftreiniger installiert worden. Zum 1. September ist die Wiedereröffnung des sanierten Königsflügels geplant, dann werden hier wieder Busladungen mit Menschen erwartet. „Die Räume sind fertig, die Kunstwerke kommen zurück“, berichten die beiden Schloss-Liebhaber.

Ein aktueller Schnelltest galt auch im Horex-Museum hinter dem Homburger Kulturbahnhof am Samstag als Lizenz zum freien Eintritt. Zwei Stunden nach Öffnung um 12 Uhr sind Dirk Mehlhorn und sein Schwiegersohn die ersten Gäste. „Wir freuen uns, das wieder auf ist“, sagt Motorrad-Fan Mehlhorn. Dass Fahrzeuge der legendären Marke derzeit nur sparsam ausgestellt sind, wusste er nicht. Wegen des Umbaus des Gotischen Hauses ist das Horex-Museum zum Schaudepot für dessen Sammlungen umgerüstet, für beide gibt’s als Bonus einen Blick durch die Schaufenster der Horex Motorcycles GmbH gegenüber.

Während die Hölderlin’schen Waldgeister schon verschwunden sind, weht ein Hauch römischer Geschichte noch bis zum frühen Abend durch das Römerkastell Saalburg. Auf dem großen Gelände sind ohne Zeit-Slot gleich 500 Besucher pro Tag erlaubt. Test wird empfohlen, ist aber keine Pflicht, Führungen und Veranstaltungen gibt es noch nicht. Die Autos vor dem Kastell belegen das überörtliche Interesse. Thailändische und koreanische Familien beim unbedrängten Fotoshooting vor historischem Mauerwerk, es ist angenehm ruhig, jeder findet seinen Platz und überraschend sind auch schon das Triclinium, die Kommandantur und der Getreidespeicher Horreum geöffnet. Der Wirt der „Taberna“ strahlt, über die Außengastronomie dürfen wieder Schnitzel mit Pommes angeboten werden.

Zum Geburtstag Friedrich Hölderlins hat Nadine Wagner (HfG Offenbach) eine Performance mit Kostümen aus Plexiglas für den Bad Homburger Gustavsgarten.

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