Der 83-jährige Peter Eichhorn aus Bad Homburg repariert Lampen jeder Art, aber speziell auch alte Kronleuchter. Bild: Monika Müller
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Der 83-jährige Peter Eichhorn aus Bad Homburg repariert Lampen jeder Art, aber speziell auch alte Kronleuchter.

Handwerk 

Alles, was leuchtet

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Peter Eichhorn repariert in Bad Homburg Lampen, die ihm aus ganz Deutschland zugeschickt werden – und damit irgendwie auch Erinnerungen.

Bad Homburg – Peter Eichhorns Reich ist eine Kammer mit Kruschelkram. Auf der Werkbank des 83-Jährigen stapeln sich Kisten mit Lampenfassungen, in den Regalen liegen Dutzende zusammengerollte Kabel, an den Wänden stehen Schubschränke voller Schrauben, von der Decke hängt eine Girlande aus Adaptern. Wer so gut ausgerüstet ist, der kann auch fast alles reparieren, vor allem wenn er über 50 Jahre Erfahrung bei der Reparatur von Elektrogeräten vorweisen kann.

Eichhorns Reich befindet sich in der Bad Homburger Fußgängerzone, in der Thomasstraße 1. In diesem Haus, damals noch Elektro-Müller, begann er 1951 eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. Danach arbeitete er in einem anderen Betrieb und machte sich 1970 selbstständig. Schon damals setzte Eichhorn auf Dienstleistung. „Der Service muss stimmen, wir haben damals sogar noch Heizkissen repariert.“ Die Menschen hatten wenig Geld, auch den defekten Schalter des Großmütterchens brachte er wieder in Ordnung. „Meine Frau hat immer gesagt, wir seien wie ein Tante-Emma-Laden.“

Lampen-Geschäft traditionell in Bad Homburg ansässig

Ersatzteile für jedes noch so kleine Bestandteil finden sich in Peter Eichhorns Werkstatt.

Mitte der 70er übernahm Eichhorn dann seinen früheren Ausbildungsbetrieb in der Thomasstraße. „Aber mach’ mir den Laden nicht kaputt“, habe sein Vorgänger ihm mit auf den Weg gegeben. Eichhorn hat sich daran gehalten und das Geschäft seinerseits schon vor etwa 15 Jahren in jüngere Hände übergeben. Seitdem hat er wieder mehr Zeit, sich um Reparaturen zu kümmern.

Die Zeiten, in denen er alles reparieren konnte, sind aber vorbei. „Bei Staubsaugern wollen die Hersteller, dass man die einschickt, die bekommt man gar nicht mehr auf“, klagt Eichhorn. Daher hat sich der rüstige Senior spezialisiert auf alles, was leuchtet. „Lampen habe ich im Griff.“ Vor etwa einem Jahr kam ihm dann die Idee, seine jungen Kollegen in seinem ehemaligen Geschäft zu fragen, ob sie seine Lampenreparaturen nicht mal in diesem Internet anbieten könnten. Sie konnten. Seitdem bekommt Eichhorn Aufträge aus dem ganzen Bundesgebiet. „Die erste Lampe kam aus München“, erinnert er sich. Der Auftrag hat ihn überrascht, er konnte nicht verstehen, dass der Kunde in ganz München niemanden fand, der ihm die Lampe reparierte. „Da legt man doch nicht drauf, wenn man eine Lampe repariert.“

Lampen-Reparaturen in Bad Homburg: Vom Ehrgeiz gepackt

Doch so wie dem Kunden aus München geht es offenbar vielen Lampenbesitzern. Ein Ehepaar aus Aachen wollte eine große Messingstehlampe reparieren lassen. „Sie haben in drei Geschäften in Aachen gesagt bekommen, sie sollten die Lampe wegschmeißen“, staunt Eichhorn. Das Ehepaar brachte die Lampe dann eigenhändig nach Bad Homburg. Über den Ausflug in den Taunus hat Catharina Lebram dann bei Google Bewertungen geschrieben. 

So filigran und aufwändig werden Lampen heute kaum noch hergestellt.

„Wir dachten, wir fahren in zwei Wochen wieder da hin, um sie abzuholen.“ Stattdessen bekamen die Lebrams schon drei Stunden später, während sie noch in Bad Homburg waren, einen Anruf, die Lampe sei repariert. „Was für ein Service. Vielen herzlichen Dank“, jubelten die Aachener. Eichhorn erinnert sich noch gut an die Reparatur. „Da hatte mich auch ein bisschen der Ehrgeiz gepackt“, weil das woanders niemand gekonnt hat“, freut er sich.

Den Erstkontakt mit den Kunden hat häufig Steffi Waclawczyk unten im Laden. Viele rufen zunächst an und schicken dann Fotos von ihren Sorgenkindern. Über die Kosten kann da noch nicht viel gesagt werden, das sei aber auch meist nicht das Problem, verdeutlicht Waclawczyk: „Es wird angeboten, Preise zu zahlen, die den Neuwert übersteigen.“ Die Wendung „egal, was es kostet“ hört die Eichhorn-Mitarbeiterin häufiger mal.

Mit Fingerspitzengefühl und Erfahrung rettet Peter Eichhorn Lampen.

Eichhorn selbst erinnert sich daran, wie einmal jemand mit einer Ikea-Lampe bei ihm auftauchte und die unbedingt repariert haben wollte. „Die Leute wollen die Lampen repariert haben, weil da die Oma oder der Ehemann immer drunter gesessen hat“, sagt Eichhorn und ergänzt fast philosophisch: „Wir reparieren nicht die Lampe, wir reparieren die Erinnerung.“

Bad Homburg: Lampen-Reparatur kostet bis zu 350 Euro

Dabei ist nicht immer nur die Kenntnis des Elektrikers, sondern auch die des Restaurateurs gefragt. Über der Werkbank hängt ein Kronleuchter mit Engelsflügeln aus Holz. „Der ist noch älter als ich“, sagt der 83-Jährige über den Auftrag aus Seligenstadt. Manchmal öffnet er eine Lampe und alles zerfällt in seine Einzelteile. Die Erneuerung, die ja auch sicherheitstechnisch einwandfrei sein muss, ist dann teilweise eine ziemliche Friemelei. Wenn er ein neues Kabel durch einen alten Lüsterarm ziehen muss, verwendet der findige Fachmann schon mal einen Staubsauger, um vorab einen Bindfaden durch die Engstelle zu ziehen.

Manchmal öffnet der Elektriker eine Lampe und alles zerfällt in seine Einzelteile. Dann wird die Restauration eine ziemliche Friemelei, bei der die Wahl des Werkzeugs und das Geschick entscheiden.

Die komplette Sanierung eines Leuchters kann da mit dem Arbeitslohn schon mal auf 350 Euro kommen. Doch seine Kunden danken es ihm. „Ich bekomme Geschenke und Briefe.“ Aber dafür ist in der Kammer mit Kruschelkram nicht auch noch Platz.

Kontakt: Telefon 06172 / 280 08; www.eichhorngmbh.de

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