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Alabaster-Büste von Hölderlins Geliebter Susette Gontard.

Bad Homburg

Annäherung an Hölderlin in Bad Homburg

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Eine Ausstellung im Gotischen Haus in Bad Homburg widmet sich dem Dichter anlässlich seines 250. Geburtstags.

Ein Rätsel wird der Lyriker und Dichter Friedrich Hölderlin für die meisten wohl immer bleiben. Hölderlin, der Unverstandene, der Verdunkelte, der sich im Laufe seines Lebens immer mehr in Welten zurückzog, zu denen keiner mehr Zugang hatte. Hölderlin, der Umnachtete, der Wahnsinnige. Zart, mit Samthandschuhen musste man ihn anfassen, mit weißen Samthandschuhen öffnet Ursula Grzechca-Mohr ein gemaltes und geschriebenes Buch zu Ehren des Dichters im Großformat. Eine Arbeit des Künstlers Jürgen Wölbing, die sieben Maximen zu Hölderlin aufzeigen will. Ein Unikat, ein Glanzstück der gestern eröffneten Ausstellung im Gotischen Haus, die den Unverstandenen näher bringen will.

Zum 250. Geburtstag feiert Bad Homburg den Mann, der kein Sohn der Stadt war, aber einer ihrer prominentesten temporären Bewohner. Die von Museumsleiterin Grzechca-Mohr und ihrem Team gestaltete Ausstellung gilt als Eröffnung des Hölderlin-Jahres mit Lesungen, Vorträgen, Installationen und sogar einem Musical neben der jährlichen Verleihung des Literaturpreises. „Den Zugang zu Hölderlin müssen wir uns erarbeiten“, sagt die Museumschefin im mit über 100 Gästen überfüllten Gartensaal. Es sei „großartig, dass eine Stadt sich das zur Aufgabe macht.“

Der Titel der Ausstellung „Hölderlin – Ein geprägtes Bild“ passt in doppelter Hinsicht. Sie zeigt einen veritablen Ausschnitt der weltweit einzigen öffentlichen Sammlung an Münzen und Medaillen auf Friedrich Hölderlin mit rund 4000 Exemplaren. Ein geprägtes Bild, auf Münzen und in den Köpfen der Nachgeborenen, die Hölderlin nicht kannten. Da gibt es fast nur eine Darstellung nach einer Kopie des Homburgers Louis Jacobi, der auch für die Gestaltung des Hölderlin-Denkmals im Kurpark zuständig war. Das Porträt eines vergeistigten jungen Mannes, schön stilisiert. Hölderlins Schwester soll damals gesagt haben, dass er ganz anders ausgesehen habe.

Eine exaltierte Persönlichkeit

Im kollektiven Gedächtnis wird jener andere Hölderlin bleiben. Der smarte junge Mann, der das Denkmal von 1870/72 ziert. „Er war ja eine exaltierte Persönlichkeit“, sagt Ursula Grzechca-Mohr. Auf der einen Seite wollten die Homburger ihn gerne loswerden, auf der anderen haben sie ihm Denkmäler gesetzt. Noch im gleichen Jahr der Installierung des Denkmals gab es im Kurpark an den Heilbrunnen Trinkpokale mit einer Gravur davon. Eine Straße wurde nach ihm benannt, eine Schule, per App wird man heute zu Stationen des Dichters in der Stadt geführt, wo er seiner verlorenen Liebe zur Kaufmannstochter Susette Gontard nachtrauerte.

Im ersten Raum der Ausstellung finden sich Darstellungen der drei entscheidenden Figuren in der Geschichte Hölderlin und Bad Homburg. Der Dichter selbst in der Darstellung von Jacobi, als Alabasterbüste Susette Gontard, eine Leihgabe des Frankfurter Liebig-Hauses und ein Bildnis von Hölderlin-Freund Isaac von Sinclair, der ihm Wohnung und einen Job in der Bibliothek des Landgrafenschlosses verschaffte. Riesige Fotografien zeigen die Häuser in der Dorotheenstraße und der Haingasse, in denen Hölderlin zu Gast war, grüne Fähnchen markieren sie auf einem Stadtmodell der Zeit um die Wende zum 19. Jahrhundert als Homburg noch um die 2000 Einwohner hatte.

Die Schau, in der auch drei Radierungen des Zyklus „Hölderlin Wahnsinn I-III“ von Alfred Hrdlicka zu sehen sind, ist noch bis zum Sommerende zu sehen, wenn das Gotische Haus für Sanierungsarbeiten geschlossen wird: Di. bis Sa. 14-17 Uhr, So. 10 bis 18 Uhr.

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