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Altmeisterliches Glück

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Von: Olaf Velte

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Der Wolfsbarsch von Vroni Schwegler in Formation.
Der Wolfsbarsch von Vroni Schwegler in Formation. © Michael Schick

Der diesjährige Bad Homburger Herbstsalon vereint in den Räumen der Galerie Artlantis mehr als 40 Werke von 14 Künstlern. Traditionell wurde einer der Teilnehmer mit dem Kunstpreis der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung geehrt.

Eine Bandbreite an Ausdrucksformen, eine Vielfalt an Motiven und Materialien. Der diesjährige „Bad Homburger Herbstsalon“ vereint in den Räumen der Galerie Artlantis mehr als 40 Werke von 14 Künstlern – zeitgenössische Positionsbestimmungen, die zu begutachten und zu erwerben sind. Traditionell wurde einer der Teilnehmer mit dem Kunstpreis der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung geehrt.

Das surreale Moment herrscht vor. Schon am Eingang empfangen den Besucher die „Grenzland“-Gemälde von Ahmad Rafi: Landschaftsansichten, die von frei schwebenden Tellern und Vasen verfremdet werden. Im Hauptsaal der ehemaligen Kartonagenfabrik dann die Figurengruppe der in Amsterdam lebenden Caroline Kampfraath. Meterweit fließt ein Haarstrang über den Boden, verknüpft Hund und Frau: „Unerbittlich“.

Aus Friedberg, Oslo, Bad Kreuznach, Kiel, Augsburg und Berlin kommen die Maler, Bildhauer und Fotografen – eingeladen von den kunstschaffenden Mitgliedern des Vereins Artlantis. Zum fünften Male also eine Biennale im Kleinen. Eine Darbietung, die jedoch keine Vergleiche zu scheuen braucht, die überzeugt und herausfordert.

Eine Jury, die hier den Stiftungspreis vergeben soll, muss sich auf Disparates einlassen. Da erschafft die mit Wald- und Vogelgeräuschen angereicherte audiovisuelle Installation von Werner Cee eine eigene Welt, während die in Porzellan gebrannten Geschöpfe der Kielerin Birgit Saupe ihre Deformationen transparent machen.

Gearbeitet wurde mit Bienenwachs und Bitumen, mit trockenem Laub und bonbonfarbenem Acrylglas – so vielfältig das Material, so individuell die Einlassungen. Der mit 1500 Euro dotierte Artlantis-Kunstpreis kommt einer Künstlerin zugute, deren stille Arbeiten in altmeisterlicher Manier ausgeführt sind.

23 Variationen eines Wolfsbarsches

Jedem Marktgeschrei abhold, folgt die 1970 geborene und in Frankfurt lebende Vroni Schwegler einer Vision, die das Thema „Stillleben“ auf einzigartige Weise definiert. Ausgestellt sind 23 Variationen eines auf kleinen Holzplatten gemalten Wolfsbarsches – angeordnet zu einem Fischschwarm auf Wandbreite. Dass derselbe tote Fisch über Tage porträtiert wurde, transzendiert das Abgebildete.

Die Dynamik der Komposition ist ohne das Moment des Verwesens nicht zu denken. „Sie greift die Tradition auf und löst gleichzeitig ihr Motiv aus dem Kontext des klassischen Sujets“, heißt es in der Laudatio von Kunsthistorikerin Esther Walldorf. Vroni Schwegler hat ihre künstlerischen Wurzeln im 19. Jahrhundert. Das „präzise und in der Schwebe gehaltene“ Oeuvre des Louis Eysen – einst Mitglied der Kronberger Malerkolonie – ist ihr nahe. „Meine Fische erzählen vom Glück der Bewegung und der Transformation“, sagt eine Künstlerin, die seit wenigen Tagen eine Ente malt.

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