1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Abschied von der Mutter der Maus

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Isolde Schmitt-Menzel mit der Maus-Statue. reichwein
Isolde Schmitt-Menzel mit der Maus-Statue. reichwein © Jochen Reichwein

Zeichnerin Schmitt-Menzel gestorben

Bad Homburg - Wenn die Maus kommt, hört man es. Das Geräusch, das die orangefarbene Berühmtheit beim Laufen macht, entsteht durch zwei Kokosnussschalen, die aneinander geklopft werden. Eine simple Lösung für das große Problem, eine eigentlich stumme Maus zu vertonen. Pragmatisch und einleuchtend - so wie „Die Sendung mit der Maus“ selbst. Ein Erfolgsrezept. Seit einem halben Jahrhundert schon erklärt die Maus Kindern die Welt.

Am 7. März 1971, vor 51 Jahren, erblickte das Tier das Licht der Fernsehwelt. Seinerzeit flimmerte die erste Sendung im WDR über den Fernsehschirm. Erfunden hat die Maus aber keine Kölnerin, sondern eine Hessin: Isolde Schmitt-Menzel, Jahrgang 1930, die seit 1971 immer wieder in Bad Homburg gelebt und gearbeitet hat. Ihr Verdienst ist es, dass man nur „die Maus“ sagen muss, und jeder sofort weiß, um wen es geht. Am Donnerstag ist Schmitt-Menzel in Kronberg gestorben.

Die Grafikerin, Keramikerin und Designerin sollte 1969 für den WDR eine Bildergeschichte namens „Maus im Laden“ entwerfen. „Für mich war klar: Die wird nicht grau, die wird orange!“, erzählte die Künstlerin 2012, damals bereits 82 Jahre alt. Dem WDR gefiel die Maus so gut, dass der Sender Schmitt-Menzel beauftragte, sich weitere Bildergeschichten mit dieser Maus auszudenken, und zwar als Zwischenspots für die Sendung „Lach- und Sachgeschichten“. Schmitt-Menzel entwarf 130 Storyboards, in denen die Maus auftaucht. Nach dreieinhalb Jahren endete dann jedoch die Zusammenarbeit mit der Sendeanstalt. Aber ihre Erfindung einfach loszulassen? Das kam für die Künstlerin nicht infrage. Schließlich war das Tier, wie ihre Biographin Nicole Schmitt-Ludwig schreibt, zu ihrem vierten Kind geworden. Schmitt-Menzel schuf im Laufe der Zeit ein Oeuvre, in dem der Kinderstar stets die Hauptrolle spielte: Sie schrieb Bücher, entwickelte Spiele - sie setzte der Maus sogar ein Denkmal in der Kurstadt, eine Maus-Statue aus Bronze am Gotischen Hauses.

Dass jeden Sonntag das Wimpernklimpern neu ertönt und die Maus zeigt, dass es für alle Probleme eine Lösung gibt, wenn man nur mit Herz und Verstand an die Sache herangeht, ist auch Schmitt-Menzel zu verdanken. Die Mutter der Maus wurde 92 Jahre alt. judo

Auch interessant

Kommentare