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Diese Plakatwand in Bad Homburg zeigt die OB-Kandidaten auf einen Blick. Michael Schick
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Diese Plakatwand in Bad Homburg zeigt die OB-Kandidaten auf einen Blick. Michael Schick

Bad Homburg

Bad Homburg: Drei Herausforderer und ein Platzhirsch kämpfen im OB-Sessel

  • vonJürgen Streicher
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In Bad Homburg wird am „Superwahltag“ auch der Oberbürgermeister neu gewählt.

Nur die „Internationale Liste“ mit ihren Spitzenkandidaten ist vor Ort, mitten in der Einkaufszone Louisenstraße, allein auf weiter Polit-Flur. Werbung in eigener Sache, sie müssen nicht kämpfen, sie wollen gemeinsam Politik machen im Ausländerbeirat der Stadt. Kommunalwahlkampf im Vorfrühling 2021 findet nicht auf der Straße statt, das ist die Abmachung. Auch Peter Braun, der „Blumen-Peter“, der als Spitzenkandidat auf der Liste 8 „Peter für Bad Homburg“ (PfB) antritt, handelt am Samstagmittag nur mit Frühlingsboten.

Immerhin steht am 14. März auch eine Richtungswahl an. Die Kurstadt wählt nicht nur ein neues Kommunalparlament. Vier Männer rangeln gleichzeitig um den Oberbürgermeistersessel, der „Noch-Amtsinhaber“ Alexander Hetjes (CDU), wie ihn sein Herausforderer Thomas Kreuder (SPD) nennt, der unabhängige Kandidat Armin Johnert von der Bürgerliste Bad Homburg (BLB) und Alexander Unrath (Grüne).

Rund 46 000 Kurstädter:innen haben am 14. März die Wahl, fast 10 000 haben bereits ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Der Wahlkampf wird vor allem digital ausgetragen, „soziale Medien“, lokale Foren und persönliche Internetseiten sind die Plattformen, auf denen sich die Parteien und ihre OB-Kandidaten beweisen müssen. Die Straße wird als Bildraum mit Botschaften nur dezent genutzt. Man sieht sie, aber man wird nicht permanent auf sie gestoßen, mit Konterfeis über drei Stockwerke wie in der Nachbarstadt Oberursel.

Super-Wahltag

Rund 46 000 Menschen dürfen am 14. März wählen. Gewählt werden Oberbürgermeister, Stadtparlament, Ortsbeiräte, Kreistag und Ausländerbeirat. Für das Stadtparlament stehen CDU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke, BLB, AfD und PfB zur Wahl.

Im aktuellen Parlament mit CDU/SPD-Koalition ist die Sitzverteilung wie folgt: CDU 22, SPD 7, Grüne 6, FDP 4, BLB 3 sowie sieben Abgeordnete ohne Fraktionsstatus. jüs

Ergebnisse: www.bad-homburg.de

Größere Plakatwände spiegeln die aktuelle Hierarchie. Die Führungskräfte der CDU/SPD-Koalition, die OB werden wollen, Schulter an Schulter groß im Hochformat, der „Macher“ Kreuder und der „Strahlemann“ Hetjes. Nur einer kann das Rennen machen, viele Homburger wissen, dass die Koalition keine Liebesverbindung ist. Hart muss die SPD um jeden ihr wichtigen Punkt kämpfen. „Mehr wagen“ ist das Mantra des 60-jährigen Kreuder, „mehr machen und zupacken, mehr Empathie“, weil die Menschen in der Stadt „mehr verdient haben, als sie in den letzten fünf Jahren bekommen haben“. Schulter an Schulter steht bei der OB-Wahl niemand.

Wie sehr OB- und Kommunalwahl verwoben sind, demonstriert die CDU. Der junge Fraktionschef Oliver Jedynak (28) ist wieder die Nr. 1 auf der Liste, auf dem Titel der Wahlbroschüre und auf Litfaßsäulen aber ist die Führungskraft nur ein blasser Schattenmann wie all die anderen 48 Männer und Frauen, die für die CDU werben. Da gibt es blatthoch nur einen, OB Hetjes (41), der das unbedingt auch bleiben will. „Gemeinsam mehr bewegen“ lautet der Slogan, der Fixstern aber kann immer nur einer sein. Am Fuß jeder Seite die Arbeiter:innen der Partei, im Zentrum der Mann, der als Garant für Stadtentwicklung bei allen wichtigen Themen in Szene gesetzt wird.

Trotz jeder Menge Pleiten, Pech und Pannen zuletzt. Die ohne Unterstützung von Volk und Parlament erfolgte Bewerbung um die Landesgartenschau, die kleinlaut zurückgezogen wurde, die Posse um den Standort für den „Big Half Foot“ im öffentlichen Raum, der die Stadt hessenweit zum Gespött gemacht hat, und die „Hühnerstein“-Panne, wo ein großes Wohnquartier für junge Familien gebaut wird, die Kinder wegen fehlender Kita aber in den Nachbarort geschickt werden.

Um große Unterschiede in den Wahlkämpfen auszumachen, muss man genau hinhören, hingucken und auf die Nuancen achten. Die Themen sind gesetzt, keiner kann sich den Herausforderungen Stadtentwicklung und Wohnen, Wirtschaft und Handel in einer lebendigen Innenstadt, neue Mobilität und Grün entziehen. Die Worte Klimaneutralität und Verweilqualität gehen allen geschmeidig über die Lippen, Thomas Kreuder und seine SPD preschen mit dem Ziel Klimaneutralität in der Stadt bis 2027 am meisten vor, die Grünen und ihr OB-Kandidat haben 2035 im Visier, die CDU will sie zügig erreichen. Beim neuen Kurhaus soll es schneller gehen, Abriss und Neubau oder Sanierung im Bestand, das ist die (mindestens) 100-Millionen-Euro-Frage.

Dass die Stadtpolitik weiblicher wird, ist auf Listen der Fraktionen festgeschrieben, wenn denn nicht übermäßig kumuliert wird. Konsequent alternierend bieten die Grünen mit Spitzenkandidatin Daniela Kraft 22 Kandidat:innen, der SPD fehlt für eine gleiche Verteilung nur eine Frau, die BLB teilt ihre 36 Plätze gerecht auf, die CDU bietet unter 49 Namen 20 Frauen. Junge Politik in Spitzenstellung bieten CDU und SPD mit ihren Fraktionschefs Oliver Jedynak (28) und Tobias Ottaviani (24), die dafür auch weiterhin gesetzt sind. Jüngster Mann mit Chancen auf den Einzug ins Parlament ist Joshua Müller (18) von den Grünen. Auch die FDP setzt mit Ortschef Tim Hordorff (27) auf Platz 3 auf Zukunft, der Anteil junger Menschen unter 30 Jahren, die in der Stadtpolitik auf sich und die Belange ihrer Generation aufmerksam machen wollen, bleibt aber vergleichsweise gering.

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