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Wo die Antike spricht

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Dr. Carsten Amrhein ist neuer Centurio der Saalburg.
Dr. Carsten Amrhein ist neuer Centurio der Saalburg. © Michael Schick

Die Saalburg hat einen neuen Direktor. Auf Egon Schallmayer folgt Carsten Amrhein. Neben der Forschung sollen die eigenen Materialbestände in den Fokus rücken.

Von Olav Velte

Er ist der sechste Centurio, seitdem das Römerkastell Saalburg vor über hundert Jahren wieder aufgebaut wurde. Nach Louis und Heinrich Jacobi, Hans Schönberger, Dietwulf Baatz und Egon Schallmayer hat Carsten Amrhein am 15. Juni die Leitung auf dem Taunuskamm offiziell übernommen. Sein Territorium kennt der Doktor der klassischen Archäologie aus dem Effeff – in den vergangenen neun Jahren hat er als stellvertretender Leiter die Ära Schallmayer mitgeprägt.

Moderne Bahnen

Dass der Vorgänger das Museum in ein anderes Zeitalter gehoben hat, steht außer Zweifel. Er habe, so Amrhein, dem Ganzen eine neue Ausrichtung gegeben. 1995 angetreten, hat der in den Ruhestand verabschiedete Direktor nicht nur Infrastruktur und Forschung in moderne Bahnen gelenkt – das rekonstruierte Kastell wurde auch für weite Besucherkreise zugänglich gemacht. Diesen Weg werden die sechzehn Mitarbeiter am Limeswall nicht verlassen. "Die Vermittlungsarbeit steht hier ganz klar an erster Stelle."

Schätze werden aufbereitet

Weitere Arbeitsfelder werden das Tempo der kommenden Jahre bestimmen: Neben der Forschung rücken vor allem die eigenen Materialbestände in den Fokus. Rund 550 000 Objekte lagern im Depot. Endlich sei einmal Zeit, die Schätze aufzubereiten. "Gerade die lokale Geschichte", sagt Amrhein, "wollen wir stärker fördern." Auch Fundstücke zum Thema "Sex in der Antike" sollen endlich einer aufgeklärten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Behutsam werde man die Dauerausstellung dem Zeitgeschmack angleichen. Ohne den "besonderen Charme" des Hauses aufzugeben, soll eine Hinwendung zu Multimedia und Mehrsprachigkeit erfolgen. Wie für alles andere müsse man sich wegen der dünnen Personaldecke aber Zeit lassen. "Das geht nur Raum für Raum und peu à peu."

Etwa 120 000 Besucher kommen jährlich in das Freilichtmuseum. Eine Zahl, die gesteigert werden soll. Wenn das Wetter nicht mitspiele, nütze das attraktivste Angebot nichts. "Der Mai war eine Katastrophe." Künftig wolle man das Indoor-Programm ausweiten.

Vieles ist in Bewegung

Wer sich am Kastell umschaut, sieht, wie viel in Bewegung ist. Bis Ende des nächsten Jahres, so die Planungen, werden die Bautätigkeiten abgeschlossen sein. Derzeit sanieren Fachleute die komplette Umfassungsmauer der Saalburg – und verwenden dafür, wie zu Jacobis Zeiten, das Gestein aus dem nahen Quarzitbruch. Am Ende werden nicht nur alle römischen und wilhelminischen Gebäude generalüberholt sein, auch die im Wald aufragende Jupitersäule wird glänzen wie ehedem. Der Parkplatz bekommt ab Ende des laufenden Jahres ein neues Aussehen mit festen Wegen, Beleuchtung und Buchten.

Große Aufgaben, denen der 1964 in Mainz – "unsere römische Provinzhauptstadt" – geborene Direktor mit Gelassenheit entgegenblickt. Was soll einen Mann auch erschüttern, der zwei umfangreiche Grabungsprojekte in der Türkei mitgemacht und als Archäologe zwölf Monate im Mittelmeerraum unterwegs war? Carsten Amrhein steht auf festen Fundamenten. "Wir präsentieren hier Gesellschaftsmodelle, die uns Heutigen noch Lösungsansätze bieten." So habe das Thema "Integration" schon in römischer Zeit die Gemüter bewegt. Seinen Auftrag formuliert der neue Museumsleiter ohne Wenn und Aber: "Die Saalburg beherbergt ein Menschheitsbewusstsein – und das müssen wir zeigen."

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