Hochtaunus

Ausbildungsmarkt bricht ein

  • vonMatthias Pieren
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Einige Branchen bilden bis zu 25 Prozent weniger aus als 2019. Das Handwerk verzeichnet mehr Verträge.

Die Corona-Pandemie hat viele vor der Berufswahl stehende junge Menschen in diesem Jahr bei ihrer Suche nach dem gewünschten Ausbildungsplatz kalt erwischt. Die Entwicklung der vergangenen Jahre mit wachsenden Bewerberzahlen und steigender Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze im Hochtaunuskreis wurde jäh gestoppt. Nach Angaben der Agentur für Arbeit in Bad Homburg wurden einige Ausbildungsstellen, die im Frühjahr noch ausgeschrieben waren, aufgrund der nicht abzuschätzenden Lage zurückgezogen.

„Ich beobachte die von der Pandemie hervorgerufenen Veränderungen auf dem Ausbildungsmarkt mit Sorge“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, Matthias Oppel. „Wir haben einen massiven Einbruch bei den Ausbildungsstellen erlitten.“ Wegen der angeordneten Schließung der Hotels und Restaurants im Frühjahr sei in diesem Bereich eine Ausbildung teilweise gar nicht mehr möglich gewesen. Auch wurden die entsprechenden Berufsschulen geschlossen.

Neben dem Gastgewerbe hätten das verarbeitende Gewerbe, die Medienbranche und der Bereich der unternehmensorientierten Dienstleistungen die Zahl der Ausbildungsplätze überproportional reduziert. „Wir hatten in diesen Branchen einen Einbruch von bis zu 25 Prozent der ursprünglich zu besetzenden Ausbildungsplätze. Dieser Wert hat sich immerhin bis zum Spätsommer und Anfang Herbst auf weniger als 20 Prozent leicht verbessert“, bilanziert Oppel.

Lediglich in der Baubranche sowie im Bereich „Gesundheit und Pflege“ gab es ein leichtes Plus. Stabil geblieben seien die Zahlen bei Versicherungen und Banken, in der Immobilienbranche sowie der IT. Bei den kaufmännischen Berufen im Bereich der Dienstleistungen, Handel, Vertrieb und Tourismus lag das Minus bei rund zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Genauso groß war das Minus im Bereich Soziales und Erziehung. „Insgesamt wurden in dem nun zu Ende gegangenen Berichtsjahr 2019/2020 im Hochtaunuskreis 1094 freie Ausbildungsstellen gemeldet“, sagt Oppel. „Das sind 118 Stellen oder fast zehn Prozent weniger als im Vorjahr.“

Im Bereich der Industrie- und Handelskammer Frankfurt, die sich auch um die Belange der Ausbildung in den Mitgliedsbetrieben im Hochtaunus kümmert, ist das Ausbildungsjahr noch nicht abgeschlossen. „Bislang wurden im Kreis 531 Ausbildungsverträge unterschrieben“, teilt Brigitte Scheuerle, Geschäftsführerin für Aus- und Weiterbildung, mit. „Das sind 17 Prozent weniger als im vergangenen Jahr. 2019 hatten 641 Azubis bei IHK-Mitgliedsunternehmen im Kreis eine Ausbildung begonnen.“

Da sich die Bewerbungsverfahren wegen Corona bis in den Herbst verlagert haben, gebe es noch etliche Chancen. Zwar seien im Hochtaunus nur noch 39 Ausbildungsstellen unbesetzt – im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 61. „Es lohnt sich für Bewerber aber, auch außerhalb des Kreises geeignete oder gar Wunschstellen zu suchen“, so Scheuerle. „In Frankfurt ist der Markt noch in vollem Gange.“

Deutlich besser sieht die Situation im Handwerk aus. „Im Hochtaunuskreis wurden 136 neue Ausbildungsverträge unterzeichnet“, teilt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Peter Sachs, mit „Das entspricht einem Plus von zehn Prozent im Vergleich zu den 124 Abschlüssen im vergangenen Jahr.“ Besonders stark war demnach das Plus in der Sanitär- und Heizungsbranche (+10). Demgegenüber sind die Friseure aufgrund des Lockdowns im Frühjahr deutlich vorsichtiger geworden und haben viel weniger neue Azubis eingestellt.

Auch die Berufsschulen spüren die Veränderung am Ausbildungsmarkt. „Vor den Sommerferien hatten wir Sorge, dass die Klassen überhaupt nicht voll werden“, sagt Markus Büchele, Leiter der Hochtaunusschule. „Doch gerade unsere Berufsschulklassen werden seit Schuljahresbeginn größer und größer.“ Noch im Oktober gab es Neuanmeldungen während des laufenden Schuljahres. Früher war das ganz anders: Da waren die Anmeldungen im Frühjahr abgeschlossen.

Die Feldbergschule vermeldet in ihren Berufsschulklassen hingegen spürbar weniger Berufsanfänger. „Das hängt damit zusammen, dass einige Betriebe in der aktuellen Situation nicht erneut ausbilden“, erklärt Schulleiter Peter Selesnew.

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