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Die Audenstraße rocken

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Von: Olaf Velte

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Musik an allen Ecken und Enden: Im Irish Pub im Rathaus spielten die Tonejets.
Musik an allen Ecken und Enden: Im Irish Pub im Rathaus spielten die Tonejets. © Monika Müller

Wählen zwischen 16 Bands, fünf DJs und einem Eisbecher im Straßencafé: Bei der achten Bad Homburger Musiknacht ist Texas inmitten des musikalischen Dreiecks nicht weit weg.

Dann also der Blues. Es ist kurz nach acht, die ersten Biere stehen auf der Theke, und der Gitarrist steigt in den Klassiker „Before you accuse me“ ein. Gregor Kokorski heißt der Mann, neben ihm nur noch Bassistin und Schlagzeuger: Die Hesse James Blues Band eröffnet im Gewölbekeller Augustin die 8. Bad Homburger Musiknacht. Wer am Samstagabend einen Gang durch die Innenstadt machte, konnte wählen zwischen 16 Bands, fünf DJs und einem Eisbecher im Straßencafé.

Viele der Flaneure entschieden sich zunächst für den Sitz im Freien, genossen die ausklingende Wärme des süffigen Frühlingstages. „Das beste Wetter, das wir je hatten“, so Jörg Hölzer, Vorsitzender der veranstaltenden Aktionsgemeinschaft Bad Homburg. Fast 10?000 Menschen waren nach seiner Meinung in dem musikalischen Dreieck zwischen Schulberg, Europakreisel und Kurpark unterwegs. Erst spät füllten sich die Kneipen, in denen ein Potpourri verschiedenster Melodien geboten wurde.

Kurz vor neun im E-Werk. Die Bühne ist dicht gefüllt mit jungen und älteren Musikanten, da blitzen Saxophone und Brillengläser, Notenblätter machen die Runde. Erstmals wird in den Räumen des Jugendkulturtreffs eine Jam-Session veranstaltet, die sich ausschließlich dem Jazz widmet. Während die Schüler mit Bass und Gitarre ein Fundament legen, starten die Altmeister ihre Soli. Ganz klar: Die Homburger Jazz-Szene ist auf dem Weg in die nächste Generation. Dagegen braucht es gestandene Männer, um die Audenstraße zu rocken. Cosmix spielen zwar im Prinz von Homburg, beschallen aber das gesamte Geviert – mit Geripptem am Hauseck lässt es sich da gut leben. Und auf den Einblick in die benachbarte Schreinerei kann man getrost verzichten: vor allem, weil die Schlange vor dem Einlass minütlich länger wird.

Am Waisenhausplatz herrscht um kurz vor halb die größte Dichte an Cocktailkleidchen im gesamten rauschbereiten Hochtaunuskreis. Was ist passiert? Im Peppers ist die Stimmung auf dem Siedepunkt – und wer jung und schön ist, darf dabei nicht fehlen.

Raserei auch in der Rathaus Ladengalerie, wo die Downhomers den Buddy Holly aus dem Sack lassen. Hier regieren Petticoats und Turnschuhe: Mitglieder des Homburger Rock’n Roll-Clubs wirbeln, dass das Bier aus dem Humpen schwappt. Und Bassistin Jutta trägt ein Pünktchenkleid. Was bleibt? Der Blues – und den gibt es in einem tiefen Keller an der Kaiser-Friedrich-Promenade. Dort, wo „Knob Creek“ und „Wild Turkey“ im Regal stehen, wo Texas nur einen Katzensprung entfernt ist.

Jetzt wühlt sich Hesse James in den Stevie-Ray-Vaughn-Kracher „Change it“. Schweiß tropft, das Bottleneck flitzt über die Saiten, irgendwo ruft jemand nach der Bedienung. Ein doppelter Bourbon und die heilende Kraft des Blues. Das bleibt.

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